Beziehung zwischen Vorgesetzten und MitarbeiternWie Mitarbeitende mit neuen Vorgesetzten umgehen

Wenn ein Team einen neuen, externen Vorgesetzten bekommt, ist das oft von Beginn an eine starke Belastungsprobe für beide Seiten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zwiegespalten: die einen freuen sich auf den „frischen Wind“, die anderen sind skeptisch bis ablehnend. Das hat unterschiedliche Gründe.

Wodurch die Einstellung zu neuen Vorgesetzte geprägt ist

Neue Vorgesetzte erzeugen bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erst einmal Fragen und manchmal auch Vorbehalte oder Skepsis. Diese resultieren meist aus Erfahrungen mit früheren Vorgesetzten. Mitarbeitende fragen sich zum Beispiel:

  • Wie lange wird der neue Chef wohl bleiben?
  • Ist das nur eine Durchgangsstation auf seinem Karriereweg?
  • Ist er zugänglich?
  • Hört er zu?
  • Ist er in seinem Verhalten konsistent?
  • Gibt er ein klares Bild von seinen Ansprüchen und Anforderungen?
  • Ist er unsicher?
  • Will er sich einschleimen?
  • Ist er einer derjenigen, die wieder alles anders machen wollen?
  • Kümmert er sich um meine Anliegen?
  • Ist er fair zu allen?
  • Versteht er genug von den Fachthemen und unserer Arbeit?
  • Lassen sich mit ihm die angestrebten Projekte und Themen umsetzen?
  • Nach welchen Kriterien wird er die Kollegen und mich beurteilen?
  • Wen wird er mögen – und wen nicht?

Woraus resultieren Vorurteile?

Die ersten Eindrücke von der neuen Chefin oder vom neuen Chef legen fest, welche Einstellung und welches Verhalten die Mitarbeitenden ihr oder ihm gegenüber für eine lange Zeit haben. Manchmal resultieren diese ersten Eindrücke sogar aus den Erzählungen anderer. Studien zeigen, dass sich in den ersten fünf Tagen entscheidet, was Mitarbeitende von einem neuen Vorgesetzten halten. Und das wirkt sich viele Monate, oft auch über Jahre hinweg auf die beiderseitige Beziehung aus.

Das Problem, das sich daraus ergibt: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verhalten sich gegenüber der Führungskraft so, wie sie es aufgrund des ersten Eindrucks für angemessen halten. Mit der Folge: Der Chef oder die Chefin wird immer mehr zu der (schlechten) Person, die sich die Mitarbeiter zu Beginn vorgestellt haben. Warum pflegen die Mitarbeitende ihre Vorbehalte und Vorurteile?

Wie kommt es zu einer negativen Einstellung gegenüber neuen Vorgesetzten?

Schlechte Erfahrungen mit früheren Vorgesetzten

Ein wichtiger Grund dafür ist, dass Mitarbeitende mit anderen Vorgesetzten aus ihrem bisherigen Berufsleben schlechte Erfahrungen gemacht haben. So haben sie ihre kritische, negative und oft auch zynische Haltung gegenüber neuen Führungskräften über Jahre hinweg gepflegt.

Der Vorgänger war beliebt

Die neue Führungskraft tut sich auch dann sehr schwer, wenn sie sich gegen einen erfolgreichen und beliebten Vorgänger durchsetzen muss. Die Mitarbeitenden stellen Vergleiche mit ihrem alten, geschätzten Chef oder ihrer Chefin an und sind fest davon überzeugt, dass der oder die neue schlechter ist.

Man wäre selbst gern Vorgesetzter

Eine negative Einstellung kann der Chefin oder dem Chef auch dann entgegenschlagen, wenn sich einer der Mitarbeiter selbst für die Führungsposition beworben hat – und nun mit ansehen muss, wie ihm eine andere Person vor die Nase gesetzt wird. Oft stachelt er die Kollegen an, dass diese ihre Vorbehalte ebenso deutlich machen. Alle wollen, dass die neue Führungskraft scheitert.

In allen diesen Fällen machen sich die Mitarbeitenden ein negatives Bild von ihrem neuen Vorgesetzten – und das passt gar nicht zu dem, wie sie sich diese Person eigentlich vorstellen oder wünschen. Die Folgen sind: Unzufriedenheit und eine schlechte Zusammenarbeit.

Praxis

Erwartungen und Einstellungen prüfen

Überlegen Sie:

  • Welche Erwartungen haben Sie, wenn Sie einen neuen Vorgesetzten bekommen?
  • Worauf achten Sie besonders?
  • Was sollte diese Person in ihrer (neuen) Funktion im Team als Erstes tun?
  • Was sollte er oder sie in keinem Fall tun?

Versetzen Sie sich in die Rolle der Führungskraft und des Mitarbeiters:

  • Was nehmen beide voneinander wahr?
  • Welches Verhalten ist erkennbar?
  • Was sagen Vorgesetzte und Mitarbeiter jeweils zueinander und übereinander?

Wenn Sie selbst die Führungskraft sind, bedenken Sie Ihre Doppelrolle: als (neuer) Vorgesetzter Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und als Mitarbeiter Ihres übergeordneten Vorgesetzten oder der Geschäftsleitung.

Im täglichen Umgang miteinander entsteht die Beziehung zwischen Mitarbeiter und Vorgesetzten. Dabei kommt es oft zu Missverständnissen, falschen Wahrnehmungen und Fehlurteilen.

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