Persönlichkeit und ErfolgZusammenhang von Stärken und Schwächen bei Persönlichkeits-Typen

Jeder Mensch hat entsprechend seinem Persönlichkeits-Typ besondere Stärken. Wenn diese Stärken in sehr hohem Maß auftreten, werden sie zu einer Schwäche. An Ihren Schwächen können – und sollten – Sie arbeiten.

Schwächen sind Übertreibungen der Stärken

Oft ist die Sprache vom Gegensatzpaar Stärken und Schwächen. Dies ist sowohl leicht irreführend als auch nahezu falsch, denn:

Eigentlicher Gegensatz sind Stärken und Nicht-Stärken, über die alle Menschen verfügen.

Ein weiterer essenzieller Gegensatz besteht in dem bisher noch wenig bekannten Fakt: Nicht-Stärken sind das Gegenteil von Schwächen! Denn die Zusammenarbeit störende Schwächen sind Übertreibungen von Stärken. Zum Beispiel:

  • Eine Übertreibung des „roten“ Selbstbewusstseins kann zu Überheblichkeit ausarten.
  • Eine Übertreibung der „gelben“ Vielseitigkeit kann zu Verzettelung ausarten.
  • Eine Übertreibung der „grünen“ Hilfsbereitschaft kann zum Helfer-Syndrom ausarten.
  • Eine Übertreibung der „blauen“ Sorgfalt kann zu Pedanterie ausarten.

Abbildung 10 zeigt den Zusammenhang zwischen Stärken und Schwächen und damit die eigentlichen Gegensätze im Hinblick auf menschliches Verhalten.

© Hardy Wagner – www.business-wissen.de
Abbildung 10: Zusammenhang von Stärken und Schwächen der vier Persönlichkeits-Typen

Diese Aussagen stimmen übrigens überein mit der Erkenntnis des bekanntesten Arztes des Mittelalters, genannt Paracelsus, der feststellte (1538):

„Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift;
allein die Dosis macht's, dass ein Ding kein Gift sei.“

Was zum persönlichen Erfolg führen kann – Erfolgs-Verursachung

Für die Generierung von Erfolg hat sich in der Praxis als zentrale Erkenntnis herausgestellt:

  • Der Einsatz der persönlichen Stärken führt relativ leicht zum Ziel, wenn damit eine Leistung verbessert oder gesteigert werden kann.
  • Persönliche Schwächen behindern mehr oder weniger den Erfolg, wobei die Persönlichkeits-Struktur der Partner maßgebend ist, wie stark behindert wird.
  • Nicht-Stärken sind weitgehend erfolgsneutral, sodass ihr Ausbau – soweit sie kein Hindernis darstellen – eine Energie-Verschwendung bedeutet.

Diese Erkenntnisse sind ebenso uralt wie das Wissen der Stoiker und das Wissen um die menschlichen Temperamente. Im Jahr 1917 (anlässlich des Eintritts der USA in den 1. Weltkrieg) hat der deutschsprachige Theologe Reinhold Niebuhr diese Weisheiten des Altertums in einer Predigt in New York wie folgt zusammengefasst (weltweit als „Gelassenheits-Gebet“ bekannt):

Gott gebe mir
die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und
die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

Diese Gedanken können im Hinblick auf die vorstehend präsentierten Erkenntnisse der Erfolgs-Verursachung auch konkretisiert und wie folgt formuliert werden:

Gott gebe mir die Gelassenheit und Selbst-Akzeptanz, meine Nicht-Stärken (und die der anderen) anzunehmen, und die Kraft, den Mut und vor allem den Willen, gegen meine Schwächen, die ich ändern kann, anzugehen. Bitte, schenke er mir die Klarheit und Weisheit, Schwächen und Nicht-Stärken voneinander zu unterscheiden.

Wer seine Persönlichkeits-Struktur analysiert, seine genetisch fundierten Stärken und Nicht-Stärken erkennt und sich die Ursachen der echten Schwächen bewusst macht, gewinnt fundierte Selbsterkenntnis. Daraus lassen sich Empfehlungen formulieren als Grundlage für eine effiziente und effektive Verursachung von Erfolg:

  • Aufgaben suchen und präferieren, die einen Einsatz der eigenen Stärken erfordern.
  • Schwächen (als Übertreibungen einer Stärke), die Partner erfahrungsgemäß meist stören, als „Blinde Flecken“ erkennen und abzubauen versuchen.
  • Genetisch fundierte Nicht-Stärken von abbaubaren Schwächen unterscheiden und sie nur selektiv bei Bedarf einsetzen oder ausbauen (im Sinne des Gelassenheits-Gebets).

Beispiel: Umgang mit Nicht-Stärken

Wenn etwa ein erfolgreicher Außendienst-Verkäufer (Gelb und Nicht-Stärke BLAU) Anlass zu einer Rüge gegeben hat, weil er seine Reisekosten schlampig abrechnet, lautet die Empfehlung:

Nicht etwa sein Potenzial stärker einsetzen, sondern Sorgfalt und Genauigkeit (Blau) in dem Maße ausbauen, dass keine Beanstandungen mehr zu erwarten sind.

Es sei denn, er könnte delegieren oder diese (vermutlich ungeliebte) Aufgabe kollegial tauschen. Dies gilt insbesondere dann, wenn seine Nicht-Stärke durch die Stärke eines Partners ergänzt werden kann.

Stärken führen zum Erfolg

Für Ihren Erfolg maßgebend ist der Einsatz Ihrer Stärke(n):

  • Suchen und bearbeiten Sie in Ihrem Verantwortungsbereich (beruflich, ehrenamtlich oder privat) solche Aufgaben, bei denen Ihre Stärken einsetzen können, weil sie benötigt werden.
  • Suchen Sie bei beruflichen Veränderungen vor allem Chancen für Ihre Stärken!
  • Suchen und bevorzugen Sie Partner, Mitarbeiter und Kollegen, die Ihre Fähigkeiten ergänzen.

Häufig wird unter anderem bei Stellenbesetzungen der Fehler gemacht, ähnlich Begabte bei der Auswahl zu bevorzugen. Das erzeugt zwar Harmonie, aber keine Ergänzung und Kreativität. Wer etwa über einen hohen ROT-Faktor als Stärke verfügt, hat oft die Polarität GRÜN als Nicht-Stärke und umgekehrt. Und diese Stärke bietet die Ergänzung.

(Entsprechendes gilt für GELB und BLAU.)

Dies gilt grundsätzlich, ist aber keine Norm. Menschen können etwa über ROT und GRÜN als zwei Stärken verfügen. Ist eine solche Persönlichkeit – oft durch schmerzhafte Erfahrungen – charakterlich „gereift“, sind diese Menschen meist besonders erfolgreich:

Sie verfügen explizit über das Gesamt-Potenzial aller Quadranten!

Praxis

Wann waren Sie erfolgreich oder weniger erfolgreich?

Denken Sie nun bitte an die Reflexion Ihrer persönlichen Erlebnisse und Erkenntnisse, die Sie in der folgenden Vorlage aufgeschrieben haben (siehe erster Abschnitt dieses Handbuch-Kapitels).

Könnte es sein, dass

  • ein unbewusster Einsatz Ihrer Stärken erfolgreich war?
  • eine Übertreibung von Stärken zu Ablehnung oder zu Streit geführt hat?
  • eine Beteiligung von Partnern, die sich von Ihnen unterscheiden, erfolgreich war?
  • der Einsatz Ihrer Nicht-Stärken sehr anstrengend war, aber wenig erfolgreich?

Prüfen Sie für Ihre Persönlichkeitsmerkmale und vor allem diejenigen, die bei Ihnen am stärksten ausgeprägt sind; rote, gelbe, grüne oder blaue Merkmale:

  • Was sehen Sie als Ihre Stärken?
  • Was sieht Ihr Umfeld als Ihre Stärken?
  • Welche Übertreibungen bei den Stärken sehen oder vermuten Sie?
  • Worin sieht Ihr Umfeld möglicherweise Übertreibungen?
  • In welcher Form wollen Sie Ihre Stärken pflegen?
  • Wie wollen Sie an Ihren Schwächen, die Übertreibungen der Stärken, arbeiten?

Halten Sie Ihre Überlegungen in der entsprechenden Vorlage fest.

In diesem Beitrag wurden Erkenntnisse vorgestellt, die zwar seit Jahrtausenden bekannt sind und auch Ihnen – unbewusst – nicht unbekannt sein dürften. Ziel war, Ihnen Erfolgsgrundlagen ausdrücklich bewusst zu machen und zu ergänzen, etwa die essenzielle Unterscheidung zwischen Schwächen und Nicht-Stärken. Sie wird heute vielfach – in der Praxis und sogar in vielen wissenschaftlichen Ausarbeitungen – leider verwechselt.