ArbeitsschutzBetriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in 7 Schritten einführen

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) führt zu gesunden und zufriedenen Mitarbeitern und fördert die Attraktivität als Arbeitgeber. Ein Leitfaden für alle, die passende Maßnahmen umsetzen wollen.

Maßnahmen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) einführen und umsetzen – das ist häufig mit Startschwierigkeiten und Frust der Projektverantwortlichen verbunden. Viel Aktionismus, unkoordinierte Maßnahmen und keine Abstimmung zwischen beteiligten Personen erzeugen Unzufriedenheit auf breiter Ebene. Wie kann die Umsetzung von BGM gelingen, und in welchen Schritten sollten Unternehmen vorgehen?

Strukturen für das Gesundheitsmanagement aufbauen

Der Einstieg in das Betriebliche Gesundheitsmanagement kann leichter gelingen, wenn Sie auf dem aufbauen, was schon bei Ihnen im Betrieb vorhanden ist. Klären Sie dazu:

  • Welche Strukturen und Prozesse liegen bei Ihnen zum Thema Gesundheit im Betrieb vor?
  • Gibt es einen Ausschuss für Arbeitssicherheit, der eingebunden und ausgebaut werden kann?
  • Welche Aktivitäten gehen vom Betriebsarzt und von der Arbeitssicherheitskraft aus?
  • Welche Maßnahmen zur Personalentwicklung, Weiterbildung und Führungskräfteschulung gibt es?
  • Welche Sportangebote und Kurse laufen schon?
  • Haben Sie schon einmal einen Gesundheitstag durchgeführt?

Von Vorteil ist es, wenn Sie ein Gremium (Arbeitskreis „Gesundheit“ oder eine Steuerungsgruppe) einrichten, das die Aktivitäten auf dem Gebiet des BGM koordiniert, und wenn Sie eine Person als Ansprechpartner für das Thema BGM benennen. Wichtig ist auch, dass die Unternehmensleitung hinter den Maßnahmen steht und entsprechend finanzielle und personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Ziele klären: Was soll das Gesundheitsmanagement leisten?

Was wollen wir? Betriebliches Gesundheitsmanagement ist durch ein zielgerichtetes, systematisches Vorgehen gekennzeichnet. Nicht hier und da mal ein Kurs oder ein Obstkorb, an dem sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedienen können, sondern ein auf die Ziele und Bedarfe abgestimmtes Vorgehen zeichnen ein gutes Betriebliches Gesundheitsmanagement aus.

Daher ist es wichtig, sich zu Beginn des Projekts klar darüber zu werden, welche Ziele Sie mit dem Projekt BGM erreichen wollen. Und zwar für Ihr Unternehmen. Ziele können zum Beispiel sein: die Gesundheit der Beschäftigten erhöhen, die Zufriedenheit der Belegschaft verbessern oder die Arbeitsbedingungen gesundheitsförderlicher gestalten.

Definieren Sie drei bis fünf Hauptziele und leiten Sie dann untergeordnete Ziele daraus ab. Klären Sie bereits in dieser Phase die Frage, wie Sie das Erreichen dieser Ziele messen können.

Belegschaft informieren und Führungskräfte sensibilisieren

Zwei wesentliche Erfolgsfaktoren für ein gelingendes Betriebliches Gesundheitsmanagement sind Partizipation und Transparenz. Informieren Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Anfang an über Ihre Pläne und beziehen Sie sie aktiv ein. Eine besondere Rolle spielen dabei die Führungskräfte: Sie können zum einen durch ihr Verhalten Vorbild sein. Und: Sie gestalten die Arbeits­bedingungen der Belegschaft. Holen Sie Ihre Führungskräfte deshalb ins Boot und sensibilisieren Sie alle für das Thema „Führung und Gesundheit“.

Vorrangige Handlungsfelder analysieren

Beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement gilt: keine Maßnahme ohne eine vorherige Bedarfsanalyse. Dabei können Sie wieder auf Vorhandenes zurückgreifen: Wurde etwa schon einmal eine Befragung zum Thema Mitarbeiterzufriedenheit durchgeführt?

Bei schriftlichen Befragungen sollten sie diese so kurz wie möglich halten, klare Fragen formulieren und auch offene Antwortmöglichkeiten zulassen. Achten Sie im Vorfeld darauf, dass Sie danach die Zeit und die Ressourcen haben, die in der Befragung aufgedeckten Handlungsbedarfe anzugehen.

Neben schriftlichen Befragungen eignen sich Workshops, um die Bedarfe und darüber hinaus auch Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herauszuarbeiten. Eine mögliche Form zur Beteiligung aller sind Gesundheitszirkel.

Gesundheitszirkel

Gesundheitszirkel sind ein Team aus mehreren Personen aus einem Arbeitsbereich im Unternehmen. Der Gesundheitszirkel soll alle gesundheitsgefährdenden oder krankmachenden Faktoren am Arbeitsplatz identifizieren, analysieren und beseitigen. Dabei werden die Erfahrungen der Beschäftigten mit dem Fachwissen von Experten zusammengebracht.

Maßnahmen planen

Die Ergebnisse der Befragungen und der Workshops werden im Arbeitskreis Gesundheit diskutiert und dann werden daraus Maßnahmen abgeleitet. Dabei sollte geklärt werden:

  • Wann genau sind welche Maßnahmen sinnvoll?
  • Wie hoch ist das Budget?
  • Wer kann die Maßnahmen umsetzen?
  • Braucht man externe Unterstützung?
  • Wo findet man geeignete Kursleiterinnen und Kursleiter?

Mix aus verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen

Oft wird schon dann von einem Betrieblichen Gesundheitsmanagement gesprochen, wenn nur Maßnahmen wie Veranstaltungen angeboten werden, die auf eine Verhaltensänderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgerichtet sind. Doch der beste Kurs für ein Stressmanagement hilft nichts, wenn die organisatorischen Rahmenbedingungen sich nicht ebenfalls verändern. Bei der Planung der Maßnahmen sollten Sie also die Umsetzung verhältnispräventiver Maßnahmen, wie zum Beispiel Veränderungen in der Arbeitsorganisation, berücksichtigen.

Ergebnisse bewerten

Eine Erfolgsbewertung ist immer wichtig, vor allem um die entstandenen Kosten zu rechtfertigen. Wie schon bei Schritt 2 angemerkt, ist es wichtig, sich bei der Zielfindung darüber klar zu werden, wie die Ziele gemessen werden können. Das kann beispielsweise durch eine erneute Befragung erfolgen oder durch das Heranziehen harter Fakten wie etwa Fehltage oder die Teilnahme an Kursen zur Gesundheitsprävention.

Mit der Ergebnisbewertung ist das Projekt aber noch nicht beendet. Jetzt gilt es, das Thema im Unternehmen zu verankern, sodass es in allen Unternehmensabläufen selbstverständlich berücksichtigt wird. Dazu bedarf es eines kontinuierlichen Prozesses, in dem die Aspekte von Schritt 1 überprüft und die Schritte 2 bis 7 durchlaufen werden.

Fazit

Der Erfolg eines BGM-Projekts hängt wesentlich davon ab, dass sich die Projektverantwortlichen zu Beginn über die möglichen Stolpersteine bewusst werden und so möglichst im Vorfeld günstige Rahmenbedingungen schaffen. Unabdingbar für das Gelingen eines BGM-Projekts ist die Unterstützung vonseiten der Unternehmensleitung.

Checkliste: Erfolgsfaktoren für die Einführung eines BGM

  • Unternehmensleitung steht hinter BGM
  • Festlegung der (unternehmensspezifischen) Ziele
  • Ausreichend finanzielle und personelle Ressourcen
  • Klare Verantwortlichkeiten
  • Einbezug der Führungskräfte und Mitarbeitenden
  • Ableitung der passenden Maßnahmen aus einer Bedarfsanalyse
  • Mix von verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen
  • Implementierung des Themas Gesundheit in die Unternehmenskultur

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