Trend-MonitoringWas Horizon Scanning für eine krisenfeste Zukunft leistet

Mit Horizon Scanning richten Sie einen strukturierten Blick in eine ungewisse Zukunft, indem Umfelder analysiert, Trends identifiziert und Entwicklungen beobachtet werden. Wie funktioniert diese Methode?

Die Zukunft lässt sich nicht voraussagen. Niemand weiß also, wann das Unternehmen womit konfrontiert sein wird. Methoden wie das Horizon Scanning helfen Unternehmen, systematisch und langfristig zu denken und damit krisenresilient und zukunftsfähig zu bleiben. Wie funktioniert diese Methode?

Erster Schritt: Kontext und Themen festlegen

Der erste Schritt beim Horizon Scanning ist die Betrachtung des Status quo und die Festlegung des Kontextes, in dem sich das Unternehmen bewegt. Dazu gehört es, die Themen zu bestimmen, die für das Unternehmen wichtig sind.

Als Einstieg in das Thema Kontextanalyse hilft folgendes Bild: Die Stadt Nürnberg im Mittelalter. Stellen Sie sich eine Stadt vor mit ihrer Stadtmauer, den Stadttoren, Bürgerhäusern, Straßen und Zuwege sowie das Land, das die Mauer umgibt. Dieses Bild hilft dabei, den Kontext einer Organisation zu visualisieren und systematisch zu betrachten. Denn um nichts anderes handelt es sich bei einer mittelalterlichen Stadt und bei Ihrem Unternehmen: Eine Organisation, die über einen inneren und einen äußeren Kontext verfügt sowie über diverse Schnittstellen, die beide verbinden.

Der Kontext einer Organisation umfasst grundsätzlich alle Faktoren, die sich auf das Unternehmen auswirken können. Haben Sie den internen und externen Kontext analysiert, sollten Sie am Ende idealerweise auch die Stakeholder der Organisation ermittelt haben. Also alle, die ein Interesse an der Organisation haben, deren Erwartungen und Anforderungen bekannt sein sollten.

Was die Kontextanalyse betrachtet

Der Blick nach innen betrifft alles, was direkt im Einflussbereich des Unternehmens liegt und durch Führungskräfte, Mitarbeiter, Zulieferer und Dienstleister beeinflusst werden kann. Das betrifft zum Beispiel die Unternehmenspolitik, Organisationsstrukturen und Prozesse ebenso wie die Ressourcenlage, Interessengruppen, vertragliche Beziehungen und die Unternehmenskultur.

Den Blick nach außen werfen Sie auf soziale, technologische, umweltspezifische, ethische, politische, ökonomische und rechtliche Umfelder. Im mittelalterlichen Nürnberg wären das Faktoren wie Rechts- und Gesetzeslage oder Ernteergebnisse. Im Unternehmen sind es unter anderem der Markt und seine Bewegungen, gesellschaftliche und standortspezifische Rahmenbedingungen oder der technologische Fortschritt.

Zumindest jährlich, besser einmal im Quartal, sollte die Geschäftsleitung den Kontext ihres Unternehmens prüfen und analysieren. Aber auch zwischendurch können sich wesentliche Änderungen ergeben, die es nötig machen, die Chancen und Risiken, die daraus entstehen, neu zu bewerten. Das führt zum Horizon Scanning.

Wie Horizon Scanning unternehmerische Resilienz stärkt

Um in zukünftigen Krisen standfest zu bleiben und eventuell sogar noch zu wachsen, müssen wesentliche Änderungen im Kontext des Unternehmens frühzeitig wahrgenommen werden, um die Chancen und Risiken, die sich daraus ergeben, bewerten und das Unternehmen entsprechend lenken zu können.

Das Horizon Scanning macht sich zunutze, dass Menschen das Konzept Zukunft über Szenarien begreifen und denken können. Horizon Scanning funktioniert als systematischer und strukturierter Ausblick, der frühe oder noch schwache Signale entdeckt, die von potenziell wichtigen Entwicklungen ausgehen. Betrachtet werden sollen Trends in Technik, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, mögliche „Joker“ in Ihrem individuellen Unternehmensspiel, hartnäckige Probleme sowie mögliche Risiken und Bedrohungen.

Der Ansatz beim Horizon Scanning kann ganz frei, auf Neugier basierend und sehr forschungsintensiv sein oder sich bewusst beschränken und auf ein bestimmtes Informationsfeld fokussiert sein. Sie können die Methode außerdem kurz-, mittel- oder langfristig betreiben – das alles hängt von den Bedürfnissen Ihrer Organisation ab. Horizon Scanning möchte immer erfassen, was wahrscheinlich konstant bleiben wird, was sich vielleicht ändert oder was stark in Bewegung ist, also immer wieder variiert.

Für die unternehmerische Resilienz ist vor allem wichtig, dass dieser strukturierte Blick zur Gewohnheit wird. Wie Sie ihn konkret planen, umsetzen und implementieren, ist wiederum individuell.

Wie Sie Horizon Scanning implementieren und umsetzen

Eine Möglichkeit für das Implementieren von Horizon Scanning im Unternehmen ist, eine Stabsstelle einzurichten, die aktiv auf die Suche nach Signalen und relevanten Informationen geht. Alles, was sie sammelt und was an Informationen hereinkommt, wertet sie aus und stellt es dann allen Beteiligten, zum Beispiel über ein Intranet, gebündelt und geordnet zur Verfügung. Ein oder zwei VUKA- oder Innovations-Scouts haben also die Aufgabe, Relevantes zu sammeln, in Branchenforen zu recherchieren, neue technische Entwicklungen zu beobachten, sich mit demografischen Daten zu befassen, Wettbewerber zu beobachten oder Input zu verarbeiten, der aus dem Unternehmen selbst kommt.

Der Input von Mitarbeitern ist für das Horizon Scanning ebenfalls sehr wertvoll: Außendienstler bringen aktuelle Informationen vom Kunden darüber mit, was im Trend liegt oder welche Produkte gerade mehr oder weniger gefragt sind. Vertriebsleiter und Produktmanager gehen auf Fachmessen und kehren inspiriert und informiert über die neuesten technischen Entwicklungen und Möglichkeiten zurück und haben dazu vielleicht gute Ideen.

Noch wirksamer ist Horizon Scanning, wenn Sie es schaffen, dazu eine Art „Aktiv-Schaltung“ in Ihre Unternehmenskultur zu integrieren. Allen muss klar sein: Wer eine Idee, eine Information, eine Beobachtung zum Teilen hat, steht in der Bringschuld und sollte seinen Input der zentralen Sammel- und Verarbeitungsstelle zugänglich machen. Und alle anderen haben eine Holschuld. Am besten wird es zum zentral gelebten Ritual, sich einmal pro Woche über alles, was neu ist, zu informieren. So entsteht ganz automatisch eine Art Think-Tank für nützliche Innovationen.

Fazit

Die Signale im Horizon Scanning zu erkennen, ist eine Sache. Wichtig ist: Sie müssen auch verstehen, was sie bedeuten. Es gibt außerdem Szenario-Simulationen, die Sie nutzen können und die Ihnen zeigen, welche möglichen Auswirkungen, Chancen und Risiken sich aus Beobachtungen oder Signalen ergeben können.

Was auch kommen wird: Sie sind dann besser vorbereitet – das ist das Entscheidende. Denn nur wer vorbereitet ist, kann überhaupt daran denken, seine Zukunft aktiv zu gestalten. Das „Kennen“ ist der erste Schritt und das „Machen“ der zweite, der zwingend folgen muss.

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