FührungSystemisch führen und coachen

Wie Sie die Kompetenzen aufbauen, die Sie benötigen, um Unternehmen, Abteilung, Team und Mitarbeitende mit einem 360-Grad-Rundumblick zur Zielerreichung zu führen und zu coachen.

Ihr Ziel ist, in Ihrem Führungshandeln nicht nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit zu betrachten, sondern eine Situation umfassend zu begreifen. Denn Sie sind der Überzeugung: Herausforderungen lassen sich meistern, wenn Sie als Führungspersönlichkeit

  • systemisch agieren,
  • stets das „große Ganze“ in den Blick nehmen und
  • so Abhängigkeiten, Wechselwirkungen und Querbezüge erkennen.

Dies setzt bestimmte Kompetenzen und Einstellungen voraus.

Das Gesamtbild eines Teams betrachten

Entscheidend sind die Fähigkeit und der Wille, das Gesamtbild in den Fokus zu rücken.

Konkretes Beispiel: Wer die Teamperformance steigern will, ist klug beraten, nicht nur die Außenseite zu betrachten, sondern zugleich die innere Ordnung des Teams zu analysieren:

  • Welche ungeschriebenen Gesetze gibt es?
  • Welche informellen Normen und Regeln spielen eine Rolle?
  • Wer ist – neben dem offensichtlichen Anführer – der informelle Wortführer?
  • Welche Rangordnung liegt vor?

Diese Haltung bauen Sie auf, indem Sie sich zur Reflexion und Selbstreflexion verpflichten, mithin Reflexionsenergie aufbauen.

Geben Sie sich nie mit dem ersten Eindruck zufrieden, bohren Sie tiefer. Der inneren Ordnung eines Teams kommen Sie auf die Spur, indem Sie darauf achten:

  • Wer treibt Diskussionen an und wer bremst sie?
  • Weichen diese Rollen von der offiziellen Hierarchie ab?
  • Wer redet mit wem am häufigsten?
  • Wer wird um Rat gefragt, etwa der heimliche Wortführer?
  • Und wer gibt den Ausschlag, wenn das Team feststeckt?
  • Wer trifft in diesem Fall eine Entscheidung?

Perspektive wechseln

Wer das große Ganze unter die Analyselupe legen und Abhängigkeiten und Wechselwirkungen bei seinem Führungshandeln berücksichtigen will, sollte lernen, die Perspektive zu wechseln und sich in die Schuhe anderer Personen zu stellen.

Wenn beispielweise eine größere Veränderung in der Abteilung geplant ist: Wie stehen die einzelnen Mitarbeitenden dazu?

Aber das ist nur die naheliegende Frage. Unter dem systemischen Gesichtspunkt kommt das erweiterte unternehmerische Umfeld hinzu:

  • Welche Auswirkungen hat die Veränderung auf Kunden, Lieferanten, Wettbewerber und andere Stakeholder?
  • Was sagen diese Personen dazu?

Die Kompetenz lässt sich aufbauen, indem Sie in Rollenspielen trainieren, die Lebenswirklichkeit und die Sichtweisen anderer Menschen einzunehmen.

So durchbrechen Sie die eigene Filterblase und verlassen die vielleicht eingefahrenen konventionellen Bahnen Ihrer Denk- und Verhaltensweisen. Und Sie können die Bedürfnisse, Erwartungen und Argumente anderer Menschen besser nachvollziehen.

In Sowohl-als auch-Kategorien denken

Eine systemisch orientierte Führungspersönlichkeit verfügt meistens über eine hohe Ambiguitätstoleranz. So kann sie angemessen mit Unsicherheit, Mehrdeutigkeit und widersprüchlichen Informationen umgehen und ist gegen Schwarz-Weiß-Denken gefeit.

Sie versteht es,

  • in Sowohl-als-auch-Kategorien zu denken,
  • Gegensätze zu akzeptieren
  • und diese auch einmal einfach stehen zu lassen,
  • ohne sie unbedingt auflösen zu wollen.

Weiterentwicklung und Fortschritt sind oft nur durch Widerstand, Reibung und das Austarieren – oder Aushalten – anderer Positionen sowie die Integration neuer Perspektiven in das eigene Meinungsspektrum möglich.

Beim Aufbau dieser Kompetenz hilft ein Kommunikationstraining weiter, aber auch der bewusste Austausch mit Personen, die dezidiert anderer Meinung sind als Sie selbst.

Oft tendieren wir dazu, die Nähe zu Personen zu suchen, die ähnlich denken und handeln wie wir. Verlassen Sie die bequeme Komfortzone und gehen Sie in die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden.

Souverän zuhören und fragen

Eine systemische Haltung und ganzheitliches Führen sind ohne die Fähigkeit, souverän zuzuhören und die Kunst des Fragens zu beherrschen, kaum vorstellbar.

Eine systemische Führungspersönlichkeit führt vor allem mithilfe von Fragen und einem intensiven Zuhörprozess. Letzterer erlaubt es ihr, die Gefühle der Gesprächspartner zu erfassen und sich in deren Denk- und Vorstellungswelt zu begeben.

Diese Kompetenz erwerben Sie nach und nach, indem Sie bestimmten kommunikativen Prinzipien folgen, etwa:

  • Reduzieren Sie Ihren Redeanteil und bringen Sie das Gegenüber durch Fragen zum Sprechen.
  • Sprechen Sie Unklarheiten direkt an und sorgen Sie für Klarheit.
  • Entdecken und entwickeln Sie Ihr Du-Ohr (ein Begriff des Kommunikations- und Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen).
  • Und pflegen Sie eine Offenheit, mit der Sie erkennen, welche Interessen der Gesprächspartner verfolgt und welche Positionen er vertritt.
  • Konzentrieren Sie sich darauf, das Gehörte zusammenzufassen und mit eigenen Worten wiederzugeben.

Ganz wichtig: Analysieren Sie regelmäßig Ihr Gesprächsverhalten:

„Wie war es um meinen Redeanteil bestellt? Habe ich aktiv zugehört? Habe ich, wo immer möglich, offene Fragen gestellt?“

Flexibel anpassen

Wer ganzheitlich agieren will, muss bei sich verändernden Rahmenbedingungen rasch und effektiv handeln. Dazu sind Flexibilität und Anpassungsfähigkeit erforderlich.

Denn selbst unscheinbare Veränderungen bei den Marktbedingungen und im Branchenumfeld ziehen weitreichende Konsequenzen nach sich. Wem es am systemischen Weitblick mangelt, kann diese Veränderungen nicht mit der Entwicklung des Unternehmens und dem eigenen Verantwortungsbereich in Verbindung bringen.

Die kontraproduktiven Folgen verstärken sich, wenn es um disruptive Umwälzungen geht. Für Sie steigt der Überforderungsdruck dann ins Unermessliche, Sie können oft nur noch reagieren, jedoch nicht agieren.

Eine systemische Bewertung der Situation kann hier der Ausweg sein.

KI einsetzen

KI ist vor allem ein Führungsthema. Zum einen ist es die Aufgabe der Führungspersönlichkeit, aufseiten der Mitarbeitenden Ängste abzubauen, Vertrauen in die Technologie aufzubauen und eine Kultur des Lernens, die durch KI ermöglicht wird, zu fördern.

Zum anderen setzt sie KI selbst ein, um Routinetätigkeiten zu übertragen und sich so Zeit für ihre eigentliche Aufgabe – die Führungsarbeit – freizuschaufeln.

Richtig genutzt, optimiert KI die Geschwindigkeit von Entscheidungs- und Abstimmungsprozessen und verbessert das Informationsmanagement. Wichtig ist, mit der KI-Technologie souverän umzugehen.

Die Rolle der Führung verschiebt sich in Richtung Orientierung, Coaching und strategische Steuerung.

Drücken Sie die KI-Schulbank und beschäftigen Sie sich intensiv mit den entsprechenden Tools und Techniken. Da trifft es sich gut, dass sich systemische Führungspersönlichkeiten aufgrund ihrer ganzheitlichen Haltung meistens dem lebenslangen Leben verpflichtet fühlen!

Sich vom aktuellen Geschehen lösen

Auch in Zeiten mit hohem Transformationsdruck sind die Entscheider dafür verantwortlich, dass die Zahlen stimmen. Darum konzentrieren sie sich auf das Alltagsgeschäft und bündeln ihre Handlungsenergie für die Erreichung kurzfristiger operativer Ziele.

Die Gefahr dabei: Sie verlieren die strategischen Ziele aus den Augen. Der systemische Weitblick wird vom aktuellen operativen Motiv „Gewinn“ verdrängt.

Die Überbewertung des aktuellen Motivs und die Fokussierung auf gegenwärtige Missstände hindern die Führungskraft daran, ganzheitlich zu denken und zukünftige Entwicklungen vorwegzunehmen. Und das darf nicht sein.

Die gute Nachricht: Die ganzheitlich-systemische Haltung bewahrt Sie zum einen vor der Überbewertung des aktuellen Motivs – und trägt entscheidend zur Performancesteigerung in Ihrem Verantwortungsbereich bei.

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