CoachingWas ein Business-Coach leisten muss

Unternehmen nutzen für den Kompetenzauf- und -ausbau in ihrer Organisation immer häufiger Business-Coachings, die ihre Mitarbeitenden bei ihrer Entwicklung begleiten. Dies ist eine lohnende Investition in die Zukunftsfähigkeit der Organisation – sofern die Business-Coaches die erforderliche Coachingkompetenz haben. Worauf sollten Sie bei der Auswahl eines Business-Coaches achten?

Der Change- und Lernbedarf in den Unternehmen steigt kontinuierlich – und mit ihm die Erkenntnis, dass die klassischen Instrumente für Personal-, Team- und Führungskräfteentwicklung an ihre Grenzen stoßen.

Deshalb gewinnt das systemische Business-Coaching im Rahmen der betrieblichen Personal- und Organisationsentwicklung zunehmend an Bedeutung.

Lernen als kontinuierlicher Prozess

In komplexen sozialen Systemen wie Unternehmen lässt sich Veränderung nicht „verordnen“, denn sie sind lebende Organismen mit eigenen Dynamiken und Wechselwirkungen.

Deshalb wirken sich Veränderungen in ihnen außer auf der Prozess- und Strukturebene stets auch auf der Kulturebene aus – sowie auf eine Vielzahl von Menschen nebst ihren Beziehungen sowie Selbst- und Rollenverständnissen.

Von diesen Menschen als Mitarbeitenden im Unternehmen wird erwartet, dass sie 

  • sich kontinuierlich weiterentwickeln, 
  • neue Kompetenzen erwerben, 
  • Verantwortung übernehmen und 
  • souverän mit Unsicherheiten umgehen. 

Sie sollen mitdenken, mitgestalten und eigenverantwortlich handeln. Lernen wird in diesem Kontext immer häufiger zu einem fortlaufenden Prozess, der eng mit der Alltagsarbeit verknüpft ist.

Was systemisches Business-Coaching leisten kann

Ein systemisches Business-Coaching setzt genau an diesem Punkt an: Es schafft Räume für Reflexion, Orientierung und Lernen im Arbeitskontext. Es unterstützt die Mitarbeitenden dabei, 

  • ihre Rolle im System besser zu verstehen und neue Perspektiven zu entwickeln, 
  • Handlungsspielräume zu erkennen und gezielt zu nutzen sowie 
  • eigene Lösungen für komplexe Herausforderungen zu entwickeln.

Funktionswandel des Coachings hin zur Entwicklungsbegleitung

Darin spiegelt sich auch eine Veränderung der Funktion des Business-Coachings in den Unternehmen wider. Früher wurde es primär als ein Instrument zum Beheben von Defiziten – etwa bei Leistungsschwächen – genutzt. Heute hingegen steht zunehmend die Entwicklungsbegleitung von Menschen im Vordergrund.

Ein systemischer Business-Coach versteht die Mitarbeitenden nicht als „Problemträger“, sondern als kompetente Akteure, die über Ressourcen, Erfahrungen und Potenziale verfügen.

Diese unterstützt er dabei, ihre berufliche und persönliche Entwicklung selbst aktiv zu gestalten. Dabei lautet das übergeordnete Ziel: Die Mitarbeitenden sollen 

  • den erforderlichen und angestrebten Wandel der Organisation mittragen und 
  • dazu befähigt werden, auch künftig wertvolle Beiträge zum Unternehmenserfolg zu leisten.

Dies erfordert oft eine individuelle Unterstützung der Betroffenen.

Gerade in komplexen Veränderungsprozessen, die von den Mitarbeitenden auch eine Mindset-Änderung und ein Aufgeben von Routinen erfordern, benötigen diese ein regelmäßiges Feedback, Resonanz und Reflexionsmöglichkeiten. Das Business-Coaching schafft hierfür einen geschützten Rahmen, 

  • in dem Unsicherheiten thematisiert, 
  • neue Perspektiven entwickelt und 
  • Handlungsmöglichkeiten erprobt werden können. 

Der Business-Coach: ein Entwicklungs- und Wegbegleiter

Die Business-Coaching-Funktion nehmen in Unternehmen oft externe Coaches wahr. Im Arbeitsalltag obliegt sie jedoch zumeist den Führungskräften der Mitarbeitenden.

Zunehmend wird sie jedoch auch von der Projektleitung, firmeninternen Aus- und Weiterbildnern sowie internen Consultants wahrgenommen – insbesondere im Rahmen größerer Changeprojekte. Das heißt, sie 

  • begleiten die Mitarbeitenden in Entwicklungs-, also Lern- und Veränderungsprozessen, und
  • unterstützen Einzelpersonen und Teams beim Bewältigen neuer Aufgaben.

Dies setzt bei den Coaches neben gewissen persönlichen Eigenschaften und einer klaren Haltung auch fundierte kommunikative, prozessuale und methodische Kompetenzen voraus.

Eigenschaften professioneller Business Coaches

Business-Coaches agieren in dynamischen sozialen Systemen, die stets auch durch teils divergierende Interessen und Zielsetzungen geprägt sind. Um in diesem Umfeld Einzelpersonen und Teams wirksam zu unterstützen, benötigen Coaches ein hohes Maß an Selbstreflexion, emotionaler Stabilität und persönlicher Reife.

Ihre zentralen Eigenschaften sind:

  • Authentizität und Glaubwürdigkeit, um tragfähige Arbeitsbeziehungen aufzubauen,
  • Wertschätzung und Respekt gegenüber unterschiedlichen Sichtweisen und Lebensentwürfen,
  • Ambiguitätstoleranz, um mit Widersprüchen und Unsicherheiten umgehen zu können,
  • Neugier und Lernbereitschaft, um sich auch selbst kontinuierlich weiterzuentwickeln, sowie
  • Verantwortungsbewusstsein, insbesondere im Umgang mit Macht, Einfluss und Vertraulichkeit.

Haltung und Kompetenzen eines Business-Coaches

Systemisches Coaching geht davon aus, dass das Verhalten von Personen stets im Kontext von Beziehungen, Strukturen und Rahmenbedingungen zu verstehen ist. Probleme werden also nicht isoliert betrachtet, sondern als Ergebnis von Wechselwirkungen im System.

Dementsprechend zielt ein systemisches Coaching nicht auf schnelle Lösungen, sondern auf ein Erweitern der Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten der Coachees, also gecoachten Personen, ab.

Die Haltung eines systemischen Coaches ist geprägt 

  • von Allparteilichkeit, 
  • Lösungs- und Ressourcenorientierung sowie 
  • der Überzeugung, dass die Coachees Experten für ihr eigenes Leben und Arbeiten sind. 

Kommunikative Kompetenzen

Um diese Haltung wirksam umzusetzen, benötigen Business-Coaches ausgeprägte kommunikative Kompetenzen. Dazu zählen:

  • Aktives Zuhören, um sowohl das Gesagte als auch die Zwischentöne wahrzunehmen,
  • Anliegen klären und erkunden, um die realen Themen hinter den vordergründigen zu erkennen,
  • Systemisches Fragen, beispielsweise mittels zirkulärer, hypothetischer oder ressourcenorientierter Fragen,
  • Feedback geben, das wertschätzend und entwicklungsorientiert ist.
  • Diese Kompetenzen ermöglichen es Business-Coaches, Reflexionsprozesse anzustoßen und nachhaltige Lern- und Entwicklungsprozesse zu fördern.

Prozess- und Gestaltungskompetenzen

Zudem brauchen Business-Coaches ausgeprägte Prozesskompetenzen. Sie müssen in der Lage sein,

  • Coachingprozesse zielgerichtet zu planen,
  • passende Beratungs- und Coaching-Settings zu gestalten,
  • Dynamiken im Coachingprozess wahrzunehmen und zu reflektieren,
  • den Prozess flexibel zu steuern und situativ zu intervenieren.

Dabei bringen sie sich stets auch mit ihrer eigenen Haltung ein, jedoch ohne den Prozess zu dominieren.

Methodenkompetenz

Ein professionelles Business-Coaching erfordert zudem eine breite Methodenkompetenz. Business-Coaches sollten die unterschiedlichen Coachingmethoden kennen und situationsgerecht einsetzen können, etwa zur

  • Auftrags- und Zielklärung,
  • Analyse von Rollen, Beziehungen und Systemen,
  • Identifikation der zentralen Herausforderungen,
  • Förderung von Perspektivwechseln und Entscheidungsfindung.

Dazu gehören solche Tools wie Lebensrad und Inneres Team, Systemaufstellung und Auftragskarussell, Ressourcen- und Visionsarbeit, das Arbeiten mit Metaphern sowie mit den unterschiedlichsten (Selbst-)Reflexions- und Transfermethoden.

Wie eine Business-Coach-Ausbildung aufgebaut ist

Angesichts dieser vielfältigen Anforderungen wird deutlich: Eine qualifizierte Ausbildung zum Business-Coach erfordert Zeit.

Die erforderliche persönliche Haltung, die nötigen professionellen Kompetenzen und die gewünschte Handlungssicherheit lassen sich nicht an einem Wochenende vermitteln, sie entwickeln sich in einem längeren Prozess. Deshalb sollte eine Ausbildung zum systemischen Business-Coach modular aufgebaut sein und sich zumindest über ein halbes Jahr erstrecken. 

Zentrale Ausbildungsbausteine sollten sein:

  • Mehrere mehrtägige Präsenz-Workshops, in denen das erforderliche theoretische Know-how vermittelt und systemische Coachingkonzepte und -methoden vorgestellt und erprobt werden.
  • Zwischenzeitliche Online-Coaching-Werkstätten, die der Vertiefung des Gelernten sowie der Reflexion der eigenen Erfahrungen bei der Anwendung und der Supervision des Lernprozesses dienen.
  • Regelmäßige Meetings in festen Kleingruppen, in denen unter Anleitung die Coaching-Tools angewendet werden, hierzu Feedback gegeben wird und Lernprozesse gemeinsam reflektiert werden.

Ein elementarer Bestandteil sind zudem eigene Coachingprojekte. Das heißt, die künftigen Business-Coaches sollten im Rahmen ihrer Ausbildung auch Coachingprozesse planen und deren Umsetzung in Online-Werkstätten und Kleingruppenarbeit vorbereiten.

Der Verlauf der Coachingprojekte und Coachingprozesse sollte wiederum in Supervisionssitzungen reflektiert werden, damit bei den angehenden Coaches mit der Zeit die nötige Verhaltenssicherheit entsteht, um auch in herausfordernden Coaching-Situationen professionell zu agieren.

Fazit

Systemisches Business-Coaching ist in einer Welt zunehmender Dynamik und Komplexität kein Luxus, sondern eine zentrale Investition in die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen – unter anderem, weil es dazu beiträgt, in ihnen eine neue, zukunftsfähige Lern- und Führungskultur sowie Kultur der Zusammenarbeit zu verankern.

Es unterstützt zudem Mitarbeitende und Teams in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung und trägt somit maßgeblich zum Erhalt und Ausbau der Leistungsfähigkeit einer Organisation bei. 

Eine Voraussetzung hierfür sind qualifizierte Business-Coaches, die eine Ausbildung, die diesem Anspruch genügt, durchlaufen und die nötige Feld- und Praxiserfahrung gesammelt haben, weshalb sie unter anderem auch von erfahrenen Fach- und Führungskräften als Coach akzeptiert werden.

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