KanbanKanban – Regeln, Beispiele, Anwendungsfälle

Wie funktioniert die Kanban-Methode? Welche Regeln gelten? Wie identifiziert man geeignete Teile oder Artikel? Inwiefern kann man Kanban im Lager einsetzen? Was ist das Hol-Prinzip? Und was das Pull-Prinzip? Beispiele aus der Praxis verdeutlichen das Vorgehen.

Beispiel: Mit Kanban das Lager steuern

Wie das Hol-Prinzip oder das Pull-Verfahren nach der Kanban-Methode funktioniert, lässt sich am Beispiel des Supermarkts und dem Produkt Pralinen illustrieren. Der Supermarkt ist ein Kanban-Lager für Konsumenten. In einem der Regale (Kanban-Lager) lagern bis zu 20 Schachteln einer bestimmten Sorte von Pralinen (Artikel).

Kunden nehmen bei ihrem Einkauf von vorne Pralinenschachteln weg. Wenn 15 Pralinenschachteln verkauft wurden, erscheint vor der fünftletzten Schachtel eine Karte, die anzeigt: Jetzt Pralinen nachbestellen! Der Kanban-Bestand beträgt demnach fünf Schachteln. Das Kanban-Signal ist eine Karte.

Die für den Pralinenbestand verantwortliche Person läuft mehrmals täglich durch den Supermarkt, sieht die Karte im Pralinen-Regal, nimmt sie weg und löst einen Beschaffungsauftrag beim Zentrallager aus. Auf der Kanban-Karte ist genau angegeben, wie viele Pralinenschachteln bestellt werden.

Die Regeln der Kanban-Methode

Damit die Kanban-Ziele erreicht werden und die Kanban-Methode funktioniert, müssen einige Regeln zum Pull-Verfahren eingehalten werden. Die Regeln des Pull-Verfahrens sind:

  • Die verbrauchende Stelle darf nie mehr als eine festgelegte Menge bestellen.
  • Sie darf erst dann bestellen, wenn das Kanban-Signal dies entsprechend anzeigt; nicht früher.
  • Die vorgelagerte, produzierende Stelle, die das Lager wieder befüllt, darf nie mehr produzieren, als bestellt wurde.
  • Sie darf erst produzieren, wenn das Kanban-Signal (Kanban-Karte) das anzeigt.
  • Sie muss dann aber sofort oder so schnell wie möglich produzieren und das Lager wieder befüllen.

Voraussetzungen für die Produktionssteuerung mit Kanban

Bevor Sie Ihre Produktion, die Lagerhaltung und den Materialfluss mit der Kanban-Methode steuern, müssen Sie klären, ob die notwendigen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen gegeben sind. Klären Sie folgende Fragen:

Sind die Artikel für Kanban geeignet?

Zunächst müssen Sie prüfen, ob Teile oder Artikel für die Kanban-Steuerung geeignet sind. Merkmale für Kanban-fähige Artikel sind:

  • Es handelt sich um Standard-Artikel, gegebenenfalls mit Varianten, aber keine Sonderartikel oder Einzelanfertigungen.
  • Der Bedarf an diesen Artikeln ist vorhersagbar, aber nicht exakt; sie werden immer wieder gebraucht, aber wann genau und wie viele, lässt sich nicht planen; sie werden deshalb im Kanban-Lager vorgehalten.
  • Die Artikel haben einen mittleren bis geringen Wert – meist, weil es sich um Standardteile handelt.

Ist die Produktion für Kanban geeignet?

Mit den Artikeln sind auch die Bereiche Ihrer Produktion und Logistik definiert, die mit Kanban gesteuert werden können; dort werden diese Artikel hergestellt. Wichtig ist, dass in diesen Produktionsbereichen ausreichend Produktionskapazität vorhanden ist, sodass bei einer Kanban-Bestellung rasch die benötigten Artikel (nach-) produziert und geliefert werden.

Oft wird Kanban deshalb mit dem sogenannten Heijunka-Konzept von Toyota verknüpft. Dieser Begriff fasst unterschiedliche Maßnahmen zusammen, um einen stetigen, nivellierten und schnellen Produktionsprozess zu gewährleisten. Merkmale von Heijunka sind:

  • kleine Losgrößen
  • Aufteilung von größeren Aufträgen
  • geringe Rüstzeiten
  • schnelle Bearbeitung

Eine weitere Voraussetzung ist, dass die produzierende Stelle keine fehlerhaften Teile liefert. Denn das würde der verbrauchenden Stelle auffallen, die diese Teile nicht verwenden kann. Der Bedarf wäre dann höher als geplant, und das Lager schneller leer als gedacht. Der Kanban-Fluss würde stocken.

Ist das Lager für Kanban geeignet?

Schließlich sollte auch das Lager selbst für Kanban geeignet sein. Das betrifft die Größe des Lagers und die technische Ausstattung. In der Praxis ist es hilfreich, wenn das Lager und der Lagerbestand von den Mitarbeitenden überblickt werden können, damit kein Kanban-Signal übersehen wird.

Außerdem sollten die Tätigkeiten der Teileentnahme und der Teileanlieferung einfach und schnell möglich sein. Kleine Teile werden beispielsweise in geeigneten Behältern gelagert, die dann komplett aus dem Lager mitgenommen und an den Arbeitsplatz gestellt werden.

Praxis

Teile für die Kanban-Steuerung auswählen

Mithilfe der ABC- und XYZ-Analyse können Sie prüfen, welche Teile (Artikel) sich für eine Kanban-Steuerung eignen. Bei der XYZ-Analyse ermitteln Sie den Verbrauch eines Teils und die Schwankungen beim Verbrauch. Damit ordnen Sie das jeweilige Teil einer der drei Klassen (X, Y, Z) zu. Für Kanban eignen sich insbesondere Teile, deren Verbrauch größere Schwankungen hat; Z-Teile und ausgewählte Y-Teile.

Mit den folgenden Excel-Vorlagen können Sie eine erste Einteilung ausgewählter Teile (Artikel) nach der XYZ-Methode durchführen.

Um die Kanban-Steuerung einzurichten, müssen schließlich die wichtigen Parameter für den Lagerbestand, den Materialfluss, Losgröße und Wiederbeschaffungszeit berechnet werden. Im folgenden Abschnitt dieses Handbuch-Kapitels werden die Parameter erläutert und die Formeln zur Berechnung vorgestellt.