Besser präsentierenWie Sie Körpersprache und Stimme bei Präsentationen einsetzen

Körpersprache, Sprechdynamik und Formulierungen sind sehr wichtig dafür, wie gut das Präsentierte bei Ihrem Publikum ankommt. Mit den folgenden Tipps für Ihr persönliches Auftreten bleiben Sie und Ihre Präsentation beim Publikum positiv in Erinnerung.

Aus Feedback zur Präsentation lernen

Die meisten Menschen sind aufgeregt, wenn sie vor anderen Personen eine Präsentation, einen Vortrag oder eine Rede halten. Die einen mehr, die anderen weniger. Das ist völlig normal. Es hat aber den Nachteil, dass man selbst gar nicht merkt, wie man auftritt und wie man auf die anderen Personen im Raum wirkt. Dabei ist für den Erfolg der Präsentation nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form sehr wichtig. Dazu zählen Gestik, Mimik, Körperhaltung, Bewegung, Stimme und Sprache.

Wenn Sie sich selbst bei einer Präsentation beobachten könnten, würden Sie sehr viel darüber lernen, wie Sie auf andere wirken. Da Sie sich während Ihrer Präsentation meistens auf die Inhalte konzentrieren und vielleicht auch etwas aufgeregt sind, fällt diese Selbstbeobachtung schwer. Vielleicht können Sie eine Ihnen vertraute Person bitten, eine Videoaufnahme von Ihnen während einer Präsentation zu machen. Aus dieser Filmaufnahme können Sie mit einem selbstkritischen Blick erkennen, was Sie bei Ihrem persönlichen Auftritt noch verbessern könnten.

Wenn Sie sich zu Hause vor einen Spiegel oder Ihren Partner stellen und einzelne Elemente Ihrer Präsentation üben, können Sie sich ebenfalls ein Feedback einholen. Sie können als Zuhörer oder Zuschauer bei einer Präsentation auch einmal beobachten, wie sich der Präsentierende gibt. Was wirkt auf Sie selbst positiv?

Achten Sie bei Ihrer Selbstbeobachtung und bei der Beobachtung anderer präsentierender Personen auf die Aspekte und Merkmale, die im Folgenden erläutert werden. Bedenken Sie dabei: Die Beobachtung zeigt nicht, wie Sie sind, sondern nur, wie man Sie erlebt hat.

Die Haltung beim Präsentieren

Aus der Haltung eines Menschen erkennen Sie seine Grundstimmung, seine Sicherheit, seine Einstellung zu den Zuhörenden und seine Sicherheit im Thema. Wenn Sie aufstehen, um nach vorne zu einer Präsentation zu gehen, gehen Sie mit festen Schritten dorthin. Belasten Sie Ihre Füße während Ihrer Präsentation gleichmäßig und stellen Sie sie schulterbreit auseinander – aber nicht zu breit. Sie wirken dann standfest und ruhig und Ihre Stimme wird kräftiger. Sie können sich bei einer Präsentation auch bewegen, um beispielsweise etwas an einer Projektionsfläche zu zeigen. Gehen Sie damit aber sparsam um und gehen Sie auf Ihre Zuhörer freundlich und langsam zu, wenn Sie sich während Ihrer Präsentation bewegen.

Die Gestik beim Präsentieren

Ihre Gestik setzt sich aus dem Einsatz Ihrer Hände zusammen, mit denen Sie Ihren gesprochenen Vortrag unterstützen können. Nicht alle Menschen müssen gleich viel Gestik verwenden. Unterlassen Sie lieber Gesten, statt für Sie unpassende einzusetzen. Aber verstecken Sie Ihre Hände nicht. In keinem Fall sollten Sie die Arme verschränken oder die Hände in Ihre Hosentasche stecken.

Halten Sie die Hände im neutralen Bereich der Gürtellinie, indem Sie Ihr Arme anwinkeln. So wirken Sie sachlich und strahlen eine Verbindlichkeit aus. Gesten oberhalb der Gürtellinie verstärken Ihre Glaubwürdigkeit.

Finden Sie solche Gesten, die zu Ihnen passen und nutzen Sie sie wiederholt. Passen Sie ihre Gesten auch an die Zahl der Zuhörenden sowie den Vortagsraum an. Sie können zum Beispiel:

  • mit Ihren Händen wichtige Passagen Ihrer Rede unterstreichen, indem Sie die Handfläche nach oben heben; eine geballte Faust machen, um etwas Nachdruck zu verleihen oder durch Fingergesten besondere Aufmerksamkeit bei den Zuhörenden fordern (Betonungsgesten).
  • die Hände oder Finger nutzen, während Sie etwas aufzählen. Oder Sie verdeutlichen Sachverhalte wie Formen, Größen oder Gewichte (Demonstrationsgesten).
  • mit Ihren Händen oder Fingern auf Dinge im Raum oder Gegenstände zeigen (Zeigegesten). Zeigen Sie jedoch nie mit einem Finger auf eine Person im Publikum. Wenn Sie jemanden ansprechen wollen, weißen Sie mit der ganzen Hand, mit der Handfläche nach oben, auf die betreffende Person.

Der Gesichtsausdruck beim Präsentieren

Der Mensch spiegelt in seinem Gesichtsausdruck meist seine gegenwärtigen Gefühle wider. Sind Sie missgelaunt, mürrisch oder unzufrieden – Ihre Zuhörer werden es Ihnen ansehen. Denken Sie vor Ihrer Präsentation am besten an etwas Positives oder etwas Schönes in Ihrem Leben: Wo haben Sie das letzte Mal aus ganzem Herzen gelacht? Erinnern Sie sich daran, denn nichts wirkt auf andere Menschen positiver als ein ehrliches Lächeln. Noch besser: Wenn Sie sich für die Sache begeistern, die Sie vortragen, wird der Funke auch auf Ihr Publikum überspringen und Ihre Mimik wird Ihre Aussagen verstärken.

Der Blickkontakt beim Präsentieren

Mit dem Blickkontakt nehmen Sie direkten Kontakt mit Ihrem Publikum auf. Sie können sich dann in einem Dialog auf Ihre Zuhörer einstellen und beispielsweise einen Sachverhalt noch einmal erläutern oder veranschaulichen. Kurz bevor Sie zu reden beginnen, sollten Sie den Zuhörer hinten links, den Zuhörer hinten rechts, dann vorne links und vorne rechts für zwei Sekunden anschauen. Schließlich sollten Sie alle Zuhörer gleichmäßig mit Ihren Blicken würdigen. Während Ihrer Präsentation können Sie wohlwollende Zuhörern kurz und freundlich in die Augen sehen. Das wird Sie zusätzlich in Ihrem Selbstvertrauen bestärken. Ein bekannter und dennoch oft gemachter Fehler: Halten Sie Ihren Vortrag nicht zu der Wand, auf die Ihre Folien projiziert werden.

Ihre Stimme beim Präsentieren

Variieren Sie beim Sprechen Ihre Stimme. Nichts langweilt mehr als monotones Sprechen. Durch Ihre Stimme wirken Sie auf Ihr Publikum, weil Sie damit Emotionen transportieren und Aussagen klarer machen. Sprechen Sie im Allgemeinen laut, deutlich und langsam.

Wenn es spannend werden soll oder Sie Ihr Publikum disziplinieren möchten, können Sie etwas leiser werden. Wenn Sie etwas Wichtiges sagen, Ihr Gesagtes zusammenfassen oder eine Entscheidung mitteilen, sollten Sie langsamer sprechen. Betonen Sie einzelne Silben oder Wörter, um die besondere Bedeutung zu unterstreichen. Wenn Sie eine hohe Stimme haben, versuchen Sie tiefer zu sprechen, um nicht unsicher zu wirken.

Nutzen Sie bewusst Sprechpausen, wenn Sie die Spannung steigern wollen. Pausen können aber auch zeigen, dass Sie nachdenken. Oder lassen Sie erwartbare Pausen weg, um einen Sachverhalt bewusst zu dramatisieren.

Sprache, Wörter und Sätze beim Präsentieren

Wichtig beim Einsatz der Sprache ist, dass sie für das Publikum verständlich ist. Sprechen Sie strukturiert, in kurzen Sätzen und klaren Worten. Verwenden Sie Fachbegriffe nur, wenn sie für die Zuhörenden bekannt sind. Weitere wichtige Faktoren in der Sprache sind Glaubwürdigkeit und Emotionen. Beim Stilmittel Sprache sollten Sie deshalb auf folgende Signalwörter und Signalsätze verzichten:

  • Vermeiden Sie Übertreibungen wie „Dieses Problem haben wir schon hundertmal gelöst, ...“
  • Verwenden Sie keine Suggestivfragen oder Unterstellungen wie „Wie Sie ja wissen, ...“
  • Belehren Sie nicht wie „Noch einmal langsam für Sie, ...“
  • Vermeiden Sie Generalisierungen wie „Das ist immer so, ...“
  • Verwenden Sie keinen pluralis paedagogicus wie „Wie geht es uns, ...“
  • Sparen Sie mit Weichmachern wie „vielleicht“ oder „eventuell.“
  • Beteuern Sie nicht Ihre Ehrlichkeit mit „ehrlich“ oder „wirklich.“

Unterstreichen Sie Ihre Argumente und Fakten mit Bildern und Vergleichen oder Metaphern. Denn Menschen können sich konkrete Bilder sehr viel besser vorstellen und merken als abstrakte Begriffe. Das folgende Beispiel [aus: Garr Reynolds, Zen oder die Kunst der Präsentation] macht deutlich, wie unterschiedlich etwas gesagt werden kann. Entscheiden Sie selbst, was auf Sie besser wirkt:

  • Variante 1: „Unsere Mission ist, das international führende Raumfahrtunternehmen zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir uns auf unsere Stärken besinnen, im Team entwickelte Ideen fördern und strategisch weitreichende Entscheidungen treffen.“
  • Variante 2: „Bis zum Ende der Dekade schießen wir einen Mann auf den Mond und sorgen dafür, dass er heil wieder herunterkommt.“

Hinweis: Kommunikationsstile

Die Kommunikationsexpertin Anita Hermann-Ruess beschreibt in Ihrem Buch „Speak Limbic“ vier unterschiedliche Kommunikationsstile:

  1. Der logische Typ bevorzugt kurze, knappe Sätze, nüchterne Fakten und ein distanziertes Auftreten.
  2. Der experimentelle Typ ist fantasievoll und assoziativ, er spricht bildhaft, lebendig und lässt seine Begeisterung erkennen.
  3. Der strukturierte Typ kann gut erklären, geht schrittweise vor, macht detaillierte Angaben, ist vorsichtig und absichernd.
  4. Der gefühlvolle Typ hat einen ausgedehnten Redestil, geht auf sein Publikum ein, benutzt Geschichten und eigene Erfahrungen.

Die Botschaft von Hermann-Ruess: Finden Sie heraus, welcher Typ Sie sind und setzen Sie Ihre Sprache entsprechend ein. Finden Sie auch heraus, welche Typen in Ihrem Publikum vertreten sind und nutzen Sie spezifische sprachliche Elemente, um alle Typen anzusprechen.

Ihr Auftreten beim Präsentieren

Ihr Auftreten sollte gepflegt und passend zu Ihrem Typ und zum Anlass sein. In Ihrer Kleidung sollen Sie sich wohl fühlen. Achten Sie vor allem auf Ihre Schuhe und darauf, ein Taschentuch griffbereit zu haben. Kümmern Sie sich auch rechtzeitig darum, dass Ihre technische Ausrüstung funktioniert. 

Praxis

Persönliche Wirkungsmittel analysieren

Überlegen und notieren Sie:

  • Wann haben Sie Ihre letzte Präsentation gehalten?
  • Was lief Ihrer Meinung nach gut, was weniger gut?
  • Wann haben Sie zuletzt eine Präsentation miterlebt?
  • Was hat Ihnen dabei gefallen, was nicht?

Ihre Haltung

  • Stellen Sie sich aufrecht vor einen Spiegel.
  • Achten Sie dabei auf einen festen Stand.
  • Schauen Sie sich in die Augen.
  • Beschreiben Sie Ihren Gesichtsausdruck.

Ihre Gestik

  • Beobachten Sie Redner im Fernsehen, die Ihnen gut gefallen und achten Sie auf deren Handbewegungen.
  • Stellen Sie sich danach vor einen Spiegel, und kopieren Sie die Handbewegungen des Redners, die zu Ihnen passen könnten: Zum Aufzählen, wenn Sie Fragen stellen oder wenn Sie auf etwas Wichtiges hinweisen.

Ihr Gesichtsausdruck

  • Stellen Sie sich vor einen Spiegel und schauen Sie sich an, während Sie verschiedene Gesichtsausdrücke wie Angst, Entsetzen, Langeweile oder Konzentration ausprobieren. 
  • Denken Sie dann an etwas Positives, Schönes oder Lustiges und lächeln Sie sich an. 
  • Wie hat sich Ihr Gesichtsausdruck verändert?

Ihre Stimme

  • Sprechen Sie sich Ihren Vortrag zur Übung zu Hause selbst laut vor.
  • Variieren Sie dabei Ihre Stimme bewusst. Zur Übung dürfen Sie dabei gerne übertreiben.
  • Üben Sie die Variationen in Ihrer Stimme, bei denen Sie sich wohlfühlen.

Ihre Sprache

  • Achten Sie bei einem Gespräch bewusst auf Ihre Sprache.
  • Welche Signalwörter oder Signalsätze verwenden Sie häufig?

Persönliche Wirkungsmittel

  • Beobachten Sie einen Präsentierenden und bewerten Sie die einzelnen Wirkungselemente.
  • Üben Sie die einzelnen Wirkungselemente während einer Präsentation, und lassen Sie sich von einer anderen Person bewerten.

Ihr Lernvertrag

Schreiben Sie Ihre Gedanken zu folgenden Fragen auf und leiten Sie daraus ab, was Sie besonders beachten und üben wollen. Das ist Ihr Lernvertrag:

  • Was ist Ihnen bezüglich Ihrer persönlichen Wirkungsmittel aufgefallen?
  • Welche Rückmeldungen haben Sie von anderen bekommen?
  • Was wollen Sie tun, um sich zu verbessern?
  • Wann bietet sich die nächste Gelegenheit, Ihr neu Erlerntes einzusetzen?