KarriereTipps zur Elternzeit für Väter

Viele gehen nicht in Elternzeit, weil sie Nachteile im Beruf befürchten. Das betrifft vor allem immer noch die Väter. Wie überzeugen sie ihren Arbeitgeber von der Elternzeit? Wie bleiben sie im Kontakt mit dem Unternehmen? Und welche Folgen kann eine Elternzeit für Väter haben?

Eltern können frei entscheiden, wer von ihnen in Elternzeit geht und wann. Immer öfter entscheiden sich die Väter, diese berufliche Auszeit zu nehmen.

Wie können Väter ihren Arbeitgeber von der Elternzeit überzeugen?

Wenn Väter zwei Monate Elternzeit nehmen wollen, ist das in der Regel kein Problem. So etwas ist mittlerweile quer durch alle Branchen Standard. Interessant wird es bei dem Wunsch nach längerer Elternzeit. Diese Konstellation ist immer noch vergleichsweise selten bei Männern, aber: Tendenz steigend.

Für eine längere Elternzeit gilt: Konkrete Lösungen für das Unternehmen und die Vorgesetzten anbieten. Zeigen, dass man mitdenkt, Verantwortung für die Situation übernimmt und nicht nur eigene Rechte einfordert. Beispiele:

  • bei der Rekrutierung einer Elternzeitvertretung helfen
  • die Nachfolgerin beziehungsweise den Nachfolger einarbeiten
  • bei der Gestaltung der Übergangszeit helfen
  • während der Elternzeit für Kollegen und Vorgesetzte ansprechbar bleiben

Aber Vorsicht: Der letzte Punkt sollte wohl dosiert praktiziert werden, sonst besteht die Gefahr, dass der Vater seinen Job von zu Hause weiter macht.

Wann sollten Väter ihren Arbeitgeber über die geplante Elternzeit informieren?

Der Antrag auf Elternzeit muss dem Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor Beginn der Elternzeit vorliegen. Wollen Väter unmittelbar nach der Geburt Elternzeit nehmen, müssen sie ihren Antrag spätestens sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bei ihrem Arbeitgeber einreichen.

Da Väter ab acht Wochen vor dem Antritt der Elternzeit einen gesetzlichen Kündigungsschutz haben, wird empfohlen, den Antrag genau in der Woche zwischen dem Beginn des Kündigungsschutzes (acht Wochen) und dem spätesten Termin für den Antrag (sieben Wochen) einzureichen.

Je nachdem, wie das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber und zu Vorgesetzten ist, ist es aber ratsam, die eigene Vorgesetzte oder den Vorgesetzten früher in die Planungen einzubeziehen. Dadurch wird der Ausfall für den Arbeitgeber planbarer. Im Idealfall kann man den Arbeitgeber aktiv bei der Planung und Lösungsfindung unterstützen. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Vorgesetzte diese Fairness und das Engagement honorieren und im Gegenzug die Wünsche nach Elternzeit unterstützen. Besteht aber Unsicherheit darüber, ob der Arbeitgeber doch kündigen könnte, bevor der Kündigungsschutz greift, sollte man sich an die oben beschriebenen Fristen halten.

Mit welchen Widerständen können Väter rechnen, wenn sie Elternzeit beantragen?

Nicht selten wird dann Druck ausgeübt, eine längere Elternzeit lieber nicht zu beantragen. In der Praxis kann es auch vorkommen, dass der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter nach der Rückkehr aus der Elternzeit betriebsbedingt kündigt und ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht unausweichlich ist.

Ob Widerstände auftauchen, hängt stark mit der Firmenkultur und dem existierenden Führungsverständnis zusammen. In moderneren Unternehmen ist es gut möglich, dass der Vater in seinem Vorhaben unterstützt wird. Eine Schlüsselrolle spielen auch direkte Vorgesetzte. Eine Untersuchung hat gezeigt, dass die Entscheidung vieler Väter, Elternzeit zu nehmen, maßgeblich vom Verhalten der jeweiligen Führungskraft abhängt. Es gibt aber nach wie vor viele Unternehmen mit patriarchalischen Strukturen und einem altmodischen Bild von Führung. Hier werden die Mitarbeiter, die Elternzeit nehmen wollen, nicht nur belächelt, sondern oft auch benachteiligt.

Was tun, wenn der Arbeitgeber die Elternzeit ablehnt?

Rein rechtlich können Unternehmen den Antrag auf Elternzeit nicht ablehnen. Alle Eltern haben einen gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit. Es gibt kein Mitbestimmungsrecht des Arbeitgebers. Wichtig ist, nicht emotional zu reagieren, sondern möglichst gelassen zu bleiben und die Vorgesetzte oder den Vorgesetzten ruhig über die gesetzlichen Rahmenbedingungen aufzuklären.

Mitarbeiter sollten auch zeigen, dass sie sich aktiv an der Lösungsfindung beteiligen. Eventuell können sie mit der Familienfreundlichkeit des Unternehmens argumentieren und positive Beispiele nennen, wo es mit der Elternzeit auch funktioniert hat. Fruchten diese Maßnahmen nicht, muss letztlich jeder selbst das Risiko für sich einschätzen und abwägen: Ist dieser Job es wirklich wert, auf Elternzeit und Zeit mit dem eigenen Kind zu verzichten, um Nachteile bei diesem Unternehmen zu vermeiden?

Wie lange sollte die Elternzeit maximal dauern?

Rechtlich gesehen beträgt die maximale Elternzeit 36 Monate. So lange können auch Väter in Elternzeit sein. Doch wie lange sie tatsächlich in Elternzeit gehen sollten – dafür gibt es keine Regel. Ehrlicherweise muss man aber sagen: Je kürzer die Elternzeit, desto eher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Mitarbeiter diese Zeit „unbeschadet“ übersteht. Bei längerer Abwesenheit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich im Unternehmen Vieles ohne einen weiterentwickelt.

Was sollten Väter hinsichtlich des Wiedereinstiegs beachten?

Es empfiehlt sich, möglichst während der Elternzeit mit Kollegen und Vorgesetzten Kontakt zu halten, Interesse zu zeigen und fachlich im Thema zu bleiben. Wichtig ist auch, den Wiedereinstieg aktiv zu planen sowie frühzeitig Termine mit den Vorgesetzten zu vereinbaren, wie die Rückkehr gestaltet werden soll.

Welche negativen Konsequenzen kann Elternzeit für die Karriere haben?

Rechtlich haben Mitarbeiter nach der Elternzeit einen Anspruch auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz. Vor allem dürfen ihnen keine finanziellen Nachteile entstehen. Ein gleichwertiger Arbeitsplatz muss nicht unbedingt derselbe Arbeitsplatz sein. Faktisch kann es passieren, dass Mitarbeiter beispielsweise nicht mehr in den gleichen Projekten sind wie zuvor.

Es passiert nicht selten, dass die eigenen interessantesten Aufgaben und Projekte in der Zwischenzeit von anderen Kolleginnen oder Kollegen übernommen werden. Dann muss sich der Mitarbeiter in Elternzeit seine Position nach der Rückkehr wieder neu erkämpfen. Auch Mobbing kann auftreten. Aber insgesamt spielt hier die Einstellung im Unternehmen zum Thema „Elternzeit für Männer“ eine entscheidende Rolle.

Welche positiven Folgen kann eine Elternzeit mit sich bringen?

Für Väter:

  • Aufbau einer engen Bindung zum Kind
  • Verbesserte Paarbeziehung (Schritt in Richtung Gleichberechtigung)
  • Gegenseitiges Verständnis für die Rolle des anderen
  • Erholung vom Job
  • Abstand vom Jobdenken und Entwickeln eines Blicks fürs Wesentliche
  • Klarheit über eigene Ziele
  • Persönliche Weiterentwicklung und Transport dieser Reife ins Unternehmen (zum Beispiel höhere Effektivität, Selbststeuerung, Gelassenheit)

Für Unternehmen:

  • Verbesserung des Betriebsklimas
  • Gute Bindung der Angestellten an das Unternehmen (Mitarbeiterloyalität)
  • Mitarbeiter erlebt Abwechslung und erholt sich von den Anstrengungen des Jobs
  • Positiver Sabbatical-Effekt, das heißt, der Mitarbeiter kehrt motiviert zurück
  • Image-Verbesserung als familienfreundliches, modernes Unternehmen
  • Leistung eines gesellschaftlichen Beitrags (Corporate Social Responsibility)

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