PersonalentwicklungFachwissen und Erfahrung der älteren Beschäftigten nutzen

Was Personalentwicklung für ältere Beschäftigte und Rentner leisten sollte, damit sie ihr Fachwissen und ihre Erfahrung zum Nutzen des Unternehmens einbringen.

Was Personalentwicklung leisten sollte

Personalentwicklung ist wesentlich mehr als Aus- und Weiterbildung. Erfolgreiche Personalentwicklung muss auch Beiträge zu folgenden kurz- und mittelfristigen Ergebnissen liefern:

  • Vorhandenes Wissen und Erfahrungen werden genutzt
  • Personaleinsatz ist wirtschaftlich
  • Mitarbeiterbindung verbessert sich
  • Unternehmenskultur entwickelt sich positiv
  • Veränderungsprozesse werden unterstützt

Viel unternehmensspezifisches Fachwissen und Erfahrung befindet sich in den Köpfen der Führungskräfte und Mitarbeitenden. Das wird in der Regel nicht veröffentlicht.

Oft ist älteren, vor der Rente stehenden Führungskräften und Mitarbeitenden nicht präsent, dass viel Know-how von ihnen nirgends dokumentiert ist. Deshalb muss Personalentwicklung dafür sorgen, dass dieses Wissen und diese Erfahrungen im Unternehmen bleiben.

Dabei ist zu beachten, dass insbesondere Experten ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen eher wie einen Schatz verstecken, um die eigene Position zu sichern und sich unabkömmlich zu machen.

Was an Fachwissen und Erfahrung verloren geht

Bei einer Analyse von Personen, denen ein Angebot zu einer vorzeitigen Pensionierung gemacht werden sollte, ergaben sich unter anderem personenbezogene Gegenargumente. Denn es herrscht die Sorge vor einem Verlust von

  • wichtigen Kunden- oder Lieferantenkontakten,
  • Kontakten zu Politik und Medien,
  • spezifischen Kenntnissen zum Methoden- und Materialeinsatz,
  • Erfahrungen zu Konstruktionsdetails und Durchlaufzeiten oder
  • Kenntnissen zu systemrelevanten Zusammenhängen.

Tipp: Als geeignetes Instrument zur Erfassung dieser Informationen hat sich ein strukturiertes Gespräch erwiesen. Geführt wird es von einer Person, die Wissen und Erfahrungen dokumentieren soll und weiter anwenden kann.

Die Gesprächsergebnisse können mit dieser Vorlage dokumentiert werden:

Vor-Urteile zu älteren Mitarbeitenden hinterfragen und ihre Erfahrungen sichern

Gegenüber älteren Menschen gibt es gesellschaftliche Vor-Urteile, die aber nicht zutreffen. Danach sollen die meisten alten Menschen durch gesundheitliche Probleme stark eingeschränkt sein. Sie sollen sich nicht mehr auf Veränderungen einstellen können und hätten weniger Lebensqualität.

Die Realität ist weitaus positiver. Studien zeigen, dass sich einige wichtige Fähigkeiten mit dem Alter sogar verbessern, insbesondere wenn man aktiv, engagiert und lernbereit bleibt.

Da das Gehirn auf jahrzehntelange Erfahrungen zurückgreifen kann, können sich steigern:

  • Kreativität,
  • Mustererkennung,
  • Veränderungsfähigkeit und
  • das Denken in größeren Zusammenhängen. 

Manche Menschen altern wie guter Rotwein und werden immer besser. Andere altern wie Sahne und sind schnell nicht mehr genießbar. Den Unterschied macht eine positive Einstellung zum Altern.

Von besonderer Bedeutung ist dabei ein positives Selbstwertgefühl. Anerkennung, Wertschätzung und nützlich zu sein sind dafür wichtige Grundlagen. Deshalb würden viele Rentner gerne weiterarbeiten, wenn sie das im Beruf erlebt haben.

Dazu müssen aber Vor-Urteile gegenüber älteren Menschen hinterfragt werden. Das kann Personalentwicklung leisten.

Potenzialeinschätzung ist eine wesentliche Grundlage für Personalentwicklung. Zu entscheiden, ob neue, junge, von außen kommende Mitarbeitende Probleme lösen oder zum Problem werden könnten, ist eine Herausforderung. Dem gegenüber zu beurteilen, ob ältere Personen, die man schon lange kennt, Lösungen erarbeiten und Ergebnisse erreichen könnten, ist sicherlich einfacher.

Grundlagen der Personalentwicklung für ältere Beschäftigte

Die Situation vor und beim Eintrittsalter in die Rente ist unterschiedlich. Es gibt alternative Wege und Zeitpunkte. Damit sich Ergebnisse verbessern, müssen die Rahmenbedingungen durch Personalentwicklung für Ältere stimmen.

Das Angebot an Ältere muss extern bekannt gemacht werden. Dazu muss es kurz und prägnant beschrieben sein.

Wesentlich ist eine geeignete Potenzialeinschätzung, um Fähigkeiten und Motivation richtig zu beurteilen. Die Kooperationsbereitschaft kann als Beurteilungskriterium für eine weitere Zusammenarbeit dienen.

Bei Fragen zur Rente und zu Versicherungen sollte die Personalabteilung mögliche Kandidatinnen und Kandidaten unterstützen.

Projekte und Aufgaben für ältere Beschäftigte

Nach Renteneintritt sollte für klar definierte Projekte in einem vereinbarten Zeitrahmen gearbeitet werden. Projekte werden von der Leitung entschieden. Das unterstützt die Bereitschaft, Veränderungen vorzuschlagen und zu realisieren.

Beispielsweise können Wettbewerbsanalysen oder Problemanalysen für Veränderungen zu Projektinhalten für ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden. Der Projektansatz sichert dabei Flexibilität und Ergebnisorientierung.

In jedem Unternehmen gibt es Aufgaben, zu denen oft die Zeit fehlt, die erst mittelfristig realisiert werden können und deshalb auf die lange Bank geschoben werden, oder die Bewährtes infrage stellen. Dazu gehören insbesondere Innovationen für Produkte und Prozesse.

Es gibt Unternehmen, die dafür bewusst Tandems aus jungen und alten Personen zusammenstellen. Mit ihnen werden Ziele, also gewünschte Ergebnisse, und ein Zeitbudget vereinbart.

Die Ergebnisverantwortung wird dem Tandem übertragen. Innovative Vorschläge aus neuen Technologien durch Jüngere mit praktischen Möglichkeiten und Erfahrungen durch Ältere zu verknüpfen, erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit.

Diese Partnerschaften zu zweit sind nicht nur für jüngere Mitarbeitende eine hervorragende Möglichkeit, praxisrelevantes Know-how zu erlangen, sondern auch für ältere. Wirkungsvolle Personalentwicklung findet eben nicht nur im Seminarraum statt.

Hinweis

Zur Definition von Projekten und Aufgaben können die methodischen Hintergrundinformationen zu Zielen und ein Projektblatt aus dem Beitrag zu Führungsmethode für Komplexität, Agilität und Veränderung helfen.

Konsequenzen der Personalentwicklung für Ältere

Für Unternehmen bieten sich so Chancen, weitere wichtige Ergebnisse zu erreichen:

  • Es steht mehr flexible Personalkapazität zur Verfügung. 
  • Leistungsstarke Ältere werden ans Unternehmen gebunden.
  • Das Unternehmen eröffnet sich Zugang zu Kompetenzen, die sonst verloren wären.

Das Angebot an ausscheidende Mitarbeitende zeigt die Wertschätzung, die im Unternehmen gegenüber dem Personal besteht. Das verändert Unternehmenskultur. Gleichzeitig wird deutlich, dass Engagement und Ergebnisse wichtige Grundlagen für Wertschätzung sind.

Es ist ein Zeichen guter Personalentwicklung, wenn ältere Führungskräfte und Mitarbeitende nicht durch einen Rundumschlag freigestellt werden. Vielmehr sollten Unternehmensinteressen und individuelle Vorstellungen durch eine personenbezogene Analyse verknüpft werden.

Denn: Die Art und Weise, wie ein Stellenabbau realisiert wird, beeinflusst insbesondere das Verhalten der Personen, die nicht davon betroffen sind.

Sie lernen, wie das Unternehmen mit dem Personal in Krisensituationen umgeht, und richten ihr zukünftiges Verhalten danach aus – positiv oder negativ für das Unternehmen. Denn sie könnten bei der nächsten Entlassungswelle betroffen sein.

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