TeamarbeitWann heterogene Teams erfolgreich sind

Heterogene Teams können mehr erreichen als homogene. Voraussetzung: Die unterschiedlich denkenden Mitarbeiter akzeptieren ihre Kollegen und Konflikte werden ausgeräumt.

Teammitglieder mit völlig unterschiedlichem Hintergrund arbeiten heute immer öfter gemeinsam an Projekten. So etwa in der Produktentwicklung, wenn Mitarbeiter mit unterschiedlichem professionellen Hintergrund wie etwa Ingenieure, Marketingprofis oder Kundenberater gebraucht werden, um ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Gleiches finden wir in der internationalen Zusammenarbeit: Mitarbeiter aus mehreren Ländern sind an verschiedenen Standorten beschäftigt und bilden dennoch ein Team. Ähnliches gibt es auch bei Fusionen und Change-Prozessen: Um die unterschiedlichen Interessengruppen zu berücksichtigen, werden die jeweiligen Vertreter zusammengezogen. Perspektivenvielfalt fällt so leichter, und in der späteren Umsetzung wird es weniger Konflikte geben.

In allen genannten Fällen kommen heterogene Teams zum Einsatz, und in aller Regel sind während der ersten gemeinsamen Arbeitsschritte Reibungen zu erwarten. Denn jeder hat eine eigene Vorstellung davon, was richtig ist und wie die Arbeit auszusehen hat.

Jeder verhält sich so, wie er es für richtig hält

Heterogene Teams arbeiten nicht automatisch besser als einheitlich zusammengesetzte. Hier besteht zwar die Chance auf überdurchschnittliche Leistungen, aber auch ein hohes Risiko, Ziele nicht zu erreichen. Generell brauchen Mitarbeiter mit unterschiedlichem Hintergrund länger, um gut zusammenarbeiten zu können, denn zunächst muss jeder einzelne lernen, die anderen zu verstehen und Unterschiede anzuerkennen.

Dabei werden die eigenen Routinen zunächst als richtig angesehen, wobei diese Grundannahme dadurch, dass sich auch die Anderen im Team anders verhalten, rasch erschüttert wird. Dies wird in internationalen Teams besonders deutlich, etwa wenn ein deutscher Projektleiter davon ausgeht, dass sein schwedischer Kollege einen detaillierten Projektplan liefert und es nach Meetings Protokolle und Aktionspläne gibt. All das wird er jedoch nicht bekommen.

Diese Unterschiede in der Arbeitskultur gibt es aber nicht nur zwischen internationalen Teamkollegen; auch Berufsgruppen haben unterschiedliche Regeln für die Zusammenarbeit, und auch bei der Fusion von Unternehmen oder Abteilungen stoßen unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. In heterogenen Teams gilt es deshalb, diese Unterschiede zu erkennen und eine gemeinsame Basis zu entwickeln. Dabei versuchen einige Kollegen immer wieder, ihre Gewohnheiten durchzusetzen und die anderen zu dominieren. Jene wiederum sind davon so eingeschüchtert, dass sie sich – zumindest scheinbar – unterordnen. Folge: Der Vorteil der Perspektivenvielfalt und Kreativität in heterogenen Teams geht verloren.

Individuelle Einstellungen durch Reflexion erkennnen

Erst wenn es gelingt, diese Unterschiede nicht als Fehler zu sehen, kann Verständnis für die Kollegen entstehen. Dafür ist es hilfreich, die Werte und Einstellungen zu erkennen, die dem Verhalten zugrunde liegen. Durch Diskussion und Reflexion kann dies gelingen, und erst dann können die einzelnen Teamkollegen die Stärken der anderen anerkennen und Aufgaben entsprechend verteilen. Heterogene Teams, die das schaffen, profitieren insbesondere von folgenden Vorteilen gegenüber homogenen Teams:

  • Sie nutzen die unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen, hören sich gegenseitig zu und finden kreativere Lösungen.
  • Sie analysieren Aufgaben gründlicher, entwickeln mehr Optionen und entscheiden anhand von besseren Kriterien darüber.
  • Es entsteht weniger „Blindheit“ durch Routine.
  • Die interkulturelle Kompetenz ist hoch: die Teammitglieder können mit den Unterschieden besser umgehen, sind damit handlungsfähig und halten Vieldeutigkeit und Nichtwissen leichter aus.

Wenn die Teammitglieder unterschiedlich arbeiten, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert: geringes Vertrauen in die Kollegen, kaum Bereitschaft, die anderen zu unterstützen und manchmal auch der Versuch von Kollegen, die anderen zu dominieren und ihre Auffassungen durchzusetzen. Hier ist der Teamleiter gefragt. Schon bei der Aufgabenverteilung und bei Besprechungen kann er immer wieder den Gesamtzusammenhang erklären. Dabei sollte er seine Erwartung deutlich machen, dass alle Teammitglieder darauf achten müssen, was sie für die anderen tun können. Verfestigen sich die Vorbehalte und setzt Rivalität ein, helfen ein offenes Ansprechen und Feedback.

Beispiel für die Klärung eines Konflikts im heterogenen Team

Dabei sollten auch die Motive der Beteiligten analysiert werden: Was bezwecken sie damit? Ein Beispiel: Die Auffassungen zweier Mitarbeiter zur Betreuung eines wichtigen Kunden gehen auseinander. Es kommt zu offenen Spannungen und die restlichen Kollegen im Team fühlen sich gestört. Jetzt schaltet sich der Teamleiter ein, spricht das Verhalten und dessen Folgen an und bittet auch das Team um Rückmeldung. Die beiden Rivalen werden sachlich kritisiert und sind selbst überrascht ob der Auswirkungen ihrer Auseinandersetzung auf das ganze Team. Erst diese Einsicht ermöglicht eine selbstkritische Beobachtung und schließlich auch die Änderung des eigenen Verhaltens.

In heterogenen Teams ist das Zusammengehörigkeitsgefühl nicht so ausgeprägt wie in Teams, in welchen fast alle die gleichen Auffassungen haben. Oft bleibt ein Gefühl von Fremdheit und des Nichtdazugehörens, gleichzeitig aber der Wunsch nach Vertrautheit und gewohnten Ansichten. Eine solche Situation begünstigt die Bildung von Subsystemen – die Verbündung mit möglichst Gleichgesinnten. Es ist einfacher, sich mit ihnen zu verständigen, als ständig das Ungewohnte zu Hinterfragen und Konflikte durchzustehen.

Auch hier kann der Teamleiter frühzeitig gegensteuern und die Unterschiede ansprechen, um Verständnis zu fördern. Er kann die jeweiligen Hintergründe des Verhaltens erfragen und Vorzüge würdigen. Wenn er Konflikte moderiert und Vorbehalte anspricht, wird weniger tabuisiert und Unterschiede, die nicht aufgelöst werden können, werden besser ausgehalten. Dabei obliegt es dem ganzen Team, alle Mitglieder zu integrieren. Der Teamleiter darf das unterstützen, indem er allen immer wieder die Gelegenheit gibt, die eigenen Ansätze vorzustellen.

Wenn Zwei im Team sich nicht „verstehen“

Eine besondere Schwierigkeit internationaler Teams besteht im Erkennen kultureller Unterschiede. Alle verhalten sich entsprechend ihren Vorstellungen von Kollegialität und Höflichkeit, und dennoch kommt es zu latenten Spannungen. Diese können aus Kleinigkeiten entstehen, oder auch gravierende Bedeutung haben. Ein Beispiel: Als sich ein Engländer bei seinem deutschen Kollegen freundlich und im Plauderton nach einem Tool erkundigt, freut sich der Deutsche über das Interesse und gibt bereitwillig Auskunft. Später beklagt sich der Engländer über die mangelnde Kollegialität: Für ihn bedeuteten seine Fragen die eindeutige Bitte, das Tool benutzen zu dürfen. Der Deutsche Kollege indes hatte dies überhaupt nicht erkannt.

In einer solchen Situation können sich die Kollegen gegenseitig helfen: Anstatt zu spekulieren, warum sich der andere so eigenartig verhält, sollten sie sich besser konkrete Fragen stellen. Was meinst Du? Wie würdest Du vorgehen? Ist das bei Euch üblich?

Heterogene Teams können mehr erreichen als homogene

Während gleichartig zusammengesetzte Teams meist schnell zusammenfinden und ihre Projekte harmonisch starten, brauchen Teammitglieder mit unterschiedlichem Hintergrund länger dafür. Arbeitsweisen sind uneinheitlich, das Bedürfnis nach Anerkennung und Gleichgesinnten bleibt bestehen, die Zusammenarbeit ist anstrengender als im homogenen Team. Immer besteht das Risiko, hinter den eigentlich vorhandenen Möglichkeiten zu bleiben.

Dafür haben heterogene Teams auch die Chance, viel mehr zu erreichen als ihre homogenen Pendants: Sie bedenken mehr Optionen, finden kreativere Lösungen, entscheiden nach besseren Kriterien und laufen nicht Gefahr, einseitig zu denken und wichtige Aspekte zu übersehen. In einer immer komplexeren Wirtschaft sind sie aus dem Unternehmensleben ohnehin nicht mehr wegzudenken.

Checkliste: Grundsätze für die Problembewältigung in heterogenen Teams

  • Unterschiede und Spannungen ansprechen und keinesfalls so tun, als gäbe es sie nicht.
  • Für gegenseitiges Verstehen sorgen: Welche Routinen, Überzeugungen, Gewohnheiten und Motive stecken hinter dem unterschiedlichen Verhalten?
  • Ein Bewusstsein entwickeln: Wir sind sehr unterschiedlich und wir akzeptieren uns so!
  • Wie werden wir unter diesen Umständen unseren Aufgaben gerecht und wie machen wir uns unsere Unterschiedlichkeit zu Nutze?
  • Akzeptieren: Die Unterschiede lösen sich nicht auf. Ziel ist ein konstruktives Miteinander, nicht Gleichheit.

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