VerhaltenRegeln für den respektvollen Umgang miteinander

Ein respektvoller Umgang ist die Grundlage für sachliche Dialoge und für das Lösen von Konflikten. Aber: Um Respekt zeigen zu können, braucht es vor allem Respekt sich selbst gegenüber.

Respekt ist eine Investition. Nur wer bereit ist, sich anderen gegenüber respektvoll zu verhalten und einen respektvollen Umgang pflegt, kann erwarten, dass diese auch selbst Respekt entgegenbringen. Das Problem dabei ist nur: Einer muss damit anfangen. In seinem Buch „Respekt! Wie Sie Ansehen bei Freund und Feind gewinnen“ schildert der Kommunikationsexperte René Borbonus, warum es vielen Menschen so schwer fällt, anderen gegenüber respektvoll und wertschätzend zu sein. Drei wichtige Gründe dafür sind:

  • Kindern wird in den ersten Lebensjahren zu wenig vermittelt, was es heißt, den anderen zu respektieren. Erwachsene sind keine oder nur schlechte Vorbilder, weil sie selbst oft keinen Respekt zeigen.
  • Die Medien nutzen Einzelschicksale für Quote und Auflage, ohne den Menschen, sein Leid und seine Ängste zu respektieren. So wird den Medienkonsumenten vermittelt: Respekt ist nicht nötig.
  • Wer egoistisch ist, seine Ellbogen einsetzt und Konkurrenten schlecht macht, kommt scheinbar schneller voran und ist damit sogar erfolgreich.

Respektvoller Umgang durch sachliche und respektvolle Dialoge

Auch in vielen Unternehmen fördern die Rahmenbedingungen nicht gerade einen respektvollen Umgang miteinander. Es wird gemauschelt, gelogen und getrickst, oder Ziele und Anreize sind so gestaltet, dass sich egoistisches Verhalten auszahlt. Doch wenn Menschen nicht vernünftig miteinander reden oder Informationen nicht ankommen, ergeben sich Missverständnisse und Konflikte. Damit aber Kommunikation funktioniert, braucht es Regeln und ein gemeinsames Selbstverständnis. Nur wenn Gespräche von gegenseitigem Respekt geprägt sind, dann hört der Gesprächspartner zu, und nur dann ist er bereit, den sachlichen Dialog zu führen. Folgende Regeln kennzeichnen einen respektvollen Dialog:

Konzentrieren

Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie im Gespräch wirklich wollen. Respektvoll ist, wenn der andere weiß, worum es im Gespräch geht.

Offen und ehrlich sein

Achten Sie auf den eigenen Stil, auch unter Stress. Bleiben Sie auch dann gelassen, offen und ehrlich. Darin drückt sich Ihr Respekt aus.

Fakten nennen

Benennen Sie die Fakten. Sagen Sie Ihre Argumente, geben Sie Beispiele und Belege. Respekt haben bedeutet: Dem anderen offen und transparent mitteilen, was man selbst für relevant erachtet.

Fehler zugeben

Entschuldigen Sie sich, wenn es angebracht ist. Geben Sie eigene Fehler zu und machen Sie so deutlich: Ihnen ist bewusst, dass Sie Ihren Gesprächspartner verletzt oder enttäuscht haben.

Sachliche Lösung suchen

Verfolgen Sie den Pfad zum Handeln zurück. Wenn eine Situation eskaliert und die Emotionen hochkochen, dann gilt es Ruhe zu bewahren. Suchen Sie nach einer Lösung auf sachlicher Ebene. Respekt zeigt sich gerade in kritischen Situationen.

Verständnis zeigen

Fragen Sie Ihren Gesprächspartner. Versuchen Sie zu verstehen, wie er zu seiner Haltung oder Meinung kommt. Respekt heißt, Verständnis zeigen (was nicht gleichbedeutend sein muss mit Einverständnis).

Ergebnis dokumentieren

Dokumentieren Sie die Entscheidung und die Umsetzung. Das bringt das Gespräch und das Ergebnis auf eine sachliche Ebene und macht sichtbar, dass alle Meinungen gleichermaßen respektiert werden.

Respekt sich selbst gegenüber haben

Die Trainerin und Coach Andrea Lienhart hat ebenfalls untersucht, wo es bei Menschen in Unternehmen am respektvollen Umgang miteinander fehlt und welche Folgen das haben kann. Ein respekvoller Umgang in Gesprächen zeigt sich vor allem durch folgendes Verhalten gegenüber Gesprächspartnern:

  • Gut zuhören
  • Aussprechen lassen
  • Pausen gönnen
  • Auf Gestik und Mimik achten
  • Gefühle erkennen und akzeptieren
  • Sich in den Gesprächspartner hineinversetzen

Für ein respektvolles Verhalten braucht es vor allem auch den Respekt sich selbst gegenüber. Selbstbezogenheit und Egozentrik sind dabei nicht förderlich. Lienhart zeigt auf, welche Elemente des Selbstbewusstseins hilfreich sind, auch den anderen Menschen zu achten und zu schätzen:

  • Wer aufmerksam und freundlich sich selbst gegenüber ist, kann das auch anderen gegenüber sein.
  • Wer seine eigenen Bedürfnisse kennt und zu ihnen steht, erkennt, dass auch andere eigene Bedürfnisse haben, die es zu respektieren gilt.
  • Wer sich selbst in allen Facetten annimmt, wird auch bei anderen Menschen akzeptieren, dass sie anders sind und dass sie ihre Stärken und Schwächen haben.

Respektvoller Umgang und Empathie hängen eng zusammen

Wer sich selbst respektiert und genügend Selbstvertrauen mitbringt, der ist stark und gelassen genug, sich auf den anderen und seine Sichtweise einzulassen. Empathie ist eng mit Respekt beziehungsweise einem respektvollen Umgang verbunden: Die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und das Bestreben, sie zu verstehen. Lienhart rät, sich selbst zu fragen:

  • Was ist die Sichtweise des Gegenüber?
  • Was hält er für richtig oder falsch?
  • Was will er erreichen?
  • Welche Gefühle beeinflussen ihn vermutlich?
  • Was befürchtet er?
  • Was braucht er?

Dies kann ergänzt werden durch die Perspektive eines unbeteiligten Dritten. Hier lautet die Kernfrage: Was würde eine andere Person sehen, wenn sie mich und mein Gegenüber und unseren gemeinsamen Umgang beobachtet?

Fazit

Respektloses Verhalten stellt nicht nur denjenigen ins Abseits, der es an den Tag legt. Es schadet auch dem Unternehmen, wenn die Führungskräfte eine Kultur der Respektlosigkeit protegieren oder zumindest zulassen. Über kurz oder lang werden die Konflikte schärfer und die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern schlecht. René Borbonus stellt fest: „Ein respektvolles Miteinander im Geschäftsleben wird Ihren Alltag nicht nur entspannter und konfliktärmer machen – es wird Ihnen auch messbare Erfolge bescheren.“

Dazu im Management-Handbuch

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