Zielkostenrechnung – Target CostingMit der Zielkostenrechnung (Target Costing) Preis und Kosten optimieren

Mit der Zielkostenrechnung oder Target Costing entwickeln Sie Produkte so, dass der Preis für Kunden besonders attraktiv ist. Sie orientieren sich am Wettbewerb und an den Kundenanforderungen und leiten daraus den Kostenrahmen, die Target Costs, für Ihr Produkt und die Produktkomponenten ab.

Kunden geben Preis und Kosten vor

Die Zielkostenrechnung oder Target Costing ist eine Methode des Kostenmanagements. Mit ihr wird ermittelt, was ein Produkt oder ein einzelnes Bauteil kosten darf, um am Markt wettbewerbsfähig zu sein. Ausgangspunkt ist der Preis eines Produkts, der sich aus einem Vergleich mit den Angeboten und Preisen des Wettbewerbs ergibt – und den Kunden bereit sind zu bezahlen. Ist dieser Preis festgelegt, werden daraus retrograd, also in einer Rückrechnung, die erlaubten Kosten für das Produkt und alle seine Bauteile bestimmt.

So ist das Target Costing ein Beispiel für eine grundsätzlich andere Betrachtung der Kostenrechnung und des Preismanagements. Klassische Modelle und Methoden ermitteln den Produktpreis aus den tatsächlich anfallenden Kosten plus entsprechender Zuschläge (Gewinn). Mit dem Target Costing wird der umgekehrte Weg beschritten.

  • Stellen Sie nicht die Frage: „Was kostet mich die Herstellung des Produktes XY?“
  • Sondern fragen Sie: „Was darf die Herstellung des Produktes kosten?“

Zielkostenrechnung, Target Costing oder Target Pricing

Mit der Zielkostenrechnung, auch Target Costing oder Target Pricing, werden die Kosten eines Produkts und seiner Bauteile aus dem konkurrenzfähigen Marktpreis abgeleitet. Produktkosten werden nicht aus Einzel- und Gemeinkosten berechnet, sondern aus Vorgaben des Marktes und der Kunden. Damit werden für die Produktentwicklung und die Produktion Kostenrahmen und Budgets vorgegeben, die erlaubt und einzuhalten sind.

Im Rahmen der Zielkostenrechnung müssen dazu im ersten Schritt der Zielpreis und, abzüglich der erwarteten Gewinnspanne, die Zielkosten ermittelt werden. Im zweiten Schritt müssen diese Zielkosten auf die einzelnen Bestandteile des Produkts heruntergebrochen werden; die Kosten werden retrograd ermittelt.

Das Target Costing wurde zuerst bei Toyota in den 1960er Jahren entwickelt und hat sich vor allem in den 1990er Jahren in anderen Ländern und Branchen weit verbreitet. Im deutschen Sprachraum wird es auch als Zielkostenrechnung bezeichnet.

Warum ist Zielkostenrechnung oder Target Costing wichtig?

Die klassische Methode der Kostenrechnung und Preisbestimmung über einfache Addition und Zuschlagskalkulation vernachlässigt die Gegebenheiten und Anforderungen des Marktes an das jeweilige Produkt. So kann es in wettbewerbsintensiven Märkten mit hohem Preisdruck und Kostendruck dazu kommen, dass der ursprünglich über die Kosten berechnete Preis zulasten der Gewinnspanne reduziert werden muss, damit das Produkt am Markt noch erfolgreich verkauft werden kann.

Um dieser Problematik aus dem Wege zu gehen, wird im Target Costing auf der Basis von Marktforschungsdaten und Kundenanalysen von einem am Markt realisierbaren Preis ausgegangen. Daraus werden die zulässigen Kosten, die Allowable Costs, für ein Produkt abgeleitet. Mit dem Target Costing wird so eine konsequent marktorientierte Sichtweise der Kostenrechnung erzielt. Das führt in den Unternehmen zu einer strengen Kostenorientierung. Sie hilft, Einsparpotenziale und Optimierungsmöglichkeiten zu erkennen und auszuschöpfen.

Alle an der Wertschöpfungskette beteiligten Unternehmensbereiche richten sich an den vorgegebenen Zielkosten aus. So werden die Markteinflüsse schon in der Planungs- und Entwicklungsphase eines Produktes und zudem in den nachfolgenden Phasen der Konstruktion und Produktion berücksichtigt. Darüber hinaus können auch Lieferanten in dieses System der marktorientierten Kostenrechnung eingebunden werden. Dazu macht das Unternehmen feste Vorgaben zu den zulässigen Kosten.

Ziele des Target Costing

Mit der Zielkostenrechnung und Target Costing sollen folgende Ziele erreicht werden:

  • eine umfassende Marktorientierung des Unternehmens gewährleisten,
  • den Absatz der Produkte durch marktgerechte Preise sichern,
  • Kosten für die Produkte reduzieren und
  • flexibel auf Marktveränderungen reagieren.

Mit Target Costing erzielen Sie die größten Effekte bei der Entwicklung neuer Produkte. Denn in dieser Phase sind der Leistungserstellungsprozess und somit die Kosten noch nicht festgelegt, der Handlungsspielraum ist also sehr groß. Darüber hinaus kann Target Costing bei der Optimierung bestehender Produkte aufzeigen, wo Stellhebel für Kosteneinsparungen sind.

Tipp: Mit der Wertanalyse Verbesserungspotenziale nutzen

Die Zielkostenrechnung gibt vor, was ein Produkt und seine Bauteile kosten dürfen. Um diese Preis- und Kostenvorgaben auch zu erreichen, müssen Sie wissen, was Sie ändern und verbessern können. Im Handbuch-Kapitel zur Wertanalyse sind zahlreiche Methoden, Werkzeuge, Vorlagen und ein Beispiel beschrieben, mit deren Hilfe Sie genau dies bewerkstelligen.

So funktioniert Target Costing

Beim Target Costing geht es darum, aus der Situation am Markt und aus den Kundenanforderungen die erlaubten Kosten für einzelne Produktbauteile herzuleiten. Dies ist ein Prozess, der in drei Phasen abläuft:

1. Zielkostenbestimmung

Durch Marktanalysen und Befragungen der Zielgruppen und Kunden werden die sogenannten Target Costs ermittelt.

2. Zielkostenspaltung

Diese Zielkosten für das gesamte Produkt und Angebot werden aufgespalten und auf die einzelnen Produktbauteile oder Produktkomponenten aufgeteilt; diese erhalten damit ebenfalls eine Vorgabe zu den erlaubten Kosten.

3. Zielkostenrealisierung

Schließlich müssen die Produktbauteile und Komponenten so überarbeitet, geändert oder entwickelt werden, dass damit die Zielkosten nicht überschritten, sondern die Vorgaben eingehalten werden.

Abbildung 1 zeigt den Prozess zur Bestimmung der Zielkosten (Target Costs) in der Übersicht.

Abbildung 1: Prozess Zielkostenrechnung und Target Costing

Wenn im Wettstreit mit Konkurrenten um die Kunden über Marktforschung der akzeptierte und erfolgversprechende Target Price gefunden ist, dann wird davon der gewünschte Gewinn (Target Profit) abgezogen. Das Ergebnis entspricht den erlaubten Kosten für das Produkt (Allowable Costs). Dem stehen die tatsächlichen Kosten gegenüber, wie sie für die Vergangenheit ermittelt oder (für neue Produkte) für die Zukunft prognostiziert werden (Drifting Costs).

Vor dem Hintergrund der technischen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten wird dann geprüft, welche Produktbauteile und Produktkomponenten wie verändert oder entwickelt werden können, sodass insgesamt ein wettbewerbsfähiger Produktpreis für ein Produkt herauskommt – mit den vom Kunden gewünschten Merkmalen und Funktionen. Diese Berechnung der Target Costs zeigt Abbildung 2.

Abbildung 2: Schema zur Berechnung der Target Costs und erlaubten Zielkosten (für das Produkt)

Tipp: Zielpreis durch Marktforschung finden

Im Handbuch-Kapitel zur Marktanalyse lesen Sie, wie Sie Schritt für Schritt eine Marktanalyse durchführen und Marktforschung betreiben. Dabei werden unter anderem auch akzeptable und konkurrenzfähige Produktpreise ermittelt.

Eine spezielle Methode, um die Zahlungsbereitschaft von Kunden zu analysieren, ist die sogenannte Conjoint-Analyse. Im Handbuch-Kapitel zur Conjoint-Analyse ist diese im Detail und an einem Beispiel erklärt.

Drifting Costs eingrenzen und Allowable Costs erreichen

Viele Unternehmen stellen fest, dass die Drifting Costs deutlich höher sind als die Allowable Costs. Sie müssen die Kosten senken, ohne das Produkt „schlechter zu machen“ – aus Sicht der Kunden. Gleichzeitig können sie nur dann Kosten reduzieren, wenn technische und organisatorische Bedingungen dies zulassen – oder wenn sie durch kreative und innovative Maßnahmen andere Konstruktions- und Herstellprinzipien finden, die deutlich geringere Kosten mit sich bringen. Unternehmen verfolgen dazu folgende Strategien:

Market into Company

Die Zielkosten für das Produkt werden aus den Marktgegebenheiten abgeleitet und sind strenge Vorgabe, die Produktentwicklung und Herstellung einhalten müssen. Diese Strategie ist dann notwendig, wenn starker Wettbewerb herrscht und nur die Unternehmen Kunden finden, die den besten Preis anbieten.

Out of Company

Die Zielkosten ergeben sich im Wesentlichen aus den Plankosten, wie sie bei der klassischen Zuschlagskalkulation berechnet werden. Das Unternehmen setzt die Kosten an, die es mit seinen technischen und organisatorischen Bedingungen und Möglichkeiten erreichen kann.

Into and Out of Company

Diese Strategie ist eine Kombination aus Market into Company und Out of Company. Das Unternehmen versucht, einen Mittelweg zu finden, der vom Markt (noch) akzeptiert wird.

Out of Competitor

Diese Methode leitet die Zielkosten aus denen der Konkurrenz ab, zum Beispiel durch Benchmarking. Das Unternehmen will mit seinem Preis einfach nur der günstigste oder preiswerteste im Markt sein.

Out of Standard Costs

Mit dieser Strategie werden die Zielkosten auf Grundlage der Standard- oder Ist-Kosten bisheriger Produkte festgelegt.

Out of Value Chain

Mit dieser Strategie werden die Standard-Kosten entlang der inner- und überbetrieblichen Wertschöpfungskette betrachtet und mithilfe der Prozesskostenrechnung ermittelt. Dann werden (meist größere) Potenziale zur Kostenreduktion sichtbar und genutzt.

In der Praxis wird oft eine „gemischte Strategie“ verfolgt. Deshalb liegen die am Ende formulierten Kostenvorgaben für das Produkt, die Target Costs, über den aus der Marktanalyse ermittelten Allowable Costs – aber eben möglichst wenig.

Praxis

Klären Sie zunächst, wie Sie die Verkaufspreise oder Listenpreise Ihrer Produkte sowie den Spielraum für Rabatte für Preisverhandlungen im Unternehmen berechnen.

  • Inwiefern berechnen Sie diese aus den Einzel- und Gemeinkosten für Material, Teile und Baugruppen sowie für die Prozesse in Ihrem Unternehmen?
  • Wie hoch ist der Gewinnzuschlag?
  • Wodurch ist dieser begründet?

Prüfen Sie dann im zweiten Schritt für die von Ihnen ausgewählten Produkte:

  • Inwiefern ist Ihr Produkt preislich konkurrenzfähig?
  • Halten Sie Ihre Produkte im Vergleich zum direkten Wettbewerb für zu teuer? Wenn ja, warum?
  • Wie hoch ist die Zahlungsbereitschaft Ihrer Kunden?
  • In welchem Bereich ist Ihr Produkt für Kunden (und potenzielle Kunden) preislich attraktiv?

Betrachten Sie dann Ihre Produkte im Detail:

  • Wie setzen sich die Kosten für diese Produkte zusammen?
  • Was genau macht die Produkte (zu) teuer?

Für eine erste Kostenanalyse können Sie die folgenden Excel-Vorlagen nutzen.

In den folgenden Abschnitten dieses Handbuch-Kapitels erfahren Sie, wie die Zielkostenrechnung und das Target Costing in den drei Phasen abläuft. Sie erkennen, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen, um die Kundenanforderungen zu ermitteln, um die Produktkomponenten zu bestimmen und für diese die Kostenstruktur zu analysieren. Maßgeblich ist der Prozess zur Zielkostenrechnung und zum Target Costing, wie er in den folgenden Vorlagen dargestellt ist.

Sie können dann die Produkte und Bauteile identifizieren, deren aktuelle Ist-Kosten über den Zielkosten liegen, mit denen Sie am Markt erfolgreich wären.