Arabische UmgangsformenVerhaltensregeln für arabische Länder

Mitarbeiter oder Geschäftspartner, die in der arabischen Welt unterwegs sind, sollten die wichtigsten Umgangsformen und Gepflogenheiten kennen.

In arabischen Ländern fällt es Mitarbeitern oder Geschäftspartnern aus Westeuropa oft nicht leicht, sich den dortigen Sitten und Gebräuchen entsprechend zu verhalten. Dies gilt gerade bei der Begrüßung oder bei privaten Einladungen.

Begrüßung von vertrauten Personen

In arabischen Ländern erkundigt man sich bei der Begrüßung von Vertrauten und Bekannten zunächst nach dem Wohlbefinden seines Gegenübers sowie nach dem seiner Familie. Es handelt sich dabei um ein wortreiches Frage- und Antwortspiel, das uns ständig unter Termindruck stehende Westeuropäer schnell auf eine Geduldsprobe stellen kann. Diese Prozedur der Begrüßung wird selbst nach einer nur kurzen Abwesenheit einer Person erneut durchgeführt.

Bedenken Sie: In arabischen Ländern kann es als unhöflich gelten, sich nach dem Wohlergehen des Ehepartners – besonders der Ehefrau – zu erkundigen. Fragen Sie stattdessen lieber allgemein nach dem Wohlergehen der Familie.

Begrüßung von noch nicht vertrauten Personen

Sollte noch keine persönliche Beziehung zu Ihrem arabischen Gesprächspartner existieren, antworten Sie auf die Frage „Wie geht's?“ oft nur mit „Danke, gut.“ Machen Sie an dieser Stelle nicht den Fehler und erzählen Sie Ihre ganze Lebensgeschichte. Erst nachdem man Vertrauen zueinander aufgebaut hat, wird in arabischen Ländern tiefgehend über persönliche Angelegenheiten gesprochen.

Begrüßung unter Männern

Männer begrüßen sich mit einem leichten Händedruck und Blickkontakt. Der in Deutschland übliche feste Händedruck wird in arabischen Ländern meist als unangenehm empfunden. Wenn Ihr Gegenüber seine „Hand aufs Herz“ legt, möchte er Ihnen Wohlwollen und Herzlichkeit zeigen.

Begrüßung in der Hierarchie und älterer Personen

Hierarchisch übergeordneten Personen und älteren Menschen begegnet man in arabischen Ländern mit besonderem Respekt und Achtung. Ein Zeichen dafür ist das Küssen der Stirn oder Kopfbedeckung sowie des Handrückens. Im beruflichen Kontext sollte dies allerdings unterbleiben.

Begrüßung mehrerer Personen

Betreten Sie einen Raum, in dem sich mehrere Personen aufhalten, begrüßen Sie zuerst den Gastgeber, danach den Ältesten und zum Schluss alle anderen Anwesenden. Sollten Sie den Gästen vom Herrn des Hauses vorgestellt werden, übernimmt er die Reihenfolge der Begrüßung. Gewöhnlich werden alle Anwesenden (außer dem Personal) begrüßt.

Im Maghreb und dem Nahen Osten ist die Begrüßung relativ unkompliziert. In den konservativen Golfstaaten hingegen, vor allem in Saudi-Arabien, ist der Begrüßungsakt meist deutlich formeller. Hier muss der Status der Repräsentanten gemäß ihrer Hierarchie berücksichtigt werden.

Wie Männer Frauen begrüßen

Männer begrüßen Frauen eigentlich nicht mit Handschlag. In jedem Fall sollte das übliche Distanzverhalten zum anderen Geschlecht respektiert werden. Als nichtmuslimischer Geschäftsmann sollten Sie stets abwarten, ob Ihnen die arabische Dame die Hand reicht. Falls ja, sollte ein leichter Händedruck erfolgen. Sollte sie Ihnen die Hand nicht reichen, nicken Sie leicht mit dem Kopf. Meiden Sie dabei aber unbedingt einen intensiven Blickkontakt, denn dies wird meist als anstößig empfunden.

Wie Frauen Männer begrüßen

Wenn Sie als nichtmuslimische Geschäftsfrau in der arabischen Welt tätig sind, sollten Sie zunächst abwarten, wie sich Ihr Geschäftspartner verhält. Vermeiden Sie aber generell direkten Körperkontakt beziehungsweise Umarmungen mit Männern!

Reicht man Ihnen die Hand, erfolgt ein kurzes Händeschütteln. In Ländern hingegen, die stark religiös-konservativ geprägt sind, wird auch der Händedruck mit Personen des anderen Geschlechts gemieden, da dieser ebenfalls als unsittsam gilt. Auch hier reichen ein kurzer Blickkontakt und höfliches Kopfnicken.

Bei der Begrüßung von Frauen untereinander ist weniger Zurückhaltung gefragt. Auch sie begrüßen sich untereinander mit Handschlag. Trotzdem empfiehlt sich auch hier die Regel: Eher reagieren als agieren.

Blumen als Gastgeschenk

In einigen arabischen Regionen ist das Schenken von Blumen in Mode gekommen. Diese sollten allerdings aufwendig dekorierte Gestecke sein, also kein kleiner Blumenstrauß. Blumen eignen sich in der arabischen Welt als Präsent bei einer Geburt, einer Hochzeit oder einem Krankenhausbesuch.

Gastgeschenke bei privaten Einladungen

Bei privaten Einladungen in die Wohnung des Gastgebers sollten Sie keine Blumen verschenken, sondern traditionelle Geschenke. Geeignet sind Süßigkeiten – auch für Männer – Bildbände oder Kalender aus Ihrer Heimat oder etwas Dekoratives für die Wohnung.

Wenn die Familie des Gastgebers Kinder hat, dann sollten Sie an ein kleines Mitbringsel für den Nachwuchs denken. Alkohol sollten Sie auf keinen Fall verschenken, da die meisten Araber aus religiösen Gründen keinen Alkohol trinken.

Gastgeschenke mit persönlichem Bezug

Bei vielen Arabern sind solche Geschenke besonders beliebt, zu denen Sie einen persönlichen Bezug haben. Schenken Sie zum Beispiel, je nach Heimatregion und Jahreszeit, Nürnberger Lebkuchen, Dresdner Stollen oder Meißner Porzellan. Es kommt nicht so sehr auf den Preis an; entscheidend ist der persönliche Bezug. Wichtig ist auch eine edle Verpackung des Präsents.

Denken Sie bei der Auswahl Ihres Gastgeschenks immer an das Prinzip der Gegenseitigkeit! Ihr arabischer Geschäftspartner wird sich normalerweise dazu verpflichtet fühlen, Ihnen etwas zu schenken, was dem Wert Ihres Gastgeschenkes entspricht.

Öffnen von Gastgeschenken

Wenn man sich nicht überschwänglich bei Ihnen bedankt und das Präsent nicht sofort auspackt, ist das kein Zeichen von Unhöflichkeit. Dahinter steckt vielmehr die Einstellung, nicht gierig wirken beziehungsweise nicht den Eindruck vermitteln zu wollen, man habe Sie wegen der Geschenke eingeladen.

In der Regel wird das Geschenk erst dann ausgepackt, wenn Sie nicht mehr anwesend sind. So kann ein Gesichtsverlust vermieden werden, sollte das Präsent den Geschmack des Beschenkten nicht ganz treffen.

Umgangsformen bei Tisch

Hände waschen

Vor und nach dem Essen wäscht man sich die Hände. Diese Reinigung ist in vielen arabischen Ländern sehr wichtig und gehört zum rituellen Festmahl.

Gebrauch der linken Hand vermeiden

Die linke Hand gilt im arabischen Raum als unrein, da man sie für die Toilettenhygiene gebraucht. Essen Sie deshalb niemals mit der linken Hand oder übergeben Sie Dinge mit links. Sollten Sie Linkshänder sein, können Sie einer Vertrauensperson sagen, dass die linke Hand Ihre „reine“ Hand ist.

Mit drei Fingern essen

Gewöhnlich isst man im arabischen Ländern mit nur drei Fingern. Ein maghrebinisches Sprichwort besagt beispielsweise: „Der Teufel isst mit einem Finger und nur der Gierige mit vier oder fünf Fingern.“

Auf die Haltung beim Sitzen achten

Beim Sitzen sollten Sie darauf achten, dass Sie Ihrem Gastgeber nicht die Fußsohle entgegenstrecken. Dies kann eine grobe Beleidigung darstellen, schließlich läuft man mit den Füßen im Dreck.

In die linke Hand niesen

Beim Niesen sollten Sie stets von der linken Hand Gebrauch machen, da die Rechte Ihre „reine“ Hand ist.

Sich nach dem Essen rasch verabschieden

Nach dem Ende des Essens zieht man sich als höflicher Gast normalerweise schnell zurück. Ein mehrmaliges Auffordern des Gastgebers, dass Sie doch noch bleiben können, ist meist nur Teil des arabischen Gastgeberrituals und weniger der tatsächliche Wunsch nach Ihrer weiteren Anwesenheit.

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