Kollege nervtTipps für den Umgang mit schwierigen Kollegen

Wir können uns nicht immer aussuchen, mit wem wir zusammenarbeiten. Aber wir können unsere Einstellung und unser Verhalten darauf einstellen und lernen, mit schwierigen Menschen klarzukommen.

„Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt' s nicht.“ Die Maxime für den Umgang mit schwierigen Kollegen, Kolleginnen oder Vorgesetzten im Berufsleben kann in Anlehnung an Konrad Adenauer lauten: Akzeptieren Sie, was Sie nicht ändern können, und steuern Sie mit Ihrem eigenen Verhalten das, was Sie ändern können. Unkollegiales Verhalten lässt sich gar nicht oder nur sehr schwer ändern. Deshalb kommt es auf die eigene Einstellung dazu an.

Tipps für den Umgang mit schwierigen Kollegen

Wer vom Verhalten eines Kollegen oder Vorgesetzten genervt ist, sollte dennoch an einer guten und produktiven Arbeitsbeziehung arbeiten. Das gelingt mit den folgenden sechs Tipps, um mit unkollegialen und nervigen Menschen umzugehen:

  • Ärgern Sie sich nicht über Charaktereigenschaften Ihres Kollegen oder Ihrer Vorgesetzten, die Sie ohnehin nicht ändern können. Für die Arbeitsbeziehung ist das Verhalten dieser Person Ihnen gegenüber entscheidend. Hinterfragen Sie in diesem Zusammenhang Ihre Wahrnehmung und eventuelle Vorurteile. Vielleicht ist die Zusammenarbeit gut, aber die Person an sich nervt Sie.
  • Interessieren Sie sich für Ihren schwierigen Kollegen oder Vorgesetzten. Mit Smalltalk lernen Sie ihn besser kennen und können ihn dann möglicherweise besser verstehen. Vielleicht finden Sie sogar Gemeinsamkeiten, die Ihre Zusammenarbeit bereichert.
  • Wenn Ihre bisherigen Versuche wirkungslos waren: Sagen Sie sachlich unter vier Augen oder in Anwesenheit eines neutralen Moderators, was genau Sie am Verhalten der anderen Person stört. Und was Sie sich für Ihre Zusammenarbeit wünschen.
  • Schaffen Sie bei einer eingefahrenen Situation eine emotionale Distanz zu Ihren Gedanken und zum Problem. Wenn möglich, nehmen Sie auch räumlich Abstand von der betreffenden Person.
  • Reagieren Sie stets sachlich und respektvoll, damit Sie die Situation nicht weiter verschärfen.
  • Vorsicht: Werden Sie Ihren Frust nicht durch Lästern in Ihrem beruflichen Umfeld los. Das ist tabu! Denn es kann negativ auf Sie selbst zurückfallen. Wenn es Ihnen hilft, dann wenden Sie sich stattdessen an eine Person aus Ihrem privaten Umfeld.

Selbstkritisch sein

Unkollegiales Verhalten zeigt sich in besserwisserischem Gehabe, sinnlosen Streitigkeiten, ständigen Konfrontationen, cholerischen Ausrastern oder Gemeinheiten. Ein schlechtes Verhältnis zu Kollegen oder zur Chefin lenkt ab, demotiviert und beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit. Frust, Schlafprobleme oder sogar Krankheit können Folgen einer solchen Beziehung sein.

Persönliche Unterschiede, Neid und negative Gefühle können Gründe dafür sein, dass Sie Ihren Kollegen, Kolleginnen oder Vorgesetzte falsch wahrnehmen und ihnen gegenüber voreingenommen sind. Eventuell ist die andere Person gar nicht so unausstehlich, wie Sie sie wahrnehmen. Fragen Sie sich deshalb:

  • Was genau am Kollegen oder an der Chefin nervt mich?
  • Sind meine Kollegin oder mein Vorgesetzter und ich zu unterschiedliche Charaktere?
  • Erinnert mich mein Kollege oder meine Chefin an eine Person, mit der ich keine guten Erfahrungen gemacht habe?
  • Bin ich neidisch auf die Position des oder der anderen?

Strategie: Hinterfragen Sie Ihre Wahrnehmung

Machen Sie sich bewusst, dass es Charaktereigenschaften der anderen Person sein können, worüber Sie sich ärgern. Diese können und sollen Sie nicht ändern. Fragen Sie sich für eine gute Arbeitsbeziehung vielmehr: Wie verhält sich die Person Ihnen gegenüber? Ein Teil des Konflikts kann an Ihrer Wahrnehmung oder Ihren Vorurteilen liegen.

Den „Feind“ besser kennenlernen

Wer mehr über den unausstehlichen Kollegen weiß, kann dessen Verhalten besser verstehen. Sie können so neue Seiten an ihm kennenlernen und ihn dann mit anderen Augen betrachten. Vielleicht erfahren Sie die Gründe für sein Verhalten, machen positive Erfahrungen oder finden Gemeinsamkeiten, die Ihre Zusammenarbeit bereichern oder zumindest entspannen.

Strategie: Führen Sie Smalltalk

Versuchen Sie, Ihren schwierigen Kollegen oder Vorgesetzten besser und vor allem „neu“ kennenzulernen. Nutzen Sie Situationen wie das Warten in der Cafeteria oder am Drucker zum Smalltalk. So zeigen Interesse am anderen – und erfahren Sie mehr über diesen Menschen. Aus Ihrem „Feind“ wird ein Gesprächspartner.

Doch Vorsicht bei denjenigen, die jegliche Regeln von Sitte und Moral verletzen. Die zum Beispiel etwas bewusst vortäuschen oder andere betrügen. Dann ist Abstand die bessere Lösung. Vermeiden Sie den Kontakt. Lassen Sie sich mit dieser Person möglichst nicht auf eine direkte Zusammenarbeit ein.

Klärendes Gespräch führen

Wenn Ihre bisherigen Versuche wirkungslos waren, kann ein klärendes Gespräch die Wogen glätten. Die andere Person kann sogar von so einem Gespräch profitieren. Denn sie weiß möglicherweise nicht, wie sie auf andere wirkt. Kommt es zum Gespräch, sind Vorwürfe und Anweisungen deplatziert. Das Gespräch muss sachlich und konstruktiv sein. Sprechen Sie über Verhaltensweisen, die die gemeinsame Arbeit beeinflussen und die die andere Person ändern kann.

Überlegen Sie gut, wie Sie Ihr Feedback vermitteln. Kritik zur falschen Zeit, im falschen Ton und vor anderen kann Beziehungen für immer zerstören. Bedenken Sie auch, dass die andere Person vielleicht kein Feedback will oder für Ihre Rückmeldung gar nicht empfänglich ist. Fragen Sie deshalb, ob ein entsprechendes Gespräch möglich ist, und sagen Sie dabei, dass es für Sie wichtig ist.

Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie einen neutralen Dritten einbeziehen, der im Gespräch moderiert. Legen Sie gemeinsame Spielregeln fest, an die sich alle halten müssen. Gerade der formale Rahmen stabilisiert die Beziehung. Für Vorgesetzte gilt: Fördern Sie, dass alle Konfliktparteien in den Prozess der Konfliktlösung einsteigen.

Strategie: Sprechen Sie Ihr Problem an

Legen Sie Ihre Position in einem klärenden Gespräch unter vier Augen offen. Sagen Sie, was Sie stört und welche Veränderung Sie sich wünschen – so konkret wie möglich. Drücken Sie auch Ihre Gefühle aus. Sagen Sie in Ich-Botschaften, was Sie bewegt, warum Sie das Verhalten des anderen stört und was das für Sie bedeutet. Zum Beispiel:

  • „Ich fühle mich durch dieses Verhalten angegriffen.“
  • „Ich fühle mich sehr unsicher, wenn ... passiert.“
  • „Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll, wenn ...“
  • „Ich wünsche mir ...“
  • „Ich erwarte von einer guten Zusammenarbeit, dass ...“

Wenn Sie das Gefühl haben, die Situation könnte gleich eskalieren, brechen Sie das Gespräch ab, nachdem der andere gesprochen hat: „Das wollte ich einfach mal sagen. Belassen wir es dabei.“

Abstand gewinnen

Wenn Sie sich in einer eingefahren Situation befinden und meinen, nichts ändern zu können, versuchen Sie, auf emotionale Distanz zu gehen. Das heißt: Das Verhalten des anderen so gut wie möglich ignorieren und gezielt an einer „Egal-Einstellung“ arbeiten. Auf diese Art ärgern Sie sich weniger. Denn das, worüber Sie sich ärgern, nimmt keine so große Bedeutung mehr in Ihrem Leben ein. Für Vorgesetzte gilt: Schaffen Sie Möglichkeiten, durch die sich die Konfliktparteien aus dem Weg gehen können.

Strategie: Gehen Sie auf emotionale Distanz

Wer seine Kollegen, Kolleginnen oder Vorgesetzten akzeptieren lernt und sich eher auf die Menschen im Freundes- oder Familienkreis besinnt, erträgt ärgerliche Situationen leichter. Wenn Sie Ihrem schwierigen Kollegen distanziert gegenübertreten, behandeln Sie ihn respektvoll – auch wenn Sie meinen, dass er das nicht verdient hat. Respekt und Wertschätzung sind Investitionen, mit denen Sie die Grundlage für eine gute, zumindest erträgliche Beziehung schaffen.

Die eigenen Gefühle steuern

Wer mit jemandem zusammenarbeitet, den er nicht ausstehen kann, hinterfragt oft das Verhalten der anderen Person: „Warum macht sie das?“ oder „Wie meint sie das nur?“ – und gibt sich selbst die Antwort für ihre Verhaltensweisen. Jeder reagiert dann anders: Der eine fühlt sich in der Umgebung des anderen unwohl, hat vielleicht ein flaues Gefühl am Abend, wenn er an den nächsten Arbeitstag denkt. Ein anderer zeigt offen seine Abneigung.

Andere zu hinterfragen ist nicht zielführend. Möglicherweise sind unbekannte private Probleme wie eine gerade durchlebte Trennung oder eine schlechte finanzielle Situation der Grund für das wenig kollegiale Verhalten. Ein durchs Hinterfragen hervorgerufenes schlechtes Gefühl oder ein Ausraster am Arbeitsplatz wirken nur negativ auf Sie selbst zurück.

Strategie: Atmen Sie durch, bevor Sie reagieren

Lassen Sie sich durch eine Antwort oder eine Reaktion der anderen Person nicht provozieren. Nehmen Sie stattdessen eine Bedenkzeit und reagieren Sie sachlich. Wenn Sie das Gefühl haben, angegriffen worden zu sein oder wenn Sie sich innerlich aufregen, dann atmen Sie erst einmal durch. In einer unerwarteten Konfliktsituation legen Stresshormone das Gehirn lahm und das Unterbewusstsein reagiert, ohne dass Sie dies direkt steuern können. Eine unbedachte Reaktion kann die Situation dann verschärfen.

Nicht lästern

Das Verhalten des nervtötenden Kollegen oder der cholerischen Projektleiterin ist ein beliebtes Gesprächsthema. Zum einen, weil der Frust ein Ventil braucht. Zum anderen, weil die eigene Meinung über die andere Person bestätigt werden will. Wer aber am Arbeitsplatz über andere herzieht und sich wiederholt beschwert, kann schnell selbst als schwierige Person abgestempelt werden. Außerdem wird ein solches Verhalten als unprofessionell wahrgenommen. Nicht zuletzt stört es das Betriebsklima. Sollte ein abfälliger Kommentar zufällig an den falschen Empfänger gelangen, gerät man schnell selbst in die Schusslinie der Kolleginnen und Kollegen.

Strategie: Sprechen Sie mit Vertrauten

Werden Sie Ihren Frust los, indem Sie das Gespräch mit einem Menschen aus Ihrem privaten Umfeld suchen. Am Arbeitsplatz ist das tabu, weil es sich negativ auf die eigene Person und die Karriere auswirken kann.

Antipathien schaukeln sich einerseits schnell zu Konflikten hoch. Andererseits sind Auseinandersetzungen, Neid und Konkurrenzsituationen zwischen Kollegen nicht per se negativ. Zum Beispiel können Mitarbeitende aus dem unangemessenen Verhalten des Vorgesetzten lernen: Man reflektiert das Verhalten der Führungskraft und weiß, was man in einer Führungssituation anders machen würde. Damit kann der Konflikt zwischen Vorgesetzten und den Mitarbeitenden auf die eigene Rolle als Führungskraft vorbereiten – im Sinne von: Bin ich heute so, wie mein früherer Chef zu mir war?

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