KurzarbeitWas passiert mit den Auszubildenden?

Immer mehr Unternehmen melden Kurzarbeit an. Nicht nur die Großen, sondern auch immer mehr mittelständische Betriebe. Ein Großteil dieser Unternehmen hat Auszubildende, die sich Fragen stellen wie: Was ist Kurzarbeit und wer kann sie anordnen? Kann nun auch für Auszubildende Kurzarbeit angeordnet werden? Was muss bei der Ausbildungsvergütung beachtet werden und was muss ich zum Thema Kündigung wissen?

Kurzarbeit ist eine Möglichkeit, um aufgrund von Auftragsrückgang und den darauf folgenden Arbeitsausfall eine vorübergehende Verkürzung der betriebsüblichen normalen Arbeitszeit den Arbeitsausfall zu überbrücken. Dies ist mit einer Reduzierung des Arbeitsentgelts verbunden.

Ein wirtschaftlicher Engpass, durch kurzzeitig auftretende Rückläufe des Auftragsbestandes, ist oft mit einem Liquiditätsengpass verbunden. Kurzarbeit kommt hier in Betracht, um eine kurzfristige Personalkostensenkung zu erreichen. Somit können kurzfristig finanzielle Engpässe überwunden werden.

Alternativen überprüfen

Vorher sollten aber andere Entscheidungsalternativen überprüft werden. Diese sind:

  • Versetzungen,
  • Abbau von Leiharbeit,
  • Abbau von Arbeitszeitguthaben oder
  • das Vorziehen von anderen Arbeiten.

Kurzarbeit bietet auch die Möglichkeit, die eigenen Strukturen des Betriebs zu überprüfen, um sich mittelfristig neu aufzustellen.

Die Kurzarbeit kann entweder eine anteilige Reduzierung der Arbeitszeit sein oder eine vorübergehende vollständige Einstellung der Arbeit, was „Kurzarbeit null“ genannt wird.

Kurzarbeit muss sich nicht auf den ganzen Betrieb erstrecken. Auch für einzelne Betriebsteile, wenn diese organisatorisch abgrenzbar sind, kann Kurzarbeit angeordnet werden.

Kurzarbeit - ja oder nein?

Die Entscheidung über die Einführung von Kurzarbeit obliegt nicht allein dem Direktionsrecht des Arbeitgebers. Dies bedarf immer einer besonderen Rechtsgrundlage, die in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen festgehalten sein kann. Ansonsten müssen die individuellen Arbeitsverträge mit dem Einverständnis des jeweiligen Arbeitsnehmers geändert werden, um eine vorübergehende Reduzierung der Arbeitszeit zu erreichen. Eine letzte Alternative wäre das Prozedere einer Änderungskündigung.

Die Entscheidung, ob Kurzarbeit eingeführt wird, liegt aber allein beim Arbeitgeber. Ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats liegt aber vor, wenn es darum geht, wie die Kurzarbeit gestaltet wird, wie die tägliche Arbeitszeit verkürzt wird oder wie sich der Wegfall der Arbeit an einzelnen Tagen gestaltet.

Auch Ausbildung ist von Kurzarbeit betroffen

Ein anderes Gebiet ist die Ausbildung. Hier sind besondere Regeln zu beachten. Grundsätzlich sind Auszubildende bei der Frage, ob ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht, außen vor zu lassen. Dennoch ist nicht zu vermeiden, dass die Ausbildung von der Kurzarbeit betroffen wird.

Folgende Handlungsspielräume und Möglichkeiten der betroffenen Betriebe sollen einen Überblick geben, um den Auszubildenden die Situation klarer darzustellen.

Auszubildenden gegenüber kann in der Regel keine Kurzarbeit angeordnet werden. Der Betrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel und Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten. Hier sollte der Betrieb alle Möglichkeiten nutzen und kreativ sein.

Durch das umstellen des Lehrplanes oder durch das Vorziehen anderer Lehrinhalte könnte hier der Zeitrahmen der Ausbildung anders gestaltet werden. Wenn die Möglichkeit besteht, kann eine Versetzung in eine andere Abteilung ohne Kurzarbeit möglich sein oder in die Lehrwerkstatt, wenn eine solche vorhanden ist. Die Durchführung besonderer Ausbildungsveranstaltungen, das heißt, die Vermittlung besonderer Inhalte, die im täglichen Geschäft sonst zu kurz kommen, könnten hier zum Tragen kommen.

Erst wenn alle Handlungsspielräume ausgeschöpft worden sind, kann auch für Auszubildende Kurzarbeit infrage kommen. Dies wird aber sehr genau und restriktiv von der Arbeitsverwaltung überprüft und gehandhabt.

Die Ausbilder sollten auch nur in Ausnahmefällen in Kurzarbeit geschickt werden, denn der Betrieb muss seiner Ausbildungspflicht gegenüber den Auszubildenden nachkommen. Werden Auszubildende nur mangelhaft oder überhaupt nicht ausgebildet, hat der Auszubildende einen Schadensersatzanspruch gegenüber seinem Ausbildungsbetrieb.

Vergütung und Kündigung in der Ausbildung

Um seine Ausbildungsvergütung braucht sich der Auszubildende keine Sorgen zu machen. Die Ausbildungsvergütung ist kein Arbeitslohn, sondern eine finanzielle Hilfe zur Durchführung der Ausbildung. Deshalb ist der Ausbildungsbetrieb auch weiterhin zur Zahlung verpflichtet, wenn Kurzarbeit für den Auszubildenden angeordnet wurde.

Eine Kündigung von Auszubildenden durch Kurzarbeit an sich ist nicht zu rechtfertigen. Hier muss schon eine gravierende wirtschaftliche Schwächung des gesamten Unternehmens vorliegen, in der, der wirtschaftliche Betrieb des Unternehmens für längere Zeit zum Erliegen kommt. Denn dadurch kann die Ausbildungseignung des Betriebes entfallen. Erst in einem solchen Fall ist die Kündigung eines Ausbildungsverhältnisses möglich. In einem solchen Fall hätte der Auszubildende auch keinen Schadensersatzanspruch.

Die betrieblichen Ausbilder und das Unternehmen sind aber mit der zuständigen Arbeitsverwaltung dazu verpflichtet, sich rechtzeitig um andere Ausbildungsbetriebe für die Betroffenen zu bemühen. Auch die zuständigen Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern sind dazu verpflichtet. Die Ausbildungsberater der Kammern können dazu hilfreich sein.

Fazit

Insgesamt ist zu sagen, dass Kurzarbeit ein gutes Instrument sein kann, um kurzfristige Arbeitsausfälle oder finanzielle Engpässe eines Betriebs, zu überbrücken. Verschiedene Maßnahmen dazu sollten überdacht werden und Alternativen geprüft werden. Mittelfristig sollte auch über die betrieblichen Strukturen nachgedacht werden.

Für die Ausbildung kann man sagen, wenn alle Betroffenen, Auszubildende, Ausbilder und Betriebe, in vernünftiger Art und Weise alle Möglichkeiten ausschöpfen, brauchen sich die Auszubildenden im Moment wenig Sorgen um den Bestand ihrer Ausbildung machen.

[Bild: Fotolia.com]

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