SchlagfertigkeitVerbale Angriffe ins Leere laufen lassen

Wer auf verbale Attacken und Provokationen angemessen reagiert, wird allgemein als schlagfertig bezeichnet. Wie reagieren schlagfertige, souveräne Menschen, um ihrem Gegenüber im Gespräch „den Wind aus den Segeln“ zu nehmen? Welche Regeln beachten sie, bewusst oder unbewusst, die auch Sie sich zu eigen machen sollten?

Wie Sie schlagfertig reagieren

Schlagfertig ist, wer in einer Diskussion, im Meeting, während einer Präsentation oder im Bewerbungsgespräch spontan und wendig kontert. Diejenigen, die ihren Standpunkt gegenüber verbalen Angriffen auf diese Art verteidigen, stoppen Verbalattacken, bevor ein Konflikt daraus entsteht. Die Angreifer stehen dann selbst in schlechtem Licht da, während die Verteidiger souverän, selbstsicher und durchsetzungsfähig wirken.

Eine Anleitung fürs Schlagfertigsein gibt es allerdings nicht. Schlagfertigkeit hat mit Veranlagung und Sozialisation zu tun und ist eher schwer erlernbar. Schlagfertigkeit ist aber nicht immer das, wonach es aussieht, also das schnelle sprachliche Reagieren auf unvorhergesehene Situationen. Schlagfertig sein heißt:

Situationsspezifisch entgegnen

Sie wollen zum Beispiel auf eine missglückte Äußerung aus dem Publikum während Ihrer Präsentation reagieren: „Sie haben ja überhaupt keine Ahnung, wovon Sie da reden!“ Denken Sie bei so einem verbalen Angriff an die Situation, in der Sie sich befinden und heben Sie das Gesagte auf dieser Ebene hervor: „Sie denken, die Organisatoren der Veranstaltung haben sich in mir als Speaker getäuscht? Damit muss ich wohl leben.“

Schnell oder spontan reagieren

Killerphrasen wie die folgende begegnen einem im Berufsalltag häufig: „So setzen wir Ihren Vorschlag nicht um. Jede Wette.“ Darauf können Sie mit einer allgemeinen Antwort reagieren, die in vielen Situationen passt: „Okay, Frau Maier möchte sich offensichtlich nicht an der Umsetzung beteiligen. Frau Maier, wir bleiben Freunde, auch wenn ich im Gegensatz zu Ihnen die Weiterentwicklung von … befürworte.“

Humoristisch sein

Wer mit einer witzigen Bemerkung schlagfertig reagiert, erscheint bei Gesprächspartnern häufig sympathisch. Sie können zum Beispiel bei einer Diskussion sagen: „Sie meinten ja, dass … Objektiv betrachtet, kann das nur eins bedeuten: Es ist so, wie ich es sage!“ Solche Sätze können Sie sich im Vorfeld einer Diskussion, Präsentation oder Besprechung überlegen. Oder Sie merken sich schlagfertige Antworten aus Ihrem privaten oder beruflichen Umfeld, bei denen Sie selbst lachen mussten.

Am besten, Sie testen solche Sprüche bei Menschen, denen Sie vertrauen und bei denen Sie sich nach der Wirkung erkundigen können. Üben durch Wiederholen ist wichtig, damit Ihnen der Spruch leichter über die Lippen geht.

Dosiert antworten

Im beruflichen Kontext sollten Sie nicht mit spitzer Zunge formulieren. Das kann Missverständnisse provozieren oder andere bloßstellen. Ihnen wird zum Beispiel wiederholt gesagt, dass Ihr Vorschlag „Mist ist“. Darauf können Sie dosiert antworten: „Ich möchte gerne über die Sache reden, und zwar sachlich. Solche Bemerkungen helfen nicht bei der Lösungsfindung weiter.“

Wie Sie verbale Attacken ins Leere laufen lassen

Aus Psychologie und Gehirnforschung ist bekannt, dass Menschen auf (verbale) Attacken drei mögliche Reaktionen zeigen: Angriff, Flucht oder Schutz. Die meisten setzen eher zum Gegenschlag an, reagieren gereizt oder stellen den Gesprächspartner bloß.

Statt auf diese Weise schlagfertig sein zu wollen, sollten Sie überlegen: Muss ich auf jede verbale Attacke reagieren? Das Sprichwort „Angriff ist die beste Verteidigung“ impliziert auch, dass wir uns durch Gegenangriffe verteidigen sollen – genau darauf wartet aber ein Angreifer.

Hinzu kommt: Der Gesprächspartner muss nicht immer unbedingt der „Gesprächsgegner“ sein. Wir sollten uns bewusst machen, dass es sich nicht immer zwingend um eine Verbalattacke handeln muss. Menschen treten oft auch in Fettnäpfchen und merken es nicht, wenn sie etwas Unpassendes sagen.

Eine Alternative zur Schlagfertigkeit kann also sein, den Angreifer ins Leere laufen zu lassen und nicht zu zeigen, dass man getroffen wurde. Abwarten und Schweigen sind Mittel, die in solchen Situationen deeskalierend wirken. Wenn das mit der passenden Körpersprache untermauert wird – je nach Situation durch verschränkte Arme oder einen langweiligen Blick – kann Schweigen ein effektives Instrument sein, das den Angreifer zunächst irritiert.

Analogien oder Metaphern überlegen

Wer schlagfertig sein möchte, sollten sich passende Sätze zurechtlegen. Der Kommunikationsberater und Rhetorik-Experte René Borbonus etwa weiß, dass Rhetorik ein Führungsinstrument ist. Er schlägt zwei Methoden mit Beispielen für Angegriffene vor, mit denen sie verbal kontern:

Überall, wo gemeine Fragen, unsachliche Kritik oder persönliche Angriffe geäußert werden, sind treffende Analogien oder ausgefallene Metaphern ein hilfreiches Mittel. Wer auch noch seine Schwachstellen kennt, kann sich auf unfaire Bemerkungen vorbereiten und damit souverän und durchsetzungsfähig auftreten. Dafür eignen sich folgende Fragen:

  • Welche Schwachstellen habe ich?
  • Wie kann ich reagieren, wenn diese Schwachstelle gegen mich verwendet wird?
  • Welche Metapher oder welches Gleichnis passt als Erwiderung?
  • Wie lässt sich damit Bezug zum Alltag herstellen?

Beispiele für Schlagfertigkeit durch Verwendung einer Metapher

Beispiel 1

Ein Bewerber, der deutlich länger als die Regelstudienzeit studiert hat, sitzt im Vorstellungsgespräch und wird auf seine Studiendauer angesprochen.

Sachliche Antwort

„Die lange Studienzeit kann sehr wohl gute Qualität hervorbringen. Was lange dauert, muss nicht schlecht sein.“

Schlagfertige Antwort

„Das stimmt. Ich habe etwas länger studiert als die meisten. Aber ich habe die Zeit für Übungen, Seminare und Vorlesungen genutzt und mir so ein fundiertes Wissen angeeignet. Das ist doch wie bei den ägyptischen Pyramiden: Es hat lange gedauert, sie zu erschaffen, dafür stehen sie heute noch.“

Beispiel 2

Ein Psychologe wird mit der Bemerkung konfrontiert, man müssen bei ihm ja immer aufpassen, was man sagt. Er werde bestimmt alles genauestens analysieren.

Sachliche Antwort

„Nur weil ich Psychologin bin, heißt das doch nicht, dass ich permanent Menschen und Aussagen analysiere“.

Schlagfertige Antwort

„Nur weil ich Psychologie studiert habe, heißt das nicht, dass ich permanent Menschen analysiere. Nur weil Sie Pilot sind, sind Sie ja auch nicht mit dem Flugzeug zum Essen erschienen.“

Fazit: Sind Metaphern wohlüberlegt, wirkt derjenige, der sie äußert, souverän und letztlich schlagfertig.

Weitere Techniken für mehr Schlagfertigkeit

Angriff umkehren

Diese Technik wenden Sie relativ einfach bei verbalen Angriffen an, weil Sie den Angriff Ihres Gegenübers nutzen. Doch Vorsicht: Achten Sie auf den Kontext des Gesprächs. Stellen Sie im beruflichen Alltag Ihr Gegenüber nicht vor anderen bloß. Das wirkt nicht nur unprofessionell, es kann auch einen bleibenden, negativen Eindruck bei Ihren Kollegen hinterlassen.

Zum Beispiel: „Wir haben uns schon lange nicht gesehen. Du hast aber zugenommen.“

Antwort: „Das ist ja bestimmt schon zwei Jahre her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben. Ja, ich genieße das Leben in vollen Zügen. Und du hast wohl abgenommen? Geht es dir nicht gut?“

Gegenfrage stellen

Diese Technik können Sie gut üben. Überlegen Sie sich zum Beispiel auf beliebige Fragen in Talkshows je eine Gegenfrage.

Zum Beispiel: „Tolle Präsentation der aktuellen Zahlen. Gibt’s die Präsentation auch in verständlich?“

Antwort: „Tolles Feedback. Gibt’s das auch konstruktiv?“

Dem Angriff bedingt zustimmen

Auch diese Technik wenden Sie recht einfach an. Stimmen Sie Ihrem Gegenüber zunächst bedingt zu und leiten dann zu einem anderen Thema über.

Zum Beispiel: „Wenn du so schaust, siehst du ziemlich unbeholfen aus.“

Ihre Antwort kann dann lauten: „Das kann sein. Dennoch weiß ich immer noch besser als du, von was ich rede.“

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