Wertschätzende KommunikationWie sich das Verhalten von Menschen ändern lässt

Wer wertschätzend kommunizieren will, muss darauf achten, wie er sich selbst gegenüber anderen verhält. Das Verhalten bestimmt, wie Nachrichten beim Gesprächspartner ankommen. Wenn ihre Bedürfnisse erfüllt werden, lässt sich auch deren Verhalten beeinflussen.

Mit der eigenen Verhaltensänderung andere ändern

Aus der Lewin’schen Formel (siehe voriger Abschnitt) und aus der Erkenntnis, dass unser eigenes Verhalten für andere Umwelt ist und damit deren Verhalten beeinflusst, ergibt sich: Jede Veränderung des eigenen Verhaltens hat interdependent – fast zwangsläufig – mehr oder weniger Auswirkungen auf die Umwelt, und zwar sowohl in positiver als auch in negativer Richtung.

Wir können unser Verhalten ändern, und zwar authentisch. Und wir können sogar das Verhalten anderer Menschen ändern, und zwar fast automatisch, nur indem wir uns selbst ändern.

Auch wenn es – vordergründig – gar nicht möglich (und vor allem ethisch nicht zulässig!) ist, seine Mitmenschen zu verändern, besteht dennoch eine reale Chance, andere in ihrem Verhalten zu verändern. Dies gilt sowohl in der Familie als Beispiel der Eltern, aber auch für Führungskräfte. Denn solche Auswirkungen sind besonders effektiv, wenn wir Stärken optimal einsetzen, eigene Schwächen (Übertreibungen von Stärken) reduzieren und uns auf unsere differenz-eignungsspezifischen Prioritäten konzentrieren.

Menschliche Bedürfnisse erkennen und erfüllen

Unser normales Verhalten orientiert sich an den typischen menschlichen Bedürfnissen, die – wie bekannt – sehr unterschiedlich sein können. Die Übersicht in Abbildung 4 zeigt die Bedürfnisse der vier Persönlichkeits-Typen.

© Hardy Wagner – www.business-wissen.de
Abbildung 4: Unterschiedliche Grundbedürfnisse von Menschen

Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse, je nach Persönlichkeits-Struktur!

Indem ich mein Verhalten an eine bestimmte Situation anpasse und ändere, verändere ich dadurch zwangsläufig die Umwelt meiner Mitmenschen und diese verändern dann gegebenenfalls wieder mein Verhalten. Insoweit wird etwas eigentlich – zumindest zunächst – theoretisch Unmögliches praktisch doch möglich!

Gemeinsame Bedürfnisse erkennen

Eine Chance für eine positive wechselseitige Entwicklung bietet das Erkennen, welche gemeinsamen Bedürfnisse – durchaus unterschiedliche – Menschen grundsätzlich (im Hinblick auf ihren Persönlichkeits-Typ haben. Entscheidend wichtig sind die gegenseitige Akzeptanz und eine Sensibilität für die Übertreibung von Stärken.

Dies kann moralischen, ethischen, religiösen Hintergrund haben. Religionen enthalten essenzielle Lebensweisheiten, auch für die Kommunikation. Unter diesem Aspekt gewinnt die „Goldene Regel“ – zentraler Inhalt der Berg-Predigt – besondere Bedeutung: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Sie ist Gebot aller namhaften Welt-Religionen sowie eine allgemeine Lebenserfahrung:

„Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu!“

„Was du von anderen erwartest, das schenke ihnen zuvor!“

Diese Kommunikationsregeln besagen zugleich, dass es für alle Beteiligten günstig ist, sowohl die eigenen Bedürfnisse als auch die Bedürfnisse der anderen wertzuschätzen. Diese Erkenntnis – zugleich Lebensweisheit – gilt auch im Wirtschaftsleben, etwa im Hinblick auf echte Kundenorientierung. Sie ist Bestandteil der Gewaltfreien Kommunikation sowie der „Seven Habits“ von Stephen Covey, der eine internationale Erfolgslehre entwickelt hat.

Covey geht einen Schritt weiter durch Modifikation der Goldenen Regel im Sinne verstärkter Anpassung an die Bedürfnisse der anderen. Diese Anpassung ist bekannt unter dem Begriff „Platin-Regel“:

„Behandele andere so, wie sie behandelt werden möchten.“

In diesem Sinne fordert Covey als besondere Erfolgsregel:

„Zuerst verstehen, dann verstanden werden“.

Er gestand in einem Interview, dass dies für ihn persönlich sehr schwierig sei. Ein engagierter deutscher KMU-Chef, seinerzeit Unternehmer des Jahres, meinte, mit der Platin-Formel konfrontiert: „Ich werde doch nicht einem schwierigen Kunden irgendwohin kriechen!“ Aus diesem Zitat können Sie erkennen, welchem Temperament die Platin-Formel Schwierigkeiten bereitet!

In der Tat gibt es besondere Risiken und Chancen der Kommunikations-Verbesserung zwischen bestimmten „Farb-Typen“.