Konflikte lösenAcht Tipps für den Umgang mit schwierigen Vorgesetzten

Die Beziehung zwischen Chefs und Mitarbeitenden kann verbessert werden, wenn die Kommunikation stimmt. Inwiefern hilft ein sogenanntes Good-Will-Konto dabei? Welche Regeln der Zusammenarbeit müssen aufgestellt werden? Und warum sollten Sie sich mit Kolleginnen und Kollegen zusammenschließen?

Unberechenbar, launisch, herrisch, narzisstisch, cholerisch. Die Liste möglicher Verhaltensmuster von Menschen – und damit auch von Vorgesetzten – ist lang. In der Praxis müssen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Persönlichkeit ihres Chefs oder ihrer Chefin auseinandersetzen. Sie brauchen Strategien für den Umgang damit, um den beruflichen Alltag zu meistern.

Wutausbruch aussitzen

Ist Ihr Vorgesetzter ein Choleriker, der oft Wutanfälle bekommt, ist der Umgang damit gar nicht so schwierig. Bleiben Sie im Falle eines Wutausbruchs stets ruhig und suchen Sie möglichst schnell das Weite. Ziehen Sie sich in Ihr Arbeitszimmer oder an einen ruhigen Ort zurück.

Sie können den Wutanfall Ihres Chefs auch kontern, indem Sie auf eine Aufgabe verweisen, die Sie jetzt gleich erledigen werden. Beispiel: „Gut, ich werde dann jetzt die wichtige E-Mail schreiben, die ich heute noch abschicken muss.“ Mit dieser Strategie beenden Sie die unangenehme Situation. Rationale Argumente führen bei einem cholerischen Wutanfall nicht zum Ziel.

Aufrechte Körperhaltung einnehmen

Bei schlecht gelaunten, angriffslustigen Chefs sollten Sie auf Ihre Körperhaltung achten. Eingesunkene Schultern und ein nach vorne gebeugter Oberkörper suggerieren Unsicherheit und Unterwürfigkeit. Gerade bei cholerischen Chefs macht Sie das zum Ziel von Angriffen.

Nehmen Sie stattdessen eine aufrechte Körperhaltung ein. Stellen Sie sich gerade hin und halten Sie den Kopf hoch. Mit dieser Haltung wirken Sie selbstbewusst und tragen dazu bei, dass sich der eher verunsicherte Choleriker-Chef schneller wieder beruhigt.

Mit Kolleginnen und Kollegen zusammentun

Studien zeigen: Gerade in Chefetagen sind narzisstische Persönlichkeiten häufiger anzutreffen. Diese stellen sich permanent in den Mittelpunkt und neigen dazu, sich und ihre Leistungen zu überschätzen. Narzisstische Führungskräfte brauchen deshalb ein Gegengewicht im Unternehmen, damit ihr Verhalten auf Dauer nicht ins Destruktive umschlägt.

Wenn nicht nur Sie persönlich, sondern auch Ihr Team darunter leiden, können Sie sich zusammentun und um ein gemeinsames Gespräch mit einem Mediator bitten. Dabei kommt es darauf an, nicht nur Ihr eigenes Leiden im Umgang mit Ihrem Chef oder Ihrer Chefin zu betonen, sondern die möglichen negativen Konsequenzen für das Team oder sogar das Unternehmen deutlich zu machen. Das kann sich darauf beziehen, dass Arbeit nicht erledigt wird oder bestimmte längerfristige Ziele nicht erreicht werden.

Distanz bewahren und Angriffe nicht persönlich nehmen

Bei häufig schlecht gelaunten Vorgesetzten sollten Sie nicht alles auf sich beziehen und sich nicht persönlich angegriffen fühlen. Wenn Sie alles persönlich nehmen, werden Sie schnell nur noch ungern und mit einem schlechten Gefühl zur Arbeit gehen.

Bedenken Sie: Wenn andere Menschen schlecht gelaunt sind, liegt das nicht immer an ihrem Gegenüber. Solche Menschen brauchen für den Moment nur ein Ventil, um Dampf abzulassen. Als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter sind Sie aber kein seelischer Mülleimer, das heißt, ein solches Verhalten müssen Sie auf Dauer nicht akzeptieren.

Konstruktives Konfliktgespräch suchen

Suchen Sie in einem ruhigen Moment das Gespräch mit Ihrem Chef oder Ihrer Chefin, wenn er oder sie dieses Verhalten Ihnen gegenüber öfter zeigt. Bleiben Sie dabei aber sachlich und lassen Sie die harten Worte nicht zu nah an sich heran. Versuchen Sie, selbstsicher zu wirken, um Ihrem Vorgesetzten keine Angriffsfläche für einen erneuten Angriff zu bieten. Rechnen Sie im Vorfeld des Gesprächs mit Wutanfällen, können Sie im passenden Moment besser Ruhe bewahren.

Bei Fehlern auf Augenhöhe kommunizieren

Sie haben einen Fehler gemacht und wollen es nun ihrem Vorgesetzten erklären, der in der Regel erst einmal verärgert und wenig verständnisvoll reagiert? Machen Sie sich nicht klein, sondern begegnen sie ihm kommunikativ auf Augenhöhe. Fehler passieren. Stehen Sie zu Ihrem Fehler, erklären Sie diesen selbstbewusst und halten Sie einen Lösungs- oder Verbesserungsvorschlag bereit. Gerade bei Vorgesetzten mit einer geringen Frustrationstoleranz sind Lösungsangebote gut geeignet, die Konfliktsituation zu entschärfen.

Vorgesetzte über die eigene Arbeit informieren

Schwierige Vorgesetzte lassen sich oft beruhigen, wenn Sie diese auf Ihre eigene Arbeit ansprechen. Dafür kann zum Beispiel die Kaffeeküche ein geeigneter Ort sein, wo man sich ungezwungen trifft und Sie, quasi beiläufig, erwähnen, woran Sie gerade arbeiten. Berichten Sie von aktuellen Herausforderungen oder Ergebnissen Ihrer Arbeit und zeigen Sie damit, dass Sie gut organisiert sind.

Gerade wenn Vorgesetzte unsicher sind, ob sie ihre Belegschaft auch im Griff haben – und infolgedessen permanent misstrauen – können Sie durch diese Art der Informationspolitik zeigen, dass Sie nicht tatenlos herumsitzen.

Betriebsrat einschalten

Helfen die erwähnten Strategien nicht, sollten Sie sich entweder an den unmittelbaren Vorgesetzten Ihres Chefs oder Ihrer Chefin wenden – wenn es denn einen gibt. Oder Sie schalten den Betriebsrat ein. Der Betriebsrat kann die Funktion eines Mediators einnehmen, indem er dem Chef oder der Chefin deutlich macht, dass er oder sie mit dem Verhalten das Unternehmen schädigt und der notwendigen Fürsorgepflicht nicht nachkommt.

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