Prioritäten setzenPaarweiser Vergleich für die Prioritätenbildung

Mit dem Paarweisen Vergleich können komplexe Entscheidungsprobleme zerlegt und einfacher gelöst werden. Diese Methode liefert eine Liste der Prioritäten für viele mögliche Lösungen und Entscheidungsalternativen. Die Entscheider vergleichen und bewerten dazu immer genau zwei Möglichkeiten.

Wenn eine Entscheidung schwer fällt

Der Paarweise Vergleich ist eine hilfreiche Methode, um herauszufinden, welche Lösung für eine bewertende Person am wichtigsten, welche am zweitwichtigsten und so weiter ist. Damit können Sie eine Prioritätenliste erstellen. Diese Methode kommt dann zum Einsatz, wenn es viele alternative Lösungen gibt und wenn es der bewertenden Person schwer fällt, „auf Anhieb“ zu sagen, welche der Lösungen für sie die erste Priorität hat. Sie wägt die Vorteile und Nachteile der einzelnen Lösungen ab, kommt aber zu keinem eindeutigen Werturteil. Das Entscheidungsproblem muss deshalb vereinfacht werden.

Um den Paarweisen Vergleich durchzuführen, müssen die möglichen Lösungen ausreichend gut bekannt und beschrieben sein. Alle Merkmale einer Lösung werden dargestellt und die jeweiligen Vorteile und Nachteile kann jeder Urteilende für sich erkennen. Die Lösungen müssen grundsätzlich miteinander vergleichbar sein, sodass eine bewertende Person eine eindeutige Präferenz angeben kann; also nicht „Äpfel mit Birnen vergleichen“.

Vorgehensweise beim Paarweisen Vergleich

Beim Paarweisen Vergleich vergleichen Sie jede einzelne Lösung mit genau einer anderen Lösung und prüfen, welche Ihnen im Zweifelsfall wichtiger ist. Dazu gehen Sie folgendermaßen vor.

  1. Erstellen Sie eine Matrix, in der sowohl in den Zeilen als auch in den Spalten Ihre Lösungen stichwortartig genannt sind.
  2. Vergleichen Sie nun genau eine Lösung (zum Beispiel Lösung A) mit einer anderen (Lösung B) und halten Sie fest, welche von den beiden Lösungen für Sie wichtiger ist.
  3. Tragen Sie diese Auswahl in das Matrixfeld ein mit der Zeile für Lösung A und der Spalte für Lösung B.
  4. Füllen Sie so Ihre Matrix, indem Sie Lösung A (Zeile) vergleichen mit Lösung C, D, ... (Spalte); anschließend Lösung B (Zeile) mit Lösung C, D, ... (Spalte). Sie müssen nur die obere rechte Hälfte der Matrix ausfüllen. Die untere linke Hälfte ergibt sich automatisch durch die jeweils entgegengesetzte Bewertung.
  5. Dann zählen Sie, wie oft Sie eine Lösung präferiert haben. Dazu zählen Sie die Nennungen für jede Lösung. Die Lösung mit der höchsten Zahl an Nennungen ist die wichtigste. Mit diesem Ergebnis können Sie nun Ihre Lösungen priorisieren.

Hinweis: Ziele und Werturteile bilden für den Paarweisen Vergleich

Die Beurteilung der Lösungen basiert wie immer bei der Prioritätenbildung auf Zielen, Interessen, Erwartungen, Werten etc., die für die beurteilende Person maßgeblich sind. Im Beruf können dazu jeweils folgende Überlegungen beim einzelnen Vergleich eine Rolle spielen:

  • Welche der beiden Lösungen wäre für mich persönlich die beste im Hinblick auf meine Ziele, Interessen, Erwartungen, Befürchtungen?
  • Welche der beiden Lösungen wäre für mein Team, meinen Verantwortungsbereich oder für das Unternehmen am besten?
  • Welche der beiden Lösungen ist wirtschaftlicher, kostet weniger oder führt zu mehr Gewinn?
  • Bei welcher Lösung drohen besonders negative Konsequenzen, wenn sie nicht präferiert wird – für mich persönlich oder für das Unternehmen?
  • Mit welcher der beiden Lösungen lassen sich schneller Erfolge erzielen?
  • Welche Lösung ist leichter und mit weniger Aufwand zu realisieren?

Beispiel für den Paarweisen Vergleich

Sie wollen das neue, besonders innovative Produkt Ihres Unternehmens bei Ihren Kunden und anderen potenziellen Zielgruppen bekannt machen und planen dazu eine europaweite Roadshow in den wichtigsten Metropolen. Viele Einflussfaktoren müssen beachtet werden, um zu ermitteln, welche Städte geeignet sind und in welcher Reihenfolge diese dann mit der Roadshow besucht werden.

Denn das Budget für die Roadshows ist begrenzt, gleichzeitig wollen Sie aber eine große Wirkung erzielen und möglichst viele Kontakte herstellen. Sie können aber nur schwer abschätzen, wie hoch die Kosten dann im Einzelnen an den jeweiligen Standorten sind und welche Wirkungen Sie mit der Roadshow tatsächlich erzielen. Deshalb erstellen Sie eine Prioritätenliste der möglichen Städte, die Sie dann nacheinander mit der Roadshow besuchen – bis das Budget aufgebraucht ist und die erwarteten Wirkungen erzielt sind.

Abbildung 3 zeigt, wie die Matrix des Paarweisen Vergleichs für dieses Beispiel aussehen kann.

Abbildung 3: Paarweiser Vergleich für eine Prioritätenliste (Beispiel Roadshow planen)

Die Abbildung zeigt, dass einige Lösungen rechnerisch die gleiche Priorität haben. Wenn Sie eine eindeutige Priorität ohne gleiche Werte benötigen, vergleichen Sie die Lösungen, die gleichauf liegen, noch einmal miteinander: Welche der beiden wäre Ihnen im Zweifel die wichtigere?

Praxis

Nutzen Sie den Paarweisen Vergleich, um Ihre Prioritätenliste zu erstellen.

  • Erstellen Sie eine Liste mit allen möglichen Lösungen.
  • Beschreiben Sie die Lösungen und ihre Merkmale; geben Sie dabei alle Informationen, die für eine Entscheidung relevant sind.
  • Tragen Sie diese Lösungen in die folgende Vorlage ein und führen Sie den Paarweisen Vergleich durch.

Sie können auch mehrere Personen einen Paarweisen Vergleich durchführen lassen und dann die einzelnen Bewertungen und Prioritäten zu einer gemeinsamen Entscheidung zusammenfassen.

  • Geben Sie dazu jeder einzelnen Person die Excel-Vorlage und bitten Sie um einen entsprechenden Paarweisen Vergleich.
  • Berechnen Sie für eine Lösung die Summe der Nennungen über alle Bewerter hinweg.
  • Berechnen Sie den prozentualen Anteil der Nennungen für eine Lösung an der Summe aller Nennungen durch alle Bewerter.
  • Dieser Prozentwert entspricht dann der Priorität, die die Gruppe insgesamt vergibt.

Die Nutzwertanalyse ist eine weitere Methode, um Prioritäten von Lösungen, Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten zu berechnen. Wie Sie dazu vorgehen, lesen Sie im folgenden Abschnitt des Handbuch-Kapitels.