KreativitätstechnikSCAMPER für Zukunftsprojekte

Kreativität ist die Schlüsselressource der Zukunft. Damit attraktive Innovationen erzeugt werden können, brauchen wir eine Vielzahl unkonventioneller, frischer, neuer Ideen. Zudem braucht jede Innovation eine Erzählung, damit wir uns vorstellen können, wie sie sich in unser Leben integriert. Eine Kreativitätstechnik, die bei Zukunftsprojekten gute Ergebnisse bringt, nennt sich SCAMPER.

Das Umfeld für Kreativität

Kreativität ist der maßgebliche Treibstoff für Ideen der Zukunft. Sie ist flatterhaft, regellos, wild. Sie kommt, wann sie will, nicht, wenn sie muss, weil sie die richtigen Umstände braucht.

Dazu gehören:

  • Heiterkeit, Muße und ein inspirierendes Umfeld.
  • Ergebnisoffenheit für noch ungenutzte Vorgehensweisen.
  • Neugier auf andere Blickwinkel.
  • Interesse daran, was außerhalb der eigenen Komfortzone möglich ist.
  • Die Zuversicht, auch auf ganz und gar neuem Weg zum Ziel zu kommen.

Narzissmus, Macht- und Kontrollsucht hingegen behindern die Kreativität einer Gruppe massiv.

Kluge Entscheidungen kann eine Gruppe immer nur dann treffen, wenn sie in ihrer Meinungsbildung unabhängig ist, wenn jeder Teilnehmende Zugang zu allem entscheidungsrelevanten Wissen hat und wenn er seine Meinung frei äußern kann.

Wenn es psychologische Sicherheit gibt, können sich auch „leise“ Menschen entfalten. Sie haben oft besonders gut durchdachte Ideen, wenn man ihnen Erzählraum gibt.

Voraussetzungen für echte Kreativität

Nur wenn die Leute unter sich sind, können selbst die abwegigsten Ideen furchtlos durchdiskutiert werden. Und nur in einer autoritätsfreien Umgebung werden sogar „heilige Kühe“ bei den Hörnern gepackt, um dem Neuen eine Chance zu geben.

Wenn Wissen frei seine Bahnen zieht, durch KI unterstützt wird und sich weitläufig vernetzt, kann dies zu den erstaunlichsten Vorstößen führen.

Zudem kann sich Kreativität nur in inhomogenen Gruppen entfalten. Denn homogene Gruppen, also solche mit gleichartigen Mitgliedern, neigen zur Konformität und zum Konsens – doch nur selten zum wagemutigen Erkunden von Neuem.

Der Zugewinn einer inhomogenen Gruppe ergibt sich aus den unterschiedlichen Denkweisen ihrer Mitglieder und einer damit verbundenen kreativen Experimentierfreudigkeit.

Sind Kreativitätstechniken hilfreich?

Um auf grandiose Ideen für Innovationen zu kommen, brauchen wir am Anfang viele Ideen. Nur, wer viel würfelt, der würfelt auch Sechser.

Kreativitätstechniken können bei der Initialzündung helfen und unsere Gedanken in eine brauchbare Richtung lenken. Sie können unserem Oberstübchen zwar auf die Sprünge helfen, andererseits aber auch einengend wirken. Bisweilen sind sie einfach zu formalisiert – oder zu kompliziert.

Kreativitätstechniken sollten Spaß machen – und nicht mühsam sein. Keinesfalls dürfen sie wie ein Pflichtprogramm abgespult werden. Je beschwingter wir Geistesblitze frei in alle möglichen Richtungen schicken und je unbeschwerter wir neue Ideenfunken miteinander verknüpfen, desto spannender wird der Output.

Hier kommt SCAMPER ins Spiel. Diese Methode, ursprünglich von Bob Eberle entwickelt, kann eingesetzt werden, um ausgefallene Ideen zu finden oder einen Gedanken ausgiebig von allen Seiten zu beleuchten.

SCAMPER: anspruchsvoll, facettenreich und ergiebig

SCAMPER hält eine Vielzahl von Denkanstößen parat, um auf verschiedenste Lösungsansätze zu kommen, vor allem auf solche, die es bislang noch nicht gibt. Der Begriff ist ein Akronym und steht für substitute, combine, adapt, modify, put to other use, eliminate, reverse.

Um folgende sieben Aspekte geht es also dabei:

  • Ersetzen: zum Beispiel Vorgehensweisen, Komponenten, Materialien, Personen
  • Kombinieren: zum Beispiel verschiedene Bestandteile, Funktionsweisen, Services
  • Adaptieren: etwa durch Verändern, Anpassen, Umbauen, Variieren, Erweitern
  • Modifizieren: etwa Form, Inhalt, Größe, Gefüge, Zahl, Farbe, Haptik, Akustik
  • Anders verwenden: andere Nutzung, andere Gruppierung oder anderer Zweck
  • Eliminieren: also entfernen, reduzieren, weglassen, abschaffen, vereinfachen
  • Umkehren: etwa eine umgedrehte Reihenfolge, eine entgegengesetzte Nutzung 

Aufgrund der Fülle an Ideenmaterial, das hierbei entsteht, ist Visualisieren ein Muss.

Das Vorgehen in drei Schritten

Da es bei den sieben Aspekten um sehr differenzierte Ausarbeitungen geht, sollten versierte Personen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen, vor allem die, die über den Tellerrand schauen und um die Ecke denken.

Die Methode funktioniert besonders gut, wenn Kleingruppen von jeweils drei bis fünf Personen systematisch an einer der sieben Facetten arbeiten, um eine Basisidee weiter zu schärfen.

Scampern ist zudem dann überaus wertvoll, wenn bereits bestehende Produkte, Lösungen oder Verfahrensweisen maßgeblich verbessert und in radikal neue, innovative Richtungen weiterentwickelt werden sollen.

Wie immer gehen Sie diese drei Schritte:

  1. so viele Ideen wie möglich produzieren,
  2. die gefundenen Ideen diskutieren,
  3. je nach Zielsetzung priorisieren.

Je flexibler Sie mit den einzelnen Aspekten umgehen und je kreativer Sie diese mixen, desto spannender können die Ergebnisse werden, und desto mehr Spaß machen sie auch. Wenn zum Beispiel beim Scampern eine der Gruppen zu keiner Lösung kommt, dann teilen sich die Mitglieder einfach auf andere Gruppen auf, damit sie diese bereichern.

Das Scampern kann zu komplett neuem Denken führen

Beim Scampern können tatsächlich Wow-Ideen gelingen. Der Denkhorizont wird maßgeblich erweitert, wodurch Originelles, Unkonventionelles, Visionäres, Spektakuläres, bisweilen wirklich Großes entsteht.

Dabei können sogar Lösungen für Probleme gefunden werden, die anfangs quasi unlösbar erschienen.

Beispiel: Neues Denken, attraktive Lösung

So geschehen in einer Zürcher IT-Sicherheitsfirma, die ihre zahlreichen internationalen Kunden durch ein zentrales Betriebscenter betreut. Niemand dort wollte die wichtige, aber mühsame Nachtschicht freiwillig übernehmen. Andererseits wollte das Management die Mitarbeitenden, alles junge, umworbene, hochqualifizierte Profis, nicht zu dieser Arbeit verdonnern.

Wie kann es gelingen, bei dieser Ausgangslage dennoch zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in der Branche zu werden?

Die Firma hat die Nachtschicht in Zürich überflüssig gemacht. Sie hat eine Wohnung in Sydney gemietet und es den Entwicklern so ermöglicht, sechsmonatige bezahlte Aufenthalte in Australiens wohl schönster Stadt zu verbringen.

Wenn in der Schweiz alle schlafen, betreut das Sydney-Team hilfesuchende Kunden auf der ganzen Welt. Ergo: Durch radikales Andersdenken hat es die Firma geschafft, aus einem Problem einen wichtigen Differenzierungsfaktor auf dem Arbeitsmarkt zu machen.

Innovationen brauchen zwingend eine Erzählung

Selbst die beste Idee macht noch lange keine wirksame Innovation. Innovationen brauchen passende Geschichten, damit wir uns bildhaft vorstellen können, was sie für unser Leben bedeuten.

Denn Menschen kaufen keine Produkte, keine Services und keine Ideen. Was sie in Wirklichkeit „kaufen“, sind Beziehungen, Geschichten und gute Gefühle.

Der Aufbau einer gutgemachten Erzählung folgt einem Kürzel namens ATE:

  • Die Ausgangssituation (A): In der Einleitung werden die Hauptfigur(en), der Handlungsort sowie der suboptimale Status quo beziehungsweise die zentrale Problemstellung eingeführt.
  • Die Transformation (T): Das ist der Hauptteil. Er erzählt vom mehr oder weniger steinigen Weg der Lösungsfindung. Es gibt Irrläufe, Sackgassen und Komplikationen, oder ein Konflikt spitzt sich zunächst dramatisch zu.
  • Das Ergebnis (E): Im Schlussteil wird der Tiefpunkt überwunden, die Trendwende gelingt, das Problem wird gelöst und die Geschichte findet ein Happy End.

Der Erzählstrang führt entlang eines Spannungsbogens von einer suboptimalen Ausgangslage über ein Auf und Ab von Blockaden, Irrwegen und Beinahe-Abstürzen zum glorreichen Happy End.

Eine Geschichte fesselt uns vor allem dann, wenn sie trotz aller Schwierigkeiten gut ausgeht. Wie in einem guten Film zieht sich der Konflikt hin. Die Lösung kommt plötzlich und schnell.

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