Psychologisches KapitalDiese Schlüsselkompetenzen sollten Führungskräfte fördern

Führungskräfte sollten das psychologische Kapital ihrer Mitarbeiter aufbauen, indem sie deren Zuversicht, Widerstandskraft, Selbstvertrauen und Optimismus stärken. Das ist die Basis für eine sich ständig wandelnde Arbeitswelt.

Ein für die Zukunft gewappnetes Unternehmen und vor allem die Menschen darin müssen anpassungsfähig sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das psychologische Kapital ist das mentale Rüstzeug für die VUCA-Welt. Mit den folgenden Verhaltensweisen und Tipps können Sie als Führungskraft das psychologische Kapital ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärken und sie so widerstandsfähig gegenüber Druck und negativen Ergebnissen machen.

Wie Sie eigenverantwortliches Handeln stärken

Als Führungskraft können Sie Ihre Beschäftigten dazu befähigen, eigenverantwortlich zu handeln und mit Instabilität, Volatilität und Unsicherheit souverän umzugehen. Grundlage dafür ist das psychologische Kapital. Dieses Konzept umfasst vier Eigenschaften, die Sie jeweils stärken können:

  • Zuversicht
  • Widerstandskraft
  • Selbstwirksamkeit
  • Optimismus

Ressource Zuversicht

Bei der Zuversicht geht es nicht um eine blinde Hoffnung, sondern um eine Art Denken in Alternativen. Die Zuversicht dreht sich um die individuelle Überzeugung, dass es viele Wege zu einem Ziel gibt und dass der einzelne Mensch diese auch finden kann. Das gelingt über zwei Denkwege: den Waypower, das erfolgreiche Planen der Wege, und den Willpower, den fokussierten Energieeinsatz für das Beschreiten dieser Wege. Daher sollten Sie als Führungskraft nicht nur Ziele und Unterziele mit Ihren Teammitgliedern vereinbaren, sondern das Team von Anfang an ermutigen, verschiedene Wege parallel zu denken.

So fördern Sie die Ressource Zuversicht

Erzeugen Sie Ziel-Volition

Volition ist die unbekannte, aber wichtigere Schwester der Motivation. Dabei geht es um das Durchhalten und Dranbleiben. Sie erreichen Volition durch die grundsätzliche und aktive Einbindung Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Entwicklung und Formulierung von Zielen. Sie geben die Leitplanken vor, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestalten den Weg.

Nutzen Sie das Parallel Prototyping

Parallel Prototyping ist das gleichzeitige Entwickeln mehrerer Wege zum Ziel. Es läuft in kurzen Phasen ab und erzeugt einen nachhaltigen Lösungstrichter. Zu Beginn erarbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter drei Lösungen. Zu jeder einzelnen erhalten sie von Ihnen ein 5-Minuten Feedback. Darauf basierend wählen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zwei der drei Lösungen für den nächsten Konkretisierungsschritt aus, auf die sie Ihr Feedback anwenden. Auf diese konkretisierten Vorschläge erhalten sie von Ihnen erneut ein 5-Minuten Feedback. Auch dieses setzen sie um und präsentieren schließlich ein finales Lösungsangebot.

Warum hilft das? Erstens, es spart Zeit, weil bereits zu Beginn in Alternativen gedacht wird. Zweitens spart es Energie, weil bei einem Scheitern des finalen Lösungsansatzes immer noch zwei recht weit entwickelte, gute Alternativen zur Verfügung stehen. Drittens: Es motiviert Menschen, da sie nicht eine liebgewonnene Idee verteidigen müssen, sondern die Rückmeldung immer auf die Gesamtheit der Ideen beziehen können.

Ressource Widerstandskraft

Es ist kein Problem, wenn Menschen auf den Holzweg geraten. Wichtig ist, Misserfolge schnell wieder abzuschütteln und sich von dem Erlebten zu erholen. Wer das kann, verfügt über Widerstandskraft – die zweite wichtige Dimension des psychologischen Kapitals. Das heißt: Wenn Probleme und Widrigkeiten dem Team begegnen, sollte das Team Mittel und Wege zur Verfügung haben, um durchzuhalten und „wieder aufzustehen“. Es soll dann bestenfalls mit mehr Energie den Erfolg erzielen.

So fördern Sie die Ressource Widerstandskraft

Fördern Sie Widerstandskraft-Netzwerke

Vernetzen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander so, dass ihre Widerstandsfähigkeit durch ein aktives, soziales Netz gestärkt wird.

Üben Sie das Reappraisal als „Neu-Bewertung“ einer Situation

Üben Sie die folgende Art von „Neu-Bewertung“ mit Ihrem Team, um sie bedarfsgerecht einzusetzen. Reappraisal funktioniert in drei Schritten:

  1. Stoppen Sie und atmen Sie zwei- bis dreimal tief ein und aus. Das aktiviert das parasympathische Nervensystem und sorgt sofort für mehr Ruhe im Kopf.
  2. Benennen Sie Ihre Emotion. Bereits das Benennen der Emotion schraubt die emotionale Aufgeregtheit messbar runter.
  3. Bewerten Sie die Situation neu: Was ist positiv am Ereignis? Was kann ich für das nächste Mal daraus lernen? Diese Neuinterpretation lässt die negative Emotion versiegen.

Neu-Bewertungen führen selbst bei anhaltender Veränderung dazu, dass Menschen die Situation auf positive Aspekte und Chancen prüfen. In der Folge gibt es sehr viel weniger Menschen, die darüber nachdenken, wie sie bei Projekten und Plänen dazwischenfunken können. Je mehr Sie Reappraisals nutzen, umso höher ist beispielsweise das Arbeitsengagement Ihrer Beschäftigten.

Ressource Selbstwirksamkeit

Wenn Menschen verschiedene Wege zum Ziel bereits zu Beginn in Betracht ziehen (Zuversicht), können sie sich leichter von einem Holzweg erholen und auf eine alternative Route umschwenken (Widerstandskraft). Wenn diese Menschen dann auch daran glauben, dass sie die Fähigkeiten haben, diese Wege bestreiten zu können, haben sie eine hohe Selbstwirksamkeit.

Selbstwirksamkeit bedeutet, nicht nur zu wissen, dass wir etwas können, sondern auch davon überzeugt zu sein, dass wir in der Lage sind, dieses Können auch einzusetzen. Je mehr Erfolgs-Erfahrungen wir sammeln, desto mehr Belege dafür sammeln wir mental. Die Grundlage unserer Fähigkeit, uns auf verschiedene Aktivitäten einzulassen, ist unsere Motivation. Sie beruht oft auf der Überzeugung, dass wir wahrscheinlich mit unseren Bemühungen erfolgreich sein werden. Um den Grad der eigenen Wirksamkeit zu beurteilen, müssen Sie jedoch analysieren, was Sie sich zutrauen und wie sich dieses Zutrauen im Laufe der Zeit und in verschiedenen Situationen verändern kann.

Menschen verbleiben oft in ihren Komfortzonen, in Bereichen, die sie gemeistert haben und in denen sie sich daher sehr sicher fühlen. Viele Menschen entdecken auch neue Bereiche, in die sie sich eines Tages hineinwagen möchten. Folglich strengen sie sich mehr an. Das geschieht jedoch nur, wenn sie ihre Ängste und ihren Widerstand gegen Veränderungen überwinden, und diesen wichtigen ersten Schritt wagen und begrüßen.

So fördern Sie die Ressource Selbstwirksamkeit

Erzeugen Sie Mastery

Menschen müssen wahrnehmen, dass sie eine Aufgabe gemeistert und ein Hindernis überwunden haben. Die Selbstwirksamkeit erhöht sich, indem das Gelingen reflektiert wird, nicht das Versagen. Halten Sie also statt einer „Fuck Up Night“ eher ein “Glory Lunch” ab. Diese Gelingens-Reflexion gilt es anzustoßen. Fokussieren Sie dabei drei Dinge:

  1. Wie schwierig nehmen die Menschen die Aufgabe wahr?
  2. Wie schätzen die Menschen die investierte Anstrengung ein?
  3. Welche eigenen Fähigkeiten sehen die Menschen als ausschlaggebend für den Erfolg an?

Ermöglichen Sie Zugang zu stellvertretenden Erfahrungen

Ebenso wirksam ist es mitzubekommen, wie andere es geschafft haben. Das Soziale Lernen begleitet Menschen das ganze Leben und ist hocheffektiv. Sie selbst können für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Beispiel ein Mastery-Modell sein. Sie können aber auch extern nach solchen Menschen suchen, sie einladen und die Basis für einen Wissenstransfer schaffen. Solche „Learning Lunches“ funktionieren dann besonders gut, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuvor Fragen gesammelt haben, die der Gast beantwortet.

Nutzen Sie Pygmalion-Feedbacks

Das, was andere Menschen über uns sagen, beeinflusst unsere eigene Selbsteinschätzung. Wenn andere glauben, dass wir erfolgreich sein können, überzeugen sie uns oft davon, genauso zu denken. So können andere Menschen die eigene Selbstwirksamkeit steigern. Der Pygmalion-Effekt, bei dem jemand an uns glaubt, bewirkt, dass wir an uns selbst glauben. Sagen Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass Sie davon überzeugt sind, dass diese die Aufgabe mit den erforderlichen Kompetenzen erfolgreich meistern. Diese verbale Persuasion ist eine Goldmine.

Ressource realistischer Optimismus

„Das Leben besteht zu 10 Prozent aus dem, was dir passiert, und zu 90 Prozent aus dem, wie du darauf reagierst." So fasste der Geistliche Charles Swindoll den Grund für realistischen Optimismus zusammen. Studien aus den USA zeigen: Nur 25 Prozent des Optimismus liegt in den Genen. Das lässt einen soliden Spielraum, um mit der Zeit eine optimistischere Einstellung zu entwickeln. Im Wesentlichen bedeutet das, dass jeder sein Niveau an Optimismus verändern und erhöhen kann.

Beim realistischen Optimismus geht es um eine besondere Form von Optimismus, den rationalen. Er besteht aus einer Reihe von Überzeugungen und Eigenschaften, die uns helfen, über die positiven Aspekte des Lebens nachzudenken, anstatt über die negativen. Es ist ein Persönlichkeitsmuster, das Resilienz und persönliche Stärke zeigt. Das wiederum spiegelt sich in höheren Umsätzen wider und hat positive Effekte auch außerhalb des Verkaufsgesprächs.

So fördern Sie die Ressource realistischen Optimismus

Die Technik „D3 - Die Dankbaren Drei" reicht aus, um den generellen Optimismus bei Menschen zu steigern. Etablieren Sie diese Übung als neue Optimismus-Hygiene-Gewohnheit: Nehmen Sie sich mit Ihrem Team jeden Tag gegen Ende des Tages zwei Minuten Zeit und lassen Sie Ihren Tag Revue passieren. Fragen Sie sich in Ihrem Team: „Was sind die drei Dinge, für die wir wirklich dankbar sind?" Schreiben Sie sie auf. Tun Sie das jeden Tag, 21 Tage lang und beobachten Sie, wie der Optimismus in Ihrem Team von Tag zu Tag steigt.

Wichtig ist, dass Sie und Ihr Team nicht jeden Tag die gleiche Standardantwort wählen wie „meine Familie, meine Gesundheit, meine Kollegen.“ Sie müssen auch darauf schauen, was wirklich passiert ist. Wenn Sie das 21 Tage hintereinander tun, haben Sie 63 einzigartige Dinge identifiziert, für die Sie dankbar sind. Was wirklich toll ist. Aber der Punkt ist: Ihr Gehirn trainiert sich selbst, ein paar Ressourcen darauf zu verwenden. Das funktioniert wie eine App im Hintergrund, die den Input nach etwas scannt, das gut für Sie ist und über das Sie morgen sprechen können. Das dauert nur zwei Minuten und ist echte Optimismus-Hygiene.

Psychologisches Kapital mit Mikrointervention steigern

Mikrointervention helfen, das psychologische Kapital zu steigern. Sie bestehen aus folgenden Schritten:

  1. Legen Sie (a) Ihre persönlichen Ziele und (b) Maßstäbe fest, mit denen Sie das Erreichen dieser Ziele bewerten. Dabei gilt es immer, das Parallel Thinking anzuwenden, um die alternativen Wege zur Erreichung der Ziele festzulegen und damit die Dimension Zuversicht positiv zu beeinflussen.
  2. Notieren Sie Ihre Erfolgserlebnisse mithilfe der „Dankbaren Drei“. Diese Erfahrung stärkt nicht nur den realistischen Optimismus, sondern auch das Gefühl der Kontrolle und von Kompetenz und erhöht Ihre Selbstwirksamkeit.
  3. Achten Sie beim Rückblick auf Ihre Leistungen: Führen Sie die negativen Ereignisse oder Misserfolge nicht nur auf interne, persönliche Faktoren zurück, sondern auch auf externe, situative Umstände. Ziel ist es, sich selbst in die Lage zu versetzen, die Gegenwart mehr zu schätzen und so eine positive, aber realistische Sichtweise auf die Zukunft zu entwickeln.
  4. Mit dem Blick auf mögliche persönliche Rückschläge bei der Arbeit identifizieren Sie die verschiedenen Elemente des Risikos. Zum Beispiel: Wie wird es sich auf eine bestimmte Person auswirken? Stellt das Risiko eine Herausforderung oder eine Chance dar? Wie viel Kontrolle habe ich in der Rolle von … ? Welche Faktoren liegen außerhalb meiner Kontrolle? Mit diesen Fragen berücksichtigen Sie die verfügbaren Ressourcen, um die verschiedenen Herausforderungen zu bewältigen.

Messen Sie gegebenenfalls mithilfe von psychologischen Tests, wie sich Ihr psychologisches Kapital verändert hat.

Dazu im Management-Handbuch

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