Arbeitstechniken für strukturiertes ArbeitenKreativität und Brainstorming

Neue und knifflige Aufgaben müssen gut durchdacht werden, um eine passende Lösung zu finden. Dann kommt es darauf an, dass Sie eine gute Idee haben, kreativ sind und Out-of-the-Box denken. Das gelingt mit einfachen Methoden und Herangehensweisen.

Mit offenem und kreativem Nachdenken Aufgaben lösen

Der Begriff „Brainstorming“ steht dafür, wenn wir kreativ sein wollen – alleine oder im Team. Allgemein bedeutet er das offene und kreative Nachdenken darüber, wie ein Problem, eine Aufgabe oder eine Frage gelöst werden können. Alles, was Ihrem Gehirn dabei einfällt, sammeln Sie und halten es fest.

Sie brauchen Kreativität immer dann, wenn Sie ein Problem haben, für das es bislang keine Lösung gibt. Um so mehr kommt es dann auf die richtige Gestaltung des Prozesses an, um eine gute Lösung zu finden.

Kreativität besteht meist darin, Vorhandenes zu Neuem zusammenzufügen. Das setzt voraus, dass man nicht nur bei Geläufigem bleibt, sondern neue Assoziationen bildet. Entscheidend ist zunächst die Menge an neuen Assoziationen, nicht die Qualität.

Brainstorming ist ein Prozess

Der Prozess des Brainstormings und damit des Problemlösens hat vier Schritte:

1. Vorbereitung

Beschreiben Sie das Problem so genau wie möglich. Formulieren Sie die Randbedingungen. Beschreiben Sie die Ursachen, die zu dem Problem geführt haben, wenn diese bekannt sind.

2. Inkubation

Das ist die Zeit, in der Sie mit dem Problem „schwanger gehen“. Reden Sie mit möglichst vielen Menschen über Ihr Problem. Holen Sie deren Meinung ein. Schlafen Sie darüber. Überlegen Sie frei, assoziieren Sie. Untersuchungen zeigen, dass der Mensch bei Spaziergängen in der Natur am kreativsten ist. Viele Ideen kommen auch in langweiligen Sitzungen. Andere sind morgens beim Duschen besonders kreativ.

3. Illumination

Dies ist der Moment, in dem Ihnen ein guter Lösungsansatz eingefallen ist. Schreiben Sie ihn sofort auf. Deshalb sollten Sie immer Notizbuch und Stift bei sich tragen. Nutzen Sie diesen Moment, um so viele Details der Lösung festzuhalten, wie Ihnen einfallen. Bremsen und kritisieren Sie sich nicht in dieser Phase.

4. Verifikation

Nun bewerten Sie Ihren Einfall. Prüfen Sie, ob es so funktionieren kann. Probieren Sie aus. Diskutieren Sie mit anderen. Vielleicht wird Ihre Lösung verworfen. Wahrscheinlicher ist, dass es ein guter Ansatz ist, den es nun zu verbessern gilt. Kollegen und andere Menschen können Ihnen dabei helfen.

Tipp: Denken Out-of-the-Box

Oft ist unser Denken und damit unsere Kreativität in den gewohnten und trainierten Denkmustern gefangen. Das verhindert gute Lösungen für neuartige und unbekannte Aufgaben und Probleme.

Dazu eine kleine Testaufgabe: Schreiben Sie in einer Minute möglichst viele Begriffe auf, die hart, rund, kleiner als ein Tennisball sind! Lesen Sie erst anschließend weiter.

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Na? Haben Sie auch an Begriffe wie Golfball, Murmel etc. gedacht? Oder an Ring, Öse, Dichtung?

Der Begriff Tennisball verführt uns zunächst zu kugelförmigen Gebilden. Dabei lässt die Aufgabenstellung auch flache Gegenstände zu. Das Gehirn setzt sich durch Eingangsreize oft unnötige eigene Rahmenbedingungen. Diese müssen Sie auflösen und möglichst viele Ideen und Assoziationen bilden.

So fördern Sie Kreativität und offenes Denken Out-of-the-Box

Darüber hinaus ist Flexibilität notwendig. Informationen und Reize werden gemischt und zu neuen Begriffen zusammengesetzt. Eine Aufgabe wird unter verschiedenen Gesichtspunkten gesehen. Beispiel: Ein Ziegelstein kann nicht nur zum Hausbau verwendet werden, sondern auch zum Beschweren oder zum Unterlegen oder einfach als Dekorationselement.

Schließlich ist auch Originalität ein wichtiges Element. Damit ist die Fähigkeit gemeint, echtes Neuland zu betreten. Viele Menschen trauen sich genau das nicht. Sie haben Angst, sich lächerlich zu machen, sie sind zu sehr auf Bestehendes fixiert. Manchmal herrschen Rivalität, versteckte Normen, starre Systeme und Strukturen im Betrieb. Oder einzelne Kolleginnen und Kollegen haben zu den gestellten Fragen ihre eingefahrenen Lieblingstheorien und bestehen auf ihrem Expertenwissen. All das kann Kreativität blockieren.

Kreativität lässt sich gezielt steigern durch:

  • hohe Empfindlichkeit gegenüber Impulsen aller Art
  • tolerantes Verhältnis zu neuen Gedanken
  • Notizbücher und Karteikästen für Ideen
  • Schaffung angenehmer äußerer Bedingungen (Räume, Natur, visuelle Anregungen)

Vorgehensweise für das Brainstorming im Team

Manchmal ist ein Team kreativer als ein einzelner Mensch. Die Teammitglieder geben sich gegenseitig Anregungen und Assoziationen. Es kommen unterschiedliche Sichtweisen ins Spiel, aus denen sich viele Ideen ableiten lassen. Die wichtigste Methode für das Kreativ-Sein im Team ist das freie Brainstorming. Es ist für die Inkubationsphase geeignet.

Damit Teams wirklich mehr Ideen produzieren, als eine einzelne Person, müssen folgende Regeln eingehalten werden:

  1. Formulieren Sie das Problem oder die Aufgabe als konkrete Frage, zum Beispiel eine Wie-Frage: „Wie können wir …?“
  2. Beschreiben Sie das Problem möglichst ausführlich, sodass alle dasselbe darunter verstehen. Nennen Sie nur die wirklich nicht veränderbaren Rahmenbedingungen.
  3. Bei komplexen Problemstellungen sollten Sie das Problem aufteilen und Teilprobleme getrennt voneinander behandeln.
  4. Stellen Sie ein Team zusammen von maximal zehn Menschen. Es müssen keine Experten sein, sie sollten im Allgemeinen aber die Aufgabe oder das Problem und seine Ursachen verstehen.
  5. Die Teammitglieder sollten der Methode und der Kreativität gegenüber aufgeschlossen sein. Laden Sie keine notorischen Nörgler dazu ein. Alle sollten sich sympathisch sein. Es sollte wenig Hierarchieunterschiede geben.
  6. Im Brainstorming ist keine Kritik an Ideen erlaubt! Alles wird aufgeschrieben. Jede Bewertung (auch durch Killerphrasen wie: Das geht doch nicht!) wird sofort unterbunden. Sagen Sie einfach laut und deutlich: Keine Kritik!
  7. Es gibt keine Urheberrechte. Das Aufgreifen von Ideen anderer ist ausdrücklich erwünscht. Das Ergebnis gehört der ganzen Gruppe.
  8. Quantität geht vor Qualität: Je mehr desto besser!
  9. Die Ideen können verrückt sein. Auch wenn sie unsinnig erscheinen, regen Sie die Teilnehmer zu weiteren Ideen an. Ermöglichen Sie Assoziationen.
  10. Es gibt eine Person, die Protokoll führt. Diese Person schreibt alle Ideen für alle sichtbar auf. Am besten sind dafür Karten geeignet, die hintereinander an eine Pinwand gehängt werden. Wer das Protokoll führt, bringt selbst keine Ideen ein. Wenn die Ideen sehr schnell sprudeln, sollten sich alle ihre Ideen selbst notieren und dann der Reihe nach mitteilen.
  11. Wenn es einen toten Punkt gibt, kann die Diskussion neu entfacht werden, indem der Moderator das Problem noch einmal zusammenfasst, noch einmal neu formuliert, das Problem mal umdreht und die Ideen an einer anderen Tafel sammelt.
  12. Setzen Sie Kreativitätstechniken ein, die nicht zu kompliziert sind für die Gruppe und die weitere Ideen zum Vorschein bringen. Dafür gibt es zahlreiche Methoden und Techniken. Zum Beispiel die „Kopfstandtechnik“. Dazu haben Sie das Problem zunächst in seiner eigentlichen Form erfasst und Ideen gesammelt. Dann formulieren Sie das Problem oder die damit verbundene Frage gerade umgekehrt.

Beispiel: Kopfstandtechnik

Die ursprüngliche Frage lautet: Wie können wir den Verkehr reduzieren? Sie drehen die Frage um und formulieren die Brainstorming-Aufgabe für das Team so: Was müssten wir tun, um den Verkehr zu erhöhen?

Weitere Erläuterungen zum Thema Kreativität finden Sie im Management-Handbuch in den Kapiteln: Kreativität steigern und Kreativitätstechniken anwenden.

Praxis

Was ist Ihre Erfahrung:

  • In welchen Situationen sind Sie besonders kreativ?
  • Wann haben Sie oft gute Einfälle zu Fragen, die Sie bewegen?
  • Welche Blockaden für Kreativität, offenes Denken und Out-of-the-Box-Denken vermuten Sie in Ihrem Unternehmen?
  • Wie können Sie mögliche Blockaden auf Dauer auflösen?

In der folgenden Checkliste finden Sie die wichtigsten Punkte für die Moderation eines Brainstormings zusammengefasst.

Ein Werkzeug, um Ideen und Ergebnisse eines Brainstormings aufzuschreiben und zu visualisieren, ist das Mindmapping. Damit schaffen Sie wirkungsvolle Bilder von komplexen und vielfältigen Themen. Im folgenden Abschnitt des Handbuch-Kapitels lesen Sie, wie Mindmaps entwickelt werden.