ArbeitszeugnisAbschlussformel richtig deuten

Aus den Schlusssätzen des Arbeitszeugnisses lässt sich oft die Gesamtbeurteilung herauslesen. Was die jeweiligen Formulierungen über die Bewertung der Bewerber aussagen.

„Herr Mayer arbeitete stets zu unserer vollen Zufriedenheit.“ Oder: „Herr Mayer arbeitete zu unserer Zufriedenheit.“ Nur zwei Wörter – hinzugefügt oder weggelassen – können bei Formulierungen in Arbeitszeugnissen den Unterschied in der Bewertung eines Mitarbeiters ausmachen. Das Arbeitszeugnis beeinflusst sowohl die Auswahl von Bewerbern wie auch das berufliche Fortkommen von Mitarbeitern. Entsprechend heftig wird zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern um Formulierungen gerungen – auch vor Gericht. Da in den letzten Jahren häufig Teilpassagen von Arbeitszeugnissen durch Arbeitsgerichte vorgegeben wurden, haben sich die Unternehmen verstärkt auf die komprimierte Beurteilung in den Schlusssätzen konzentriert. Damit wollen sie sichergehen, dass negative Beurteilungen beim nächsten Unternehmen auch wirklich ankommen.

Schlussformel ist das entscheidende Element im Arbeitszeugnis

Die zwei bis drei Schlusssätze im Arbeitszeugnis fassen heute oft die gesamte Bewertung über einen Mitarbeiter zusammen. Diese Sätze zu lesen reicht bei einem fachgerecht formulierten Zeugnis aus, um die Gesamtbewertung zu erkennen. Zusätzliche Erkenntnisse lassen sich nur aus der Tätigkeitsbeschreibung und bei gut geschriebenen Zeugnissen aus dem Hinweis in der Bewertung, warum das Urteil nicht so günstig ausfiel, erkennen.

Da diese Schlussformulierungen, wie etwa der Dank für die geleistete Arbeit oder die guten Wünsche für die Zukunft, nicht einklagbar sind, bleibt es dem Arbeitgeber überlassen, ob er es bedauert, wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt oder nicht. Im Dezember 2012 bestätigte das Bundesarbeitsgericht (BAG) in einem Urteil, dass die Dankes- und Bedauernsformel in Arbeitszeugnissen weiterhin als freiwillige Angabe des Arbeitgebers gilt. Das Gericht ist der Ansicht, dass das Fehlen der Abschlussformel keine Auslassung im Sinne eines unzulässigen Geheimzeichens darstellt, die Formulierungssouveränität des Arbeitgebers habe weiterhin Gültigkeit.

Positive Schlusssätze erhöhten zwar die Bewerbungschancen des Arbeitnehmers, ein Zeugnis werde durch sie also aufgewertet. Daraus lasse sich aber nicht im Umkehrschluss folgern, ein Zeugnis ohne jede Schlussformulierung werde in unzulässiger Weise „entwertet“. Arbeitnehmer sind bei der Abschlussformel somit weiter an das Wohlwollen des Arbeitgebers gebunden.

Schlusssätze enthalten Bedauern, Dank und Wünsche

Mit dem Arbeitszeugnis verabschiedet sich der Arbeitgeber vom Mitarbeiter. Das ist ähnlich wie im Privatleben, wenn der Gastgeber einer Party sich bei den Gästen verabschiedet. Der Gastgeber wird zunächst bedauern, dass sie auseinandergehen müssen. Dann wird er sich bedanken, dass die Gäste gekommen sind und schließlich wird er ihnen die besten Wünsche für die Zukunft beziehungsweise den Weg nach Hause mitgeben. Übersetzt in die Zeugnissprache hört sich das bei einem überdurchschnittlichen Mitarbeiter so an:

„Herr Mustermann verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir bedauern es sehr ihn zu verlieren und danken für die stets gute Mitarbeit. Wir wünschen ihm für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.“

Hierbei handelt es sich um die Standardformulierung der Note 2. Im Einzelnen gibt es verschiedene Stellschrauben beziehungsweise Bausteine, mit deren Hilfe Arbeitgeber eine deutliche Aussage über die Gesamtbewertung der Arbeitsleistung des Mitarbeiters treffen können.

Formulierungen für den Anlass der Trennung

„Herr Mustermann verlässt uns.“
Der Mitarbeiter hat auf eigenen Wunsch gekündigt.

„Herr Mustermann verlässt uns aus betriebsbedingten Gründen.“
Dem Mitarbeiter wurde gekündigt. Die Gründe liegen beim Unternehmen.

„Herr Mustermann verlässt uns nach Ablauf der befristeten Beschäftigungszeit.“
Ist der Satz ohne „leider konnten wir ihm keine weitere/andere Beschäftigung anbieten“, konnte der Mitarbeiter wohl nicht überzeugen.

Formulierungen für Bedauern

„Wir bedauern es sehr, diesen äußerst engagierten und erfolgreichen Mitarbeiter zu verlieren.“
Entspricht etwa der Note 1. Wichtig ist die Verstärkung mit „sehr“ und einer kurzen Begründung, warum das Ausscheiden bedauert wird. Ebenso zählt auch die Verstärkung durch Adjektive.

„Wir bedauern es sehr, diesen Mitarbeiter zu verlieren.“
Entspricht etwa der Note 2 wegen der Verstärkung mit "sehr".

„Wir bedauern es, ihn zu verlieren.“
Entspricht etwa der Note 3. Das Bedauern hält sich in Grenzen, der Satz drückt eine durchschnittliche Bewertung aus.

„--“
Kein Satz zum Bedauern. Das entspricht etwa der Note 4 oder schlechter und sagt soviel wie: „Wir bedauern nicht, dass er geht.“

Formulierungen für Dank

„…danken für die stets sehr gute/exzellente Mitarbeit.“
Entspricht etwa der Note 1. Mitarbeit wird mit drei Adjektiven gewürdigt.

„…danken für die stets gute Mitarbeit.“
Entspricht etwa der Note 2. Zwei Adjektive werden verwendet.

„…danken für seine gute Mitarbeit.“
Entspricht etwa der Note 3. Verstärkung mit einem Adjektiv.

„…danken für seine Mitarbeit.“
Entspricht etwa der Note 4. Keine Verstärkung verwendet.

„--“
Dank fehlt komplett. Unzureichende Leistung. Entspricht etwa der Note 5 oder schlechter.

Formulierungen für Zukunftswünsche

„Wir wünschen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute!“
Zweiteilung der Wünsche in beruflich und persönlich. „Weiterhin“ deutet an, dass der Mitarbeiter großen Erfolg hatte und man glaubt, das werde auch künftig so sein (Note 1). Persönlich geht man im Guten auseinander (Verhaltensnote 3 und besser).

„Wir wünschen für die Zukunft weiterhin Erfolg und persönlich alles Gute!“
Erfolg war da, aber nicht im größeren Ausmaß oder durchgängig (Note 2-3). Persönlich geht man im Guten auseinander (Verhaltensnote 3 und besser).

„Weiterhin wünschen wir Herrn Mustermann viel Erfolg und persönlich alles Gute!“
Achtung: „Weiterhin“ ist versetzt und bedeutet: „Außerdem wünschen wir…“ Es handelt sich um eine Abwertung, die schnell überlesen wird (Note 3 insgesamt und Note 3 oder besser im Verhalten)

„Wir wünschen ihm persönlich alles Gute!“
Der Mitarbeiter hatte keinen Erfolg und man glaubt auch nicht daran in der Zukunft. Persönlich ist alles in Ordnung (Note 4 insgesamt und Note 3 und besser im Verhalten).

„Wir wünschen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg!“
Der Mitarbeiter hatte Erfolg (Note 2 und besser), es gab aber persönliche Probleme oder sein Verhalten war nicht einwandfrei (Note 4 und schlechter).

„--“
Keine Wünsche, weder beruflich noch persönlich. Der Bewerber hatte keinen Erfolg und wird ihn aus Sicht des Unternehmens auch künftig nicht haben (Note 4 und schlechter). Zudem verhielt er sich nicht immer korrekt (Note 4 und schlechter).

Sonderformen und Codezeichen

„Wir wünschen für die Zukunft viel Glück und persönlich alles Gute!“
„Glück“ ist ein Codewort. Der Mitarbeiter braucht Glück, um künftig weiterzukommen. Ein guter Mitarbeiter aber kommt wegen seines Fachwissens und seiner Persönlichkeit weiter.

„Wir wünschen für die Zukunft weiterhin Erfolg und persönlich alles Gute!“
Erfolg war da, aber nicht im größeren Ausmaß oder durchgängig (Note 2-3). Persönlich geht man im Guten auseinander (Note 3 und besser im Verhalten).

Ein Codezeichen alleine reicht noch nicht aus, denn ein unwissender Vorgesetzter könnte dies versehentlich eingefügt haben. Wer sicher gehen will, verwendet diese Codezeichen nur in Zusammenhang mit einem zweiten Hinweis. Die Art des ersten Zeichens sagt zunächst nur: Ausschau halten nach einem weiteren Hinweis!

Wer Arbeitszeugnisse verfasst sollte darauf achten, dass solche Codewörter und -zeichen gemäß den Bestimmungen der Gewerbeordnung (GewO) als sachfremde Mittel beziehungsweise Formulierungen angesehen werden und somit verboten sind.

Fehlt die Abschlussformel komplett, ist von einer fristlosen Kündigung auszugehen, bedingt durch Leistungsverweigerung oder auch schwerwiegendes persönliches Fehlverhalten (Note 6).

Fazit

Aus Schlusssätzen können Unternehmen schon viel über den Kandidaten lernen. Die Kombination der vorgestellten Elemente ergibt insgesamt ein deutliches Bild. Unternehmen sollten also genau hinsehen. Zeugnisse sind wichtige Anhaltspunkte bezüglich der Qualifikation und der Arbeitsweise eines Bewerbers. Die Aussagekraft hängt aber auch davon ab, zu welchem Grad sich der Verfasser der Bedeutung des Zeugniscodes bewusst ist.

[Quelle: LIGHTHOUSE Personalberatung GmbH, Karlsruhe]

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