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AusbildungUmgang mit schwierigen Azubis

Wenn Auszubildende Probleme machen und sich Kollegen und Vorgesetzten gegenüber schlecht verhalten, sollten Arbeitgeber wissen, wie sie vorgehen können.

Wenn Schulabgänger eine Ausbildung beginnen und mit zunehmender Ausbildungsdauer die Lust an der Ausbildung verlieren oder feststellen, dass sie die falsche Ausbildung gewählt haben, geht das zu Lasten des ausbildenden Unternehmens. Nicht selten werden deshalb Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst.

In der Probezeit können Arbeitgeber Auszubildenden fristlos kündigen. Nach der Probzeit geht das nicht mehr ohne weiteres. Dazu muss dann schon ein schwerwiegender Kündigungsgrund vorliegen (Pflichtverletzung). Aufgrund dieses hohen Kündigungsschutzes besteht das Risiko, dass Azubis, die eigentlich das Interesse an ihrer Ausbildung verloren haben, ihre Position ausnutzen und sich dementsprechend schlecht verhalten: Sie kommen häufig zu spät, befolgen Anweisungen nur noch halbherzig oder gar nicht oder geben Berichte zu spät ab. Das belastet die Kollegen, die Vorgesetzten und schadet letztlich dem Betriebsklima.

Doch wie gehen ausbildende Unternehmen mit schwierigen Auszubildenden um?

Ursachen für das Verhalten des Azubis herausfinden

Zunächst sollten Arbeitgeber das Problem an der Wurzel packen und herausfinden, welche Ursachen das schwierige Verhalten des Azubis hat. Dazu können Arbeitgeber das direkte Gespräch mit dem Azubi suchen, in dem er im besten Fall selbst berichtet, warum es Probleme gibt. Doch nicht immer ist das selbstverständlich, zeigen sich Azubis offen und ehrlich. In diesem Fall müssen ausbildende Unternehmen selbst Ursachenforschung betreiben. Möglicherweise ist das Verhalten des Azubis auf unbefriedigende Umstände im Unternehmen selbst zurückzuführen:

Überforderung

Die Anforderungen an den Azubi sind zu hoch. Er kann das Arbeitspensum nicht bewältigen und resigniert.

Unterforderung

Die Aufgaben, die der Auszubildende erhält, sind zu einfach, oder es ist nicht genügend Arbeit vorhanden. Das führt zu Langeweile und Frustration.

Probleme mit anderen Auszubildenden

Konflikte oder Streit mit anderen Azubis, begründet etwa durch das Ringen um Anerkennung oder persönliche Antipathien, kann zu Frust und Desinteresse führen.

Antipathie zu Vorgesetzten

Zwischen dem Azubi und seinem unmittelbaren Vorgesetzten gibt es Spannungen, weil Sympathie und Wertschätzung füreinander fehlen.

Mobbing durch Kollegen

Der Azubi ist das schwächste Glied im Unternehmen. Dies lassen ihn etablierte Kollegen spüren, und der Azubi weiß nicht, wie er sich dagegen wehren kann.

Gespräch mit dem Azubi suchen

Gerade bei der Führung junger Menschen ist viel Sensibilität nötig. Im Gespräch mit dem Azubi sollten Vorgesetzte ihre Position offen darlegen und sagen, was sie am Verhalten stört und welche Veränderung sie sich wünschen. Die gewünschte Veränderung sollte so konkret wie möglich formuliert werden. Wichtig dabei ist auch zu erwähnen, welche Folgen das Verhalten für das persönliche Verhältnis zwischen der Führungskraft und dem Azubi hat, und dass das Verhalten auch belastend für die Führungskraft selbst ist.

Vorgesetzte sollten sich im Gespräch mit dem Azubi nicht durch seine Antworten oder Reaktionen provozieren lassen, sondern sachlich reagieren. Es hilft, dem Azubi zu erklären, dass eine konstruktive Lösung angestrebt wird, die für beide Seiten positive Auswirkungen haben wird. Diese Lösung gilt es mit dem Azubi zu verhandeln. Vorgesetzte sollten dabei die strittigen Punkte nacheinander ansprechen und abarbeiten. Wichtig ist, dass der Azubi das Gefühl hat, es werde auf ihn zugegangen.

Nachdem konkrete Lösungen erarbeitet wurden, sollte das Vereinbarte schriftlich und möglichst detailliert festgehalten werden, sodass es später nicht zu unterschiedlichen oder missverständlichen Darstellungen kommt.

Grenzen aufzeigen und auf arbeitsrechtliche Konsequenzen hinweisen

Wenn sich Azubis problematisch verhalten, zum Beispiel, indem sie regelmäßig freche Antworten geben beziehungsweise sich im Ton vergreifen, sollten Vorgesetzte das Gespräch mit dem jeweiligen Azubi alleine suchen. Darin sollten sie deutlich machen, dass sie solch ein Verhalten nicht tolerieren und das unangemessene Äußerungen und Bemerkungen im Unternehmen nichts verloren haben. Hilfreich ist es dabei, konkrete Beispiele für diese Äußerungen zu nennen.

Vorgesetzte sollten schwierigen Azubis klar machen, dass ein respektvoller Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten eine Bedingung für eine gute Zusammenarbeit ist und dass das auch erwartet wird. Im Anschluss sollte ein Hinweis auf mögliche arbeitsrechtliche Konsequenzen, wie etwa das Aussprechen einer Abmahnung, erfolgen. Auch hier bietet es sich an, das Gesagte schriftlich festzuhalten, um einen Beleg dafür zu haben, wenn eine Abmahnung tatsächlich ausgesprochen werden sollte.

Berufsschule oder Betriebsrat einbeziehen

Ob und mit welchem Aufwand Konflikte mit Azubis bearbeitet und gelöst werden, hängt von vielen Faktoren ab. Besonders wichtig ist zu erkennen, in welcher Phase sich ein Konflikt befindet. Ist er noch in einer frühen Phase und noch nicht eskaliert, dürfte es einfacher fallen. Deshalb: So früh wie möglich handeln! Arbeitgeber sollten mit den Verantwortlichen in der Berufsschule über die Probleme mit dem Azubi sprechen. Eventuell kann von deren Seite aus positiv auf den Auszubildenden eingewirkt werden.

Wenn im Unternehmen ein Betriebsrat existiert, empfiehlt es sich, diesen von Anfang an in den Vorgang einzubeziehen. Er kann auch die Rolle des Vermittlers übernehmen. Falls es im Betrieb eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) gibt, die die Interessen der Jugendlichen unter 18 Jahren sowie von Auszubildenden, Praktikanten und Werkstudenten unter 25 Jahren vertritt, ist auch das eine geeignete Anlaufstelle, um über problematisches Verhalten des betroffenen Azubis zu sprechen.

Auflösung des Ausbildungsvertrags

Wenn Arbeitgeber und Azubi zum Ergebnis kommen, dass das Fortführen der Ausbildung keinen Sinn mehr macht, bietet sich eine einvernehmliche Auflösung des Ausbildungsvertrags an. Arbeitgeber sollten in diesem Fall das Gespräch mit dem Azubi suchen und darauf hinwirken, dass man im Guten auseinander geht.

Auszubildenden kündigen

Ist eine einvernehmliche Lösung aufgrund des Verhaltens des Auszubildenden nicht möglich, bleibt nur noch die Kündigung des Ausbildungsvertrags. Ob und wie ein Azubi gekündigt werden darf, hängt vom Fortschritt des Ausbildungsverhältnisses ab:

Kündigung in der Probezeit

Da die Probezeit die Erprobung des Ausbildungsverhältnisses vorsieht, können Arbeitgeber Auszubildende in dieser Phase relativ einfach kündigen. Azubis, die wiederholt negativ auffallen und damit das Betriebsklima beeinträchtigen, können ohne die Einhaltung einer Frist gekündigt werden. Es bedarf auch keines bestimmten Kündigungsgrundes. Arbeitgeber müssen allerdings beachten, ob der Kündigung ein gesetzliches Verbot entgegensteht, wie zum Beispiel ein besonderer Kündigungsschutz nach dem Mutterschutzgesetz (MuSchG).

Kündigung nach der Probezeit

Nach der Probezeit können Arbeitgeber nur dann fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Kündigungsgrund nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) vorliegt. Maßgeblich ist hier § 22 Abs. 2 Nr. 1. Ob der Grund im Sinne dieser Norm wichtig ist, ergibt sich aus den Umständen des Einzelfalls. Dabei muss sich unter Abwägung der Interessen des Arbeitgebers sowie des Azubis ergeben, dass eine Fortsetzung des Ausbildungsverhältnisses bis zum Ende der Ausbildungszeit für den Arbeitgeber nicht zumutbar ist.

Dazu im Management-Handbuch

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