AzubisPflichten des Arbeitgebers während der Ausbildung

Nach den Vorschriften des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) haben Arbeitgeber besondere Pflichten gegenüber Azubis. Eine Übersicht.

Pflicht zur Ausbildung

Die wichtigste Pflicht eines Ausbildungsbetriebs ist, die Ausbildung auch tatsächlich durchzuführen. Ein gesetzlich festgelegter Ausbildungsrahmenplan sieht vor, welche Inhalte Auszubildende während ihrer Ausbildung lernen müssen. Arbeitgeber sind angehalten, Auszubildenden planmäßig die Fertigkeiten und Kenntnisse zu vermitteln, die zum Erreichen des Ausbildungszieles erforderlich sind.

Übertragung von Verrichtungen

Nach den Vorschriften des BBiG darf der Ausbildungsbetrieb Auszubildenden nur Verrichtungen übertragenden, die ausschließlich dem Ausbildungszweck dienen und den körperlichen Kräften der Azubis angemessen sind. So ist es beispielsweise untersagt, einen Azubi Einkäufe erledigen zu lassen, die nichts mit dem Betrieb zu tun haben. Gleiches gilt für private Putzarbeiten oder Botengänge.

Schadensersatz beim Ausführen ausbildungsfremder Tätigkeiten

Veranlasst derArbeitgeber einen Azubi, ausbildungsfremde Tätigkeiten zu erledigen und hat dieser dabei einen Unfall, haftet der Arbeitgeber voll für den daraus entstehenden Schaden. Die gesetzliche Unfallversicherung springt in solch einem Fall nicht ein.

Pflicht zur Vergütung der Ausbildung

Ausbildungsbetriebe müssen ihren Azubis eine angemessene Vergütung bezahlen, die mit der zunehmenden Dauer der Ausbildung, mindestens jährlich, ansteigt. Sollte es eine allgemein verbindliche tarifvertragliche Regelung geben, darf die Ausbildungsvergütung nicht darunter liegen. Die Ausbildungsvergütung richtet sich nach der jeweiligen Branche, in der die Ausbildung stattfindet.

Gewährung von Urlaub

Arbeitgeber müssen Auszubildenden eine möglichst zusammenhängenden Urlaub nach Maßgabe der gesetzlichen beziehungsweise tariflichen Bestimmungen gewähren. Für Azubis, die zu Beginn des Kalenderjahres bereits 18 Jahre alt sind, richtet sich der Urlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Für jugendliche Auszubildende ist der Urlaub nach dem Alter gestaffelt:

  • Wenn der Azubi zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre alt ist: mindestens 30 Werktage
  • Wenn der Azubi zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 Jahre alt ist: mindestens 27 Werktage

  • Wenn der Azubi zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 Jahre alt ist: mindestens 25 Werktage

Bereitstellung von Ausbildungsmitteln

Ausbildungsbetriebe sind verpflichtet, kostenlos Ausbildungsmittel – Werkzeuge und Werkstoffe – zur Verfügung zu stellen, die zur Berufsausbildung und zum Ablegen von Zwischen- und Abschlussprüfungen erforderlich sind. Je nach Beruf und Branche gibt es verschiedene Ausbildungsmittel. Dies können zum Beispiel Maschinen und Geräte sein, die für die Bearbeitung und Verarbeitung von Materialien notwendig sind. Auszubildende können die Ausbildungsmittel auch selbst beschaffen beziehungsweise bezahlen, die Kosten dafür muss der Arbeitgeber dann aber ersetzen.

Zusammenhang von Kosten für Ausbildungsmittel und Ausbildungsvergütung

Rechtlich gesehen ist eine Vereinbarung, nach der die Erstattung der Kosten für Ausbildungsmittel mit der Ausbildungsvergütung abgedeckt sind, nichtig.

Aushändigung und Kontrolle des Berichtshefts

Arbeitgeber müssen ihren Auszubildenden die Berichtshefte kostenfrei aushändigen und den Azubis Gelegenheit geben, die Berichtshefte zu führen. Ausbildungsbetriebe sind weiterhin verpflichtet, ihre Auszubildenden zur Führung des Berichtshefts anzuhalten und das auch zu kontrollieren. Die Dokumentation der Kontrolle erfolgt über eine regelmäßige Abzeichnung.

Führen Auszubildende das Berichtsheft schludrig oder gar nicht, können Arbeitgeber das abmahnen. Hat auch das keinen Erfolg, kann das eine fristlose Kündigung rechtfertigen.

Pflichten gegenüber minderjährigen Auszubildenden

Wenn Auszubildende noch minderjährig sind, gelten für Arbeitgeber die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG). So dürfen Jugendliche grundsätzlich nicht mehr als acht Stunden pro Tag und 40 Stunden in der Woche arbeiten. Weitere Einschränkungen für die Beschäftigung von Jugendlichen:

  • Gewährung von mindestens zwölf Stunden ununterbrochener Freizeit nach einem Arbeitstag
  • Beschäftigungsverbot zwischen 20 Uhr und 6 Uhr (Nachtruhe) sowie an Samstagen und Sonn- und Feiertagen.

  • Beschäftigungsverbot an Heiligabend und Silvester nach 14 Uhr

  • Verbot von Akkordarbeit

  • Kein Einsatz für gefährliche Arbeiten, die die physische oder psyichische Leistungsfähigkeit übersteigt

In Bezug auf jugendliche Auszubildende haben Arbeitegeber die besondere Pflicht, auf den Schutz deren Gesundheit und körperlichen Entwicklung zu achten. So müssen Arbeitgeber zum Beispiel dafür sorgen, dass die Arbeitsplätze keine Gefahren für Leib und Leben darstellen oder Beeinträchtigungen der körperlichen, geistigen oder seelischen Entwicklung zu befürchten sind.

Benennung weisungsberechtigter Personen

Arbeitgeber müssen Auszubildenden die Personen im Unternehmen mitteilen, die ihnen Weisungen geben dürfen.

Freistellung für die Berufsschule

Arbeitgeber müssen ihre Auszubildenden zum Besuch der Berufsschule anhalten und die Azubis dafür freistellen.

Arbeitszeugnis am Ende der Ausbildung

Arbeitgeber müssen am Ende der Ausbildung den Auszubildenden ohne Aufforderung ein Arbeitszeugnis ausstellen. Der Anspruch darauf entsteht mit Beendigung der Ausbildung.

Frist zur Ausstellung des Arbeitszeugnisses

Gesetzlich gibt es keine Frist zur Ausstellung des Arbeitszeugnisses. Die Regel sind zwei bis drei Wochen, in denen das geschehen sollte. Ein Zurückbehaltungsrecht auf Seiten des Arbeitgebers gibt es nicht.

Stellen Arbeitgeber das Arbeitszeugnis nicht, verspätet oder unrichtig aus, haben Auszubildende einen Anspruch auf Schadensersatz.

Abmahnung

Arbeitgeber müssen Auszubildende vor dem Ausspruch einer verhaltensbedingten Kündigung abmahnen. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sich ein Azubi nicht in die betriebliche Ordnung eingliedern will oder unentschuldigt in der Berufsschule fehlt.

Kündigung während der Probezeit

Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis jederzeit, ohne Einhalten einer Kündigungsfrist sowie ohne die Angabe von Kündigungsgründen gekündigt werden. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen und den Empfängern vor dem Ende der Probezeit zugehen.

Arbeitgeber müssen bei einer Kündigung während der Probezeit jedoch das so genannte Maßregelungsverbot beachten. Das heißt, sie dürfen nicht schon deshalb kündigen, weil Azubis die ihnen zustehenden Rechte ausüben. Beispiel: Hinweis auf die Einhaltung des JArbSchG.

Kündigung nach der Probezeit

Ist die Probezeit beendet, greift für Azubis ein besonderer Kündigungsschutz. Eine außerordentliche, sprich fristlose Kündigung von Seiten des Arbeitgebers ist dann nicht mehr ohne weiteres möglich. Es muss schon ein wichtiger Grund vorliegen, der es dem Arbeitgeber unmöglich macht, unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalls und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsparteien das Ausbildungsverhältnis bis zum Ablauf der Ausbildungszeit fortzusetzen. Voraussetzung für eine fristlose Kündigung ist eine vorherige Abmahnung.

Beispiele: Gründe für eine fristlose Kündigung von Azubis

  • Häufiges unentschuldigtes Fehlen

  • Mehrmaliges Missachten von Sicherheitsbestimmungen

  • Fahrlässige Beschädigung von Werkzeugen und Betriebseigentum

  • Nichtführen oder schlampiges Führen des Ausbildungsnachweises (Berichtsheft)

  • Häufiges Schwänzen der Berufsschule

  • Eigenmächtiger Urlaubsantritt

  • Nachgewiesener Diebstahl

  • Verweigerung von Arbeitsanweisungen

Dazu im Management-Handbuch

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