Schlechte Führung17 Führungseigenschaften, um Ihre Mitarbeiter garantiert loszuwerden

Mitarbeitermotivation und Mitarbeiterzufriedenheit? Für viele Führungskräfte sind das Fremdwörter. Dann doch lieber destruktiv.

Nervt Sie das nicht auch? Überall bekommen Sie gute Ratschläge, wie Sie sich verhalten sollen, damit Sie zufriedene und motivierte Mitarbeiter haben. Wollten Sie diese Tipps alle befolgen, wären Sie der eierlegenden Wollmilchsau nahe. Aber bitteschön, wozu denn? Sollen die Mitarbeiter doch froh sein, dass sie zu Ihnen in die Firma kommen dürfen, von der Straße weg sind und keinen Blödsinn anrichten können. Und beschäftigt sind sie auch. Hoffentlich nicht mit dem, was sie gerne tun würden. Das muss ausreichen an Motivation. Sie noch weiter zu motivieren ist doch völlig fehl am Platz.

Überlegen Sie mal: Sie müssten sich ständig um das Wohlergehen der Mitarbeiter kümmern. Sie geben ihnen den kleinen Finger und werden komplett verschlungen. Wo soll das hinführen? Sie sind ja schließlich Führungskraft und nicht die Super Nanny Ihrer Mitarbeiter. Immerhin haben Sie sich den Job hart erkämpft und haben nun endlich das Sagen. Jahrelang mussten Sie zurückstecken und nach der Pfeife Ihres Vorgesetzten tanzen. Jetzt endlich können Sie Anweisungen geben und den Mitarbeitern sagen, wo es langgeht. Von wegen die Mitarbeiter mit ihren Meinungen in Ihre Entscheidungen einbeziehen. Wo sind wir denn? Kuschelkurs auf hohem Niveau?

Deswegen möchte ich gerne damit aufräumen. Punkt. Schluss. Fertig. Aus. Weg mit den tollen Ratschlägen! Hier bekommen Sie eine Gebrauchsanweisung an die Hand, wie Sie die Plagegeister in ihre Schranken weisen und vielleicht sogar endlich loswerden können.

Grüßen Sie nicht!

Sicher wurde Ihnen in Führungsseminaren beigebracht, dass Sie Ihre Mitarbeiter zu jeder Tages- und Nachtzeit grüßen sollen. Vergessen Sie’s! Grüßen führt lediglich zu unnötig guter Stimmung schon zu Beginn des Arbeitstages. Die Mitarbeiter sollen doch vor Ehrfurcht zittern, wenn Sie das Büro oder die Produktion betreten. Durch einen freundlichen Gruß würden Sie signalisieren, dass Sie die Mitarbeiter sehen, wahrnehmen und respektieren. Das steht hier nun wirklich nicht zur Debatte.

Sprechen Sie nicht mit Namen an!

Machen Sie sich bitte nicht die Mühe, die Namen Ihrer Mitarbeiter zu lernen und sie auch noch damit anzusprechen. Die Zeit können Sie sich sparen, da sie ja sowieso nicht so lange da sein werden und Sie ja auch weitaus Wichtigeres zu tun haben. Der Effekt wäre, dass Sie den Mitarbeitern sinnlosen Respekt entgegenbringen und sie sich auch noch wohlfühlen würden.

Übernehmen Sie keine Verantwortung!

Übernehmen Sie bitte zu keinem Zeitpunkt auch nicht den kleinsten Funken Verantwortung für Ihr eigenes Tun und Ihre Entscheidungen. Das würde Sie ins falsche Licht von Fairness rücken. Drücken Sie die Verantwortung an die gutgläubigen Mitarbeiter ab, die halten sowieso die Klappe. Wenn etwas schiefläuft, das Sie entschieden haben, zeigen Sie auf einen Ihrer Mitarbeiter und jubeln Sie ihm den Fehler unter. Sie sind schließlich der Chef im Ring und immer im Recht. Nutzen Sie diesen einmaligen Vorteil und verhalten Sie sich entsprechend.

Bleiben Sie immer schön autoritär!

Hauen Sie ordentlich auf den Tisch, ordnen Sie Aufträge und Arbeitsanweisungen an und lassen Sie um Himmels Willen keinerlei Widerworte zu. Das schränkt die Freiheit der Mitarbeiter so richtig ein. Der Schraubstock dreht sich langsam aber sicher fester und fester um den Brustkorb und nimmt die Luft zum Atmen. So fühlen sich die Mitarbeiter komplett unterlegen und unter Umständen in die Kinderzeit zurückversetzt. Werden Sie richtig laut, cholerisch und überheblich. Bestenfalls schaffen Sie es, den elterlichen Ton zu treffen und schüren so noch mehr Bitterkeit.

Halten Sie keine Regeln ein!

Sie sind der Chef. Erstens legen Sie die Regeln fest, und zweitens halten Sie sie auf gar keinen Fall ein, egal, was passiert. Sie gelten für die Mitarbeiter, nicht aber für Sie. Begeben Sie sich bloß nicht auf das Niveau der Mitarbeiter. Schaffen Sie sich Ihre Insel der Glückseligen, wo Sie und nur Sie sich wohlfühlen. Wo kämen Sie denn hin, wenn Sie jetzt auch noch Ihre eigenen Regeln befolgten? Sie würden doch voll und ganz unglaubwürdig.

Beziehen Sie niemanden in Ihre Entscheidungen ein!

Wer hat die Weisheit mit Löffeln gefressen? Genau: Sie. Daher gibt es an Ihren Entscheidungen nichts, aber rein gar nichts zu rütteln. Fällen Sie Ihre Entscheidungen im stillen Kämmerlein, holen Sie sich keinerlei Meinungen ein. Das würde Sie nur zu überflüssigem Grübeln veranlassen. Sie müssten abwägen und womöglich noch eine demokratische Entscheidung treffen. Darüber hinaus würde Ihr Blick für Ihre Präferenzen und Vorteile getrübt.

Seien Sie unbeherrscht!

Reißen Sie Mitarbeitern zum Beispiel Unterlagen aus der Hand, wenn Ihnen die Übergabe zu lange dauert, oder sie zu viele dämliche Fragen stellen. Das ist völlig legitim, denn es kommt gar nicht gut an, wenn sich ihre Mitarbeiter sich bei der Erledigung von Aufgaben dumm anstellen und nicht begreifen, was Sie von ihnen wollen. Fahren Sie dann so richtig aus der Haut, katapultieren Sie sich mit 180 Sachen direkt in die Krone der Palme und werfen Sie sämtliche Kokosnüsse, die Sie da oben finden.

Hängen Sie Ihre Arroganz raus!

Sie wissen es doch besser, schließlich haben Sie schon so viel Erfahrung gesammelt. Das Unternehmen, in dem Sie vorher gearbeitet haben, war dem jetzigen in sämtlichen Gegebenheiten überlegen. Kommentieren Sie diese Unzulänglichkeiten ruhig mit: „Hier ist ja die letzten 30 Jahre so ziemlich alles schief gelaufen“. Lassen Sie kein gutes Haar an Abläufen, Mitarbeitern oder auch anderen Führungskräften und Ihren Vorgängern. Setzen Sie dem Ganzen noch das i-Tüpfelchen auf: „Ich muss nicht hier sein. Ich könnte auch Brezeln verkaufen.“ Das gibt den Mitarbeitern erst richtig den Rest.

Geben Sie so wenig Informationen wie möglich!

Egal, ob es um Arbeitsanweisungen oder Ihren Urlaub geht: Halten Sie Informationen zurück. Es ist doch völlig irrelevant, wozu ein Mitarbeiter etwas tun soll, mit welchem Ziel, welchem Material und mit welchem Sinn. Noch weniger greifbar werden Sie, wenn Sie Informationen für sich behalten, die Ihren Urlaub betreffen. Es geht doch niemanden etwas an, wann Sie in Urlaub fahren, wie lange Sie bleiben und wann Sie wieder in der Firma sein werden. Überlassen Sie die Mitarbeiter sich selbst und genießen Sie das orientierungslose Rudern in der Luft und die verzweifelten Versuche, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner mit aussagekräftigen Erklärungen bei der Stange zu halten.

Demotivieren Sie offen!

Zeichnen Sie Auszubildende für ihr weiteres berufliches Leben, indem Sie sie gut ein halbes Jahr vor Ausbildungsende offen demotivieren. Das Einzige, was Sie dafür sagen müssen, ist: „Sie werden ja sowieso nicht übernommen.“ Das sitzt.

Machen Sie Versprechen und vergessen Sie sie!

Versprechen Sie Ihren Mitarbeitern das Blaue vom Himmel: Versetzungen, Gehaltserhöhungen, Prämien, Nachfolgeregelungen, Karrierelaufbahnen. Pfeifen Sie dabei direkt danach auf das, was Sie gesagt haben. Sie können sich jederzeit rausreden mit der schlechten Konjunktur, der Geschäftsleitung, die andere Ziele verfolgt als Sie. Seien Sie kreativ im Erfinden von Ausreden.

Halten Sie sich komplett aus Konflikten heraus!

Zwischen zwei Mitarbeitern schwelt ein Konflikt? Oder noch besser: Es schwelt ein Konflikt im Team? Machen Sie jetzt bloß keinen Quatsch und mischen sich ein. Halten Sie sich schön zurück und lassen Sie die Mitarbeiter sich gegenseitig die Köpfe einrennen. Das ist die natürliche Auslese. Der Bessere gewinnt. Schon müssen Sie sich nicht die Finger schmutzig machen und sich auf ewige Diskussionen einlassen, irgendetwas klären oder selbst Stellung beziehen. Haben Sie das Vertrauen in Ihre Mitarbeiter, dass sie es schaffen, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Wenn Sie lange genug ausharren und sich wegducken, führt dies unweigerlich zum Mobbing einzelner Mitarbeiter. Wunderbar. Mission erfolgreich erfüllt.

Schrauben Sie Aufmerksamkeiten zum Firmenjubiläum zurück!

Ihr Mitarbeiter ist seit zehn Jahren im Unternehmen? Dafür gab es vielleicht bisher eine finanzielle Zuwendung und einen Blumenstrauß? Wie schön, eine finanzielle Zuwendung – was soll das? Streichen Sie sie! Um Mitarbeiter zu vergraulen, ist ein Blumenstrauß absolut ausreichend. Das zieht insbesondere bei Männern sehr gut, denn die lieben Grünzeug. Ein netter Nebeneffekt ist, dass Sie dem Unternehmen durch die Einsparungen unschätzbare Reichtümer bescheren.

Bevorzugen Sie einzelne Mitarbeiter!

Vergessen Sie das Geschwätz von der Gleichbehandlung. Die hat sich selbst abgeschafft. Bleiben Sie konsequent dran und identifizieren Sie Ihre persönlichen Lieblinge unter den Mitarbeitern. Wer redet Ihnen nach dem Mund? Wer hängt Ihnen förmlich an den Lippen und widerspricht nicht? Diese Mitarbeiter haben es verdient, eine Sonderbehandlung von Ihnen zu erhalten. Dabei schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Ihnen wohlgesinnten Mitarbeiter machen Sie dadurch mundtot, und Sie haben voll und ganz die Oberhand über sie gewonnen. Die Stänkerer stellen Sie mit einer Ohrfeige in die Ecke und zeigen, wer hier die Hosen anhat.

Reden Sie hinten herum!

Wenn wir gerade bei Geschwätz sind: beteiligen Sie sich aktiv und verbreiten Sie Unwahrheiten über Ihre Mitarbeiter. Sie werden es Ihnen mit Unmut danken. Verdrehen Sie die Tatsachen zu Ihren Gunsten oder wie auch immer – völlig egal. Hauptsache Sie reden und verbreiten dadurch Gerüchte und schlechte Stimmung. Keine Sorge: Die Mitarbeiter bekommen das schon mit. Es kann unter Umständen eine Weile dauern, aber seien Sie sicher, dass es früher oder später herauskommt und Sie auch direkt damit in Verbindung gebracht werden. Dann sind Sie der Held.

Schmücken Sie sich mit fremden Federn!

Wenn Ihnen der Geschäftsführer eine Aufgabe überträgt, geben Sie diese direkt an einen Mitarbeiter weiter, der sie professionell umsetzt. Passen Sie den richtigen Moment ab, wenn der Geschäftsführer nach der Aufgabe fragt und gehen Sie dann mit ihm direkt zu dem Mitarbeiter, der sie erledigt hat. Zeigen Sie dem Geschäftsführer das tadellose Ergebnis. Wenn er jetzt die Umsetzung und Ihren Einsatz lobt, schlagen Sie zu und heimsen Sie sich diese Lorbeeren im Beisein des Mitarbeiters ein. Denken Sie daran herauszustellen, wie viel Arbeit Sie investiert haben und wie einfallsreich Sie an die Umsetzung gegangen sind. Verschwenden Sie bitte keinen Gedanken an den eigentlichen Macher: Der ist fertig, den haben Sie geliefert. Haken dran.

Lassen Sie Unterbrechungen bei Mitarbeitergesprächen zu!

Sind sie Ihnen nicht auch lästig, diese Mitarbeitergespräche? Dieses Gehabe von einer angenehmen und ungestörten Gesprächsatmosphäre. Pfeifen Sie drauf! Informieren Sie den Mitarbeiter weder rechtzeitig noch über das Thema des Gesprächs. Nehmen Sie sich maximal 15 Minuten Zeit dafür, halten Sie keine Getränke bereit, bereiten Sie sich nicht auf das Gespräch vor und lassen Sie so viele Störer wie möglich zu diesem Gespräch zu, die einfach den Kopf ins Büro stecken und Sie um Kleinigkeiten und vermeintlich unaufschiebbare Entscheidungen bitten.

Lassen Sie auch gleich die Türe zu Ihrem Büro offen. Aktivieren Sie sämtliche Social-Media-Kanäle und sehen Sie sich jede eingehende Nachricht an. Lassen Sie das Telefon laut gestellt. Leiten Sie Gespräche auf gar keinen Fall um, Sie sind doch wichtig und die Welt kann sich nicht ohne Sie weiterdrehen. Zeigen Sie Ihrem Mitarbeiter, wie wichtig Sie sind und wie unwichtig und uninteressant Sie das Gespräch mit ihm finden. Bleiben Sie an Ihrem Rechner sitzen und erledigen Sie nebenher wichtige Projekte, beantworten Sie E-Mails und gehen Sie ans Telefon. Der Mitarbeiter verlässt den Raum geteert und gefedert und seine Wut ist Ihnen sicher.

Fazit

Es gibt destruktive Verhaltensweisen von Führungskräften, die in ihrer Vielfalt kaum Grenzen kennen und in Mitarbeitern echten Unmut, tiefes Unverständnis und die sichere Demotivation bis hin zur inneren Kündigung auslösen. Die Zusammenstellung hier zeigt keine erfundenen Situationen. So traurig und vielleicht auch unglaublich es ist: Jede einzelne Situation ist echt und wurde so von Mitarbeitern erlebt.

Das lässt mich manchmal an unseren Führungskräften zweifeln. Wo ist die Menschlichkeit, wo die Empathie, wo der Respekt und die Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber? Wo ist die Einsicht, dass die Aufgabe der Führungskraft darin liegt, Mitarbeiter zu führen – und zwar zu beiderseitigem Erfolg? Wo sind die Selbstreflexion und die Authentizität der Führungskraft, die sich überlegt, warum sie Führungskraft ist beziehungsweise sein möchte? Zu oft stehen Umsatz, Gewinn und Stückzahlen im Fokus, während Mitarbeiter dabei durch das Raster fallen.

Aber: Die Führungskraft ist nicht der alleinige Buhmann. Selbstverständlich tragen auch Mitarbeiter zur gelungenen Führung bei, indem sie sich führen lassen, die Anstrengungen der Führungskraft erkennen und ebenso reagieren, wie sie es von der anderen Seite erwarten.

Gleichwohl möchte ich eine Lanze brechen für diejenigen Führungskräfte, die es schaffen, die aufgeführten Verhaltensweisen nicht zu leben, sondern mit Herzblut bei der Sache sind und ihre Mitarbeiter motivieren, respektieren, wertschätzen und ihnen als gleichwertige Kollegen auf Augenhöhe begegnen. Firmen und Führungskräfte, die Führung im Top-Down-Ansatz als Service am Mitarbeiter leben, erhalten durch ihren Erfolg recht: Plötzlich stimmen Umsatz, Gewinn und Stückzahlen, weil sie erkannt haben, dass die wichtigste Ressource im Unternehmen die Menschen sind. Wie formulierte Antoine de Saint-Exupéry so treffend: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“

Dieser Beitrag ist Teil des Sammelbands „Edition GABAL Verein“.

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