Arbeitstechniken für strukturiertes ArbeitenLesetechnik für schnelles Lesen

Wenn Sie für Ihre Arbeit immer wieder längere Texte lesen müssen, bei denen es Ihnen nur auf die Information oder Fakten ankommt, lesen Sie mit der richtigen Lesetechnik sehr viel schneller und können so sehr viel mehr Informationen verarbeiten.

So erfassen Sie die wichtigen Informationen in jedem Text in kurzer Zeit

Oft müssen wir umfangreiche Texte lesen, weil darin wichtige Informationen für unsere Arbeit stecken können. Das können Protokolle, Berichte (Reports), Fachartikel, Handbücher, Gesetzesvorlagen, Leitlinien oder lange E-Mails sein. Immer ist wichtig, dass die wichtigen Informationen schnell identifiziert, gelesen und verarbeitet werden.

Wenn Sie die Texte, die Sie lesen, richtig nutzen und verarbeiten wollen, sollten Sie in der folgenden Weise vorgehen. Diese Regeln gelten nicht nur für Bücher oder Zeitschriften, Sie können diese für alle Lesestoffe anwenden:

  1. Verschaffen Sie sich einen Überblick über den Lesestoff: Thema, Überschrift(en), Inhaltsverzeichnisse, Zusammenfassungen, Diagramme, Bilder etc.
  2. Nehmen Sie sich dann wenige Minuten Zeit, um sich selbst zu fragen: Warum will ich das Folgende lesen? Schreiben Sie in Stichworten drei bis fünf Fragen auf, zu denen Sie sich eine Antwort erwarten. Sie können diese stichwortartig auch in der Form einer Mindmap auf Papier schreiben.
  3. Lesen Sie dann in Ihrer Lesegeschwindigkeit. Unterstreichen Sie dabei die Sinnträger, das heißt die Schlüsselbegriffe in Bezug auf Ihre Fragen. Sie können am Rand auch Symbole anbringen, deren Bedeutung für Sie verständlich ist. (Hinweis: Wie Sie gezielt Ihre Lesegeschwindigkeit steigern, erfahren Sie unten.)
  4. Rekapitulieren Sie nach jedem Kapitel, indem Sie zu Ihren ursprünglichen Fragen Stichwörter und Antworten aufschreiben. Sie können auch die Mindmap, die Sie begonnen haben, ergänzen.
  5. Wiederholung: Falls Sie sich die Inhalte merken müssen, sollten Sie 50 Minuten lesen und dann 10 Minuten das Gelesene wiederholen. Erstellen Sie dazu aus Ihren Stichwörtern Checklisten oder Mindmaps, die Sie später für die Wiederholung und den Selbsttest nutzen können.

Um einen längeren Text schnell und richtig zu erfassen, ist die Vor- und Nachbereitung genauso wichtig, wie das Lesen selbst. Wer mit konkreten Fragen in einen Text einsteigt, wird die Antworten wesentlich schneller und genauer finden.

Markieren Sie im Text nur die passenden Antworten auf Ihre Fragen

Bringen Sie während des Lesens Textmarkierungen an, die helfen, den Text zu erschließen. Das kann dadurch erfolgen, dass wichtige Schlüsselbegriffe unterstrichen oder farbig markiert werden. Wichtige Passagen können unterstrichen oder am Rand markiert werden. Was wichtig ist, ergibt sich aus den eingangs formulierten Fragen; das können Definitionen, Merksätze, neue Ideen, wichtige Fakten, Zusammenfassungen oder nutzbare Zitate sein. Ziel der Markierungen ist es, das Wesentliche schnell zu erfassen und die benötigten Informationen zu entnehmen. Deshalb auf keinen Fall zu viel markieren.

Schnelllesetechnik für die schnelle Informationsverarbeitung

Die meiste Zeit benötigen Sie für das Lesen. Wenn Sie Ihre Lesegeschwindigkeit verdoppeln, ohne die Merkleistung zu verringern, können Sie die halbe Zeit einsparen. Dies und noch höhere Leseleistungen erreichen Sie mit der folgenden Technik und Übung:

  1. Suchen Sie sich einen trivialen Roman mit gut leserlichem Schriftbild, der Sie gar nicht interessiert.
  2. Nehmen Sie sich für die Übung etwa zehn Minuten Zeit jeweils an 30 Tagen hintereinander. An den ersten beiden Tagen sollten Sie die Übung etwa drei bis fünf Mal je zehn Minuten durchführen.
  3. Besorgen Sie sich eine Uhr, um genau zehn Minuten stoppen zu können.
  4. Zählen Sie, wie viele Wörter eine Seite Ihres Buches enthält: Zählen Sie die Wörter der ersten zehn Zeilen durch, teilen Sie durch zehn, zählen Sie die Zeilen einer Seite, blättern Sie etwa zehn Seiten durch, schätzen Sie dabei ab, wie viel Prozent Sie aufgrund halber Zeilen und Überschriften abziehen müssen. Multiplizieren Sie dann die durchschnittliche Zahl an Wörtern pro Zeile mit der Zeilenzahl und dem Halbe-Zeilen-Faktor.
  5. Lesen Sie zunächst 10 Minuten, so wie Sie immer lesen und gehen Sie zu den Schritten neun und zehn. Damit bestimmen Sie Ihr Ausgangsniveau. Dann kommen Sie zu Schritt sechs zurück.
  6. Nun geht die Übung los: Lesen Sie zehn Minuten so schnell es geht. Lesen Sie dazu mit dem Finger. Ziehen Sie den Finger möglichst schnell und kontinuierlich – ohne Stoppen oder Zurückgehen – über jede einzelne Zeile. Folgen Sie mit dem Auge Ihrem Finger – und sonst nichts. Es kommt nicht darauf an, wie viel Sie vom Inhalt des Textes verstanden haben. Sie sollten aber den Eindruck haben, jedes Wort gesehen zu haben.
  7. Zwingen Sie sich, das Auge mit dem Finger immer schneller zu ziehen. Lassen Sie das Auge folgen. Wichtig dafür ist, dass Sie eine angenehme Sitzposition haben und das Buch schnell umblättern können.
  8. Schneller, schneller, schneller. Das langsamste Glied beim Lesen ist Ihre Augenbewegung. Mit dem Finger zwingen Sie Ihr Auge, schneller zu werden.
  9. Nach exakt zehn Minuten stoppen Sie. Zählen Sie die Seiten, die Sie gelesen haben. Multiplizieren Sie mit der Anzahl der Wörter pro Seite und dividieren Sie das Ergebnis durch 10. Dann haben Sie Ihre gelesene Wort-Zahl pro Minute.
  10. Diesen Wert tragen Sie in ein Lese-Diagramm.
  11. Diese Übung wiederholen Sie die ersten beiden Tage etwa drei bis fünf Mal am Tag. Dann sollten Sie über etwa weitere 30 Tage jeden Tag zehn Minuten üben und Ihre Wort-Zahl pro Minute in die Lesegrafik eintragen.
  12. Nach etwa zehn Übungseinheiten sollten Sie die Geschwindigkeit soweit reduzieren, dass Sie den Text so verstehen, wie Sie ihn vorher auch verstanden haben. Insbesondere sollten Sie die Informationen sehr schnell identifizieren, lesen und verarbeiten, die für Ihre Fragen und Ihr Leseinteresse wichtig sind. Nur um diese geht es. Auch wenn Sie etwas langsamer lesen, um diese Informationen zu erfassen, liegen Sie dennoch sehr wahrscheinlich deutlich über Ihrem Ausgangsniveau. Vergleichen Sie dazu Ihre Werte in Ihrem Lese-Diagramm.

Sie sollten nur üben, wenn Sie echten Trainingswillen haben. Der schnelle Erfolg wird Ihnen Mut machen. Kalkulieren Sie Lernplateaus ein. Nach einigen Übungen geht es scheinbar nicht voran, später werden Sie aber noch einmal besser.

Ihr Ausgangsniveau wird möglicherweise zwischen 100 und 200 Wörtern pro Minute liegen. Schon nach fünf bis zehn Übungseinheiten liegen Sie mit der Technik möglicherweise bei 1.000 Wörtern. Und auch diesen Wert können Sie deutlich erhöhen. Wichtig: Üben Sie!

Praxis

Wenn Sie oft umfangreiche Texte und viele Informationen lesen und verarbeiten müssen, lohnt es sich, eine Schnelllesetechnik zu lernen. Eine mögliche Technik ist die oben beschriebene. Wichtig ist immer die gute Vorbereitung des Lese-Interesses und das Üben der Schnelllesetechnik.

Nutzen Sie die folgende Vorlage, wenn Sie in ein Trainingsprogramm für das Schnell-Lesen mit der genannten Methode einsteigen wollen. Damit können Sie Ihre Erfolge sichtbar machen.

Manchmal kann es wichtig sein, dass Sie sich Informationen merken oder auswendig lernen. Dann hilft die Methode der Merkworte, die im folgenden Abschnitt beschrieben wird.