SelbstzweifelImpostor-Syndrom bei Mitarbeitern – Ursachen, Folgen, Hilfe

Unter dem Impostor-Syndrom oder Hochstapler-Syndrom leiden Menschen, die Überdurchschnittliches leisten und sich selbst unterschätzen. Unsere Tipps helfen betroffenen Führungskräften bei der Kommunikation. Außerdem erfahren Sie mehr über Ursachen und Folgen des Impostor-Syndroms.

Was ist das Impostor-Syndrom?

Die Begriffe Hochstapler-Syndrom und Impostor-Syndrom sind synonym. Wer sie zum ersten Mal hört, denkt sofort an den klassischen Hochstapler, der sich und seine Fähigkeiten besser darstellt, als sie tatsächlich sind.

Menschen mit Impostor-Syndrom verhalten sich jedoch genau gegenteilig: Sie arbeiten hart, um sich und andere von ihrer Eignung zu überzeugen. Doch Erfolge und Lob von außen gleichen die starken Selbstzweifel nicht aus. Stattdessen glauben betroffene Personen, dass ihr Erfolg auf Glück beruht, nicht aber auf Können, Fleiß oder gar Talent.

Das Selbstbild der Betroffenen lässt sich so beschreiben:

Meine Leistungen waren nur so gut, weil ich Glück hatte. Wer weiß, ob ich beim nächsten Mal wieder überzeugen kann. Denn eigentlich bin ich nicht so gut, wie alle anderen glauben.

Folgen das Impostor-Syndroms

Auf Menschen mit Impostor-Syndrom lastet ein hoher Druck, der zwar zu überdurchschnittlichen Leistungen führt, aber auch Energie raubt. Der dauerhaft hohe Stresspegel kann sich negativ auf die psychische und physische Gesundheit auswirken.

Psychosomatische Symptome

Betroffene Mitarbeiter leisten während ihrer Anwesenheit viel, sind aber häufiger krankheitsbedingt abwesend. Psychosomatische Symptome wie Magenbeschwerden, Kopfschmerzen und Verspannungen ignoriert man nicht dauerhaft. Die Symptome kehren wieder und dauern an – vor allem, wenn sich am Verhalten und an der inneren Einstellung nichts ändert.

Kündigung durch Betroffene

Gibt es in Ihrem Team oder im Unternehmen einen Mitarbeiter mit Impostor-Syndrom, freuen Sie sich nur kurzfristig über die sehr guten Leistungen, das Engagement und die auffallend hohe Motivation. Auf lange Sicht zahlen sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen einen Preis.

Denn bei den Betroffenen kommt es zu häufigen Fehlzeiten. Im Team kann eine schlechte Stimmung entstehen und im schlimmsten Fall kündigt der betroffene Mitarbeiter. Menschen mit Hochstapler-Syndrom glauben nämlich häufig, sie seien Herausforderungen nicht mehr länger gewachsen.

Wegen der Angst, sich und andere zu enttäuschen, kündigen sie die aktuelle Stelle. Aus Sicht der Führungskraft und des Teams ist dieser Schritt weder vorhersehbar noch nachvollziehbar.

Umgang mit Menschen mit Impostor-Syndrom

Sie vermuten, eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter leidet am Impostor-Syndrom? Durch gezielte Kommunikation und aktives Handeln können Sie dem Betroffenen wenigstens bedingt helfen.

Bieten Sie Hilfe zur Selbsthilfe an, indem Sie Ihre Beobachtungen sachlich schildern. Vielleicht wird sich der Mitarbeiter mit Impostor-Syndrom erst dadurch seines Problems bewusst und sucht Rat bei einem Psychologen.

Anhand der folgenden Beispiele erkennen Sie, welche Details während der Kommunikation entscheidend sind.

Beispiel: Falsches Verhalten bei Impostor-Syndrom

Treffen Sie keine generalisierenden oder vergleichenden Aussagen, wie:

Du hast das wie immer sehr gut gelöst. Ich habe nichts anderes erwartet.

Diese Aufgabe wirst du mit Bravour meistern; ich verlasse mich auf deine Fähigkeiten.

Niemand sonst hätte das so gut/ so schnell gelöst wie du.

Beispiel: Richtiges Verhalten bei Impostor-Syndrom

Stattdessen beziehen Sie sich nur auf eine (abgeschlossene) Aufgabe und ziehen keine Vergleiche. Bieten Sie Unterstützung an.

Du hast diese Aufgabe gut gelöst, weiter so.

Falls Probleme auftauchen, wende dich an mich oder Kollegen; wir finden gemeinsam eine Lösung.

Tipps für Betroffene und Führungskräfte

Ganz gleich, ob Sie Anzeichen für das Hochstapler-Syndrom bei sich selbst oder bei anderen beobachten: Handeln Sie jetzt, um weder die Gesundheit noch die Karriere zu gefährden. Dazu tragen die folgenden Tipps bei, die Sie an betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weitergeben können.

Tipp 1: Verinnerlichen Sie die eigenen Stärken

Vergleichen Sie sich weder mit Menschen auf der gleichen Hierarchieebene noch mit Ihren Mitarbeitern oder Vorgesetzten.

Verinnerlichen Sie stattdessen folgenden Ansatz: Sie verfügen über die nötige Erfahrung, die Qualifikationen und das fachliche Know-how – sonst hätte man Sie nicht eingestellt oder Ihnen längst gekündigt.

Tipp 2: Blicken Sie auf Erfolge zurück

Um das Vertrauen zu sich selbst zu stärken, blicken Sie regelmäßig auf Erfolge zurück.

Haben Sie konkrete Ziele erreichen, kniffelige Projekte abgeschlossen oder eine angestrebte Position eingenommen? Dann schreiben Sie sich den Erfolg auf und blicken Sie während Phasen akuter Selbstzweifel darauf zurück.

Tipp 3: Ändern Sie Ihre Wortwahl

Bei den meisten Menschen spiegelt sich die Denkweise in der Sprache wider.

Sagen Sie nicht:

Ich hatte nur Glück.

Sagen Sie stattdessen:

Ich habe alles gegeben und habe mir deshalb den Erfolg verdient.

Treffen Sie ab sofort keine Aussagen mehr, mit denen Sie Ihre Person, Ihr fachliches Know-how oder Ihre Kompetenz anzweifeln.

Sätze wie die folgenden sind tabu:

Jeder andere hätte das auch geschafft.

Wer weiß, ob ich das beim nächsten Mal genauso gut hinbekomme.

Wenn Sie jemand lobt, nehmen Sie das Lob an und erwidern Sie im Zweifel lieber nichts. Diesen Einwand sparen Sie sich ab sofort:

„Nicht der Rede wert.“

Stattdessen nehmen Sie das Lob dankend an oder schweigen schlichtweg.

Mögliche Ursachen für das Impostor-Syndrom

Man geht davon aus, dass die Ursachen in der eigenen Persönlichkeit begründet sind. Diese bildet sich im Laufe des Lebens zum einen durch die Erziehung und zum anderen durch genetische Faktoren und Umweltfaktoren aus.

Sind Menschen in einem eher bildungsfernen Umfeld aufgewachsen und arbeiten als Erwachsene in einem eher akademischen Umfeld, neigen sie tendenziell zu Selbstunterschätzung.

Es gibt keine eindeutigen Belege, dass dieser oder jener Charakterzug die Entwicklung des Impostor-Syndroms begünstigt. Aber eines ist sicher: Das berufliche Umfeld kann für Betroffene eine Stütze sein.

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