MotivationMitarbeitermotivation fördern und nutzen

Was einen Menschen motiviert, hängt stark von seinen individuellen Motivatoren ab. Außerdem spielen seine Werte, Bedürfnisse und die jeweilige Situation eine wichtige Rolle. Deshalb kann Motivation nicht einfach erzeugt oder gesteuert werden. Worauf Führungskräfte dennoch achten können: Mitarbeiter nicht demotivieren und Motivatoren individuell ansprechen.

Jeder Mensch hat andere Motivatoren

Motivation ist ein nur schwer begreifbares Phänomen. Ein Mitarbeiter macht die eine Aufgabe sehr gerne, eine Mitarbeiterin etwas ganz anderes, und ein dritter Kollege scheint durch gar nichts zu begeistern zu sein. Die Motivatoren jedes einzelnen Menschen bestimmen, wodurch er motiviert ist, sodass er die gewünschten oder sogar herausragenden Leistungen bringt. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass jeder Mensch andere Motivatoren hat!

Beispiel: Wenn Sie sich zum Mittagessen verabreden, so sieht die eine Person darin die Möglichkeit, ein Projekt zu besprechen; die andere ist durch den geselligen Aspekt motiviert, zum Mittagessen mitzukommen.

Oft glauben Vorgesetzte, dass die eigenen Motivatoren auch für die Beschäftigten gelten. Die Führungskraft versucht ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann in derselben Art anzusprechen und zu motivieren, wie sie es bei sich selbst tut. Das führt mitunter zu schlechten Ergebnissen – und erzeugt keine Motivation oder führt sogar zu Demotivation.

Wie Sie als Führungskraft nicht demotivieren

Viele Menschen glauben, es wäre anstrengend, aufwendig oder riskant, wenn sie aktiv werden. Sie fokussieren nicht auf die positiven Effekte, Erlebnisse und Ergebnisse, die sie erreichen können, wenn sie aktiv werden. Führungskräfte nutzen die Kräfte des Bedrohens, Bestrafens, Bestechens, Belohnens oder Belobigens, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren. Diese Mittel der Mitarbeitermotivation sind in ihrer Wirkung aber sehr beschränkt. Da es schwierig ist, Menschen zu motivieren, empfehlen viele Experten, wenigstens nicht zu demotivieren. Dafür gibt es drei Ansatzpunkte:

  • Fordern: Vorgesetzte können und müssen klare Forderungen stellen, sie können Ziele vorgeben und Vereinbarungen treffen und die Erfüllung kontrollieren. Das sollte im gemeinsamen Gespräch erfolgen.
  • Konsens herstellen: Das bedeutet, dass Führungskräfte Sinn vermitteln, der von den Beschäftigten nachvollziehbar ist und akzeptiert wird.
  • Freiräume schaffen: Sie ermöglichen es, selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen, Freiräume in der Arbeitsgestaltung zu haben, Zeit zu haben für kreative Tätigkeiten und für das Lernen.

Damit schaffen Sie als Führungskraft die Rahmenbedingungen, mit denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv werden können. Sie bieten den Freiraum, damit Bedürfnisse befriedigt und Motivatoren zur Geltung kommen können.

Grundlegende Bedürfnisse und Motive des Menschen ansprechen

Warum Menschen mal das eine, mal das andere Motiv bevorzugen, hängt unter anderem an ihren psychischen Grundbedürfnissen, die für das Wohlbefinden und die Zufriedenheit wichtig sind. Wesentliche Grundbedürfnisse sind:

  • Orientierung und Kontrolle
  • Lustgewinn und Unlustvermeidung
  • Bindung
  • Selbstwerterhöhung

Um diese Bedürfnisse zu befriedigen, entwickeln Menschen entsprechende motivationale Ziele. Aus den Grundbedürfnissen werden in der Psychologie drei Motivklassen abgeleitet. Diese treiben alle Menschen an. Allerdings unterscheiden sich die Menschen darin, welche Motivklasse am stärksten und welche weniger stark antreiben. Die Motivklassen sind:

  • Leistung: Menschen wollen ihre Leistung an nachvollziehbaren und eindeutigen Standards messen.
  • Macht: Menschen streben danach, auf andere Einfluss auszuüben, Prestige und Status zu erwerben.
  • Anschluss und Bindung: Menschen wollen mit anderen in Kontakt kommen, eine positive Beziehung aufbauen und aufrechterhalten.

Wie Sie die Mitarbeitermotivation fördern können

Die Personalentwicklerin Sabine Gläser gibt folgende Tipps auf ihrer Webseite personalentwicklungsberatung.de, wie Sie die Mitarbeitermotivation fördern können:

  • Erkennen Sie die Leistungen Ihrer Mitarbeiter an: Die Anerkennung muss ehrlich sein und von Herzen kommen. Sie bedeutet für den Mitarbeiter positive menschliche Zuwendung und persönliche Beachtung, Zugewandtheit, ehrliches Interesse, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit.
  • Übertragen Sie Verantwortung – so viel wie möglich.
  • Setzen Sie Ziele (eventuell auch Zwischenziele) – in jedem Fall sollten es erreichbare Ziele für den Mitarbeiter sein.
  • Zeigen Sie, dass Ihnen der Mitarbeiter wichtig ist: Gratulieren Sie beispielsweise zum Geburtstag und fragen Sie ab und zu nach dem Befinden.
  • Lassen Sie Ihre Mitarbeiter an Entscheidungsfindungen mitwirken; diskutieren Sie gemeinsam mögliche Lösungen.
  • Informieren Sie Ihre Mitarbeiter.
  • Fordern Sie Leistung und vermitteln Sie eine positive Erwartungshaltung – trauen Sie Ihren Mitarbeitern etwas zu.
  • Helfen Sie bei Schwierigkeiten und suchen Sie gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern nach Lösungswegen. Aber: Nehmen Sie die Arbeit Ihrem Mitarbeiter nicht ab!
  • Geben Sie Rückmeldungen über Ihre Wahrnehmungen zu den Leistungen und Problembewältigungsstrategien.
  • Nehmen Sie Ihre Mitarbeiter als Persönlichkeiten mit individuellen Wünschen und Zielen wahr und ernst.
  • Stellen Sie eine partnerschaftliche Zusammenarbeit und Beziehung her.
  • Geben Sie Zeit und Raum für kreative Aufgaben und für das Lernen.
  • Hören Sie aktiv zu, um einen Einblick in die Werthaltungen, Gefühle und Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter zu erhalten.
  • Verzichten Sie auf demotivierende Faktoren wie: Wahrung starker persönlicher Distanz, mangelndes verbindliches, wohlwollendes Verstehen, Besserwisserei, Treffen einsamer Entscheidungen, mangelnde Rückmeldungen, mangelnde Bereitschaft zuzuhören und auf den anderen einzugehen.

Tipp: Wie Sie aufmerksam Zuhören und kommunizieren

Einen großen Einfluss auf die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist die Art und Weise, wie sie miteinander umgehen und kommunizieren. In den Handbuch-Kapiteln zu den Themen Zuhören, Kommunizieren als Führungskraft und Beziehung zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern erhalten Sie dazu Tipps und weiterführende Erläuterungen.

Motivationsanalyse zur Leistungssteigerung

Als Führungskraft kann man Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht motivieren, damit diese ihre Leistung steigern. Man kann Situationen schaffen, die für die Motivation förderlich sind. Und man kann Reize setzen, die auf die individuellen Motive und Motivatoren ausgerichtet sind. Deshalb helfen folgende Fragen, wenn es um die Motivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geht:

  • Welche Motive steuern meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und wie kann ich Reize setzen, um diese zu aktivieren?
  • Wie kann ich zur Motivation beitragen, indem ich beispielsweise Hindernisse aus dem Weg räume?
  • Welche Rahmenbedingungen kann ich schaffen, dass meine Mitarbeiter von sich aus motiviert aktiv werden?

Wenn Sie die Motive, Motivationsfaktoren oder Motivatoren Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und von sich selbst kennen, können Sie diese gezielt zur Leistungssteigerung einsetzen. In Bezug auf Ihre Beschäftigten können Sie gezielt solche Aufgaben an diese delegieren, die deren Motivatoren ansprechen. Dann erhalten Sie in den meisten Fällen deutlich bessere Ergebnisse. Sie nutzen das vorhandene Potenzial.

Praxis

Einflussfaktoren auf die Mitarbeitermotivation kennen

Gehen Sie die Einflussfaktoren in der folgenden Vorlage durch und betrachten Sie die mögliche Wirkung auf die Mitarbeitermotivation in Ihrem Verantwortungsbereich. Notieren Sie anschließend in der Vorlage:

  • Welche Einflussmöglichkeiten haben Sie auf Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
  • Welche Aspekte können Sie verändern?
  • Welche wollen Sie verändern und was wollen Sie dafür im Einzelnen tun?

Motivationsfaktoren anhand von früheren Erfolgen analysieren

Was den einzelnen Mitarbeiter, die Mitarbeiterin und auch Sie selbst motivieren kann, lässt sich in etwa dadurch ermitteln, dass Sie folgende Aspekte betrachten und reflektieren:

  • Schreiben Sie eine Liste auf mit Beispielen von Situationen, in denen Sie besonders gute Leistungen erbracht haben, wofür Sie gelobt wurden oder Anerkennung erfahren haben. Sammeln Sie mindestens drei Beispiele.
  • Stellen Sie sich für eines der Beispiele die damalige Situation mit allen Details vor, die Ihnen noch einfallen. Denken Sie an Einzelheiten des Umfelds, Ihres Selbstgesprächs und an Gründe, warum Sie in dieser Situation motiviert waren und aktiv geworden sind.
  • Fertigen Sie dann eine Mindmap (siehe Abbildung 3) an, die alles enthält, was Ihnen wieder einfällt.
Abbildung 3: Mindmap zur Analyse des Erfolgserlebnisses

Nutzen Sie für Ihre Mindmap eine der folgenden Vorlagen.

Auswertung der Motivationsfaktoren

Analysieren Sie Ihre Mindmap mithilfe der folgenden Vorlage. Klären Sie dabei insbesondere:

  • Welche Merkmale passen am besten zu den von Ihnen in der Mindmap genannten Punkten?
  • Welche Motivatoren oder Motivationsfaktoren sind für Sie deshalb wichtig?
  • Was scheint Sie zu motivieren?

Nutzen Sie das Ergebnis, um sich auch zukünftig für wichtige Aufgaben zu motivieren. Sie können beispielsweise versuchen, die Rahmenbedingungen entsprechend zu gestalten.

In Bezug auf Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können Sie beispielsweise beim Delegieren von Aufgaben besonders auf die motivierenden Faktoren abheben; nutzen Sie das Beispiel in der folgenden Vorlage.

Eigene Einschätzung zur Motivation prüfen

Eine gute eigene Einschätzung der Motivationsfaktoren hängt davon ab, wie gut das Eigenbild und das Fremdbild zusammenpassen:

  • Erzählen Sie die Ihr Erfolgserlebnis einer vertrauten Person, die Sie sehr gut kennt, und lassen Sie die Person ebenfalls eine Einschätzung vornehmen.
  • Vergleichen Sie Ihre Einschätzung zu den eigenen Motivationsfaktoren mit denen Ihres Gesprächspartners.

Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivieren, ist, dass Sie selbst motiviert sind und als Vorbild vorangehen. Doch das fällt allen Menschen nicht immer leicht. Im folgenden Abschnitt dieses Handbuch-Kapitels erfahren Sie, wie Sie die Selbstmotivation fördern können, wie Sie sich anspornen und dabei realistisch bleiben.