Roadmap entwickelnZiele, Anwendungsbereiche und Vorteile des Roadmappings

Das Roadmapping ist ein aufwendiger Prozess. An dessen Ende können aber wertvolle Informationen für Ihre Strategie und Unternehmensplanung stehen. Dazu müssen Sie zu Beginn des Roadmappings Ziele festlegen, den Anwendungsbereich abstecken und Fragen formulieren, zu denen die Roadmap Antworten liefern soll.

Roadmaps sind Landkarten, die mögliche Wege in eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens aufzeigen. In ihnen sind Technologien, Kompetenzen, Produktkomponenten, Produktmerkmale sowie Kundenanforderungen und Marktentwicklungen benannt und deren Zusammenspiel und langfristige Entwicklung visualisiert. Die Darstellung dieser Elemente soll helfen, Treiber und Handlungsfelder zu identifizieren, die für das Unternehmen und seine Zukunft wichtig sind. Daraus kann es einen Plan ableiten, welche Projekte, Aktionen und Maßnahmen es umsetzen will.

Welche Elemente und welche Informationen in einer Technologie- oder Produkt-Roadmap zusammengefasst werden, hängt von den Zielen ab, die damit verfolgt werden. Diese müssen im ersten Schritt definiert werden.

Ziele des Roadmappings

Eine entscheidende Komponente bei der Erstellung einer Roadmap ist die intensive Auseinandersetzung mit der Zukunft. Das Unternehmen verfolgt damit das Ziel, wichtige Entwicklungen in unterschiedlichen Bereichen zu prognostizieren und abzuschätzen, um frühzeitig durch eigene Maßnahmen darauf reagieren oder proaktiv agieren zu können. Weitere Ziele des Roadmappings sind:

  • Entwicklungen werden sichtbar gemacht und in anschauliche Bilder und Landkarten – Maps – übersetzt, die dann Grundlage für interne Diskussionen sind. Sie regen die wichtige Kommunikation über die Zukunft des Unternehmens an.
  • Daraus werden Maßnahmenpläne, Projekte, Aktionen oder Handlungen abgeleitet, mit denen das Unternehmen seine Zukunft erfolgreich meistern und Potenziale ausschöpfen will. Die Roadmaps dienen als Integrationsinstrument, um wichtige Aktivitäten zur Produktplanung und zum Technologieeinsatz in eine gemeinsame Richtung zu lenken – nämlich auf die Entwicklungen des Marktes, die Anforderungen der Kunden und die Erwartungen der Stakeholder.

Anwendungsbereiche einer Roadmap

Diese allgemeinen Ziele machen deutlich, dass Roadmaps für unterschiedliche Bereiche entwickelt und eingesetzt werden können. Hier einige Beispiele:

  • Produkt-Roadmaps verbinden externe Marktentwicklungen und Wettbewerbsstrategie des Unternehmens mit konkreten Plänen zur Produktentwicklung, für neue Produktmerkmale, Produktfunktionen oder ganz andere Geschäftsmodelle.
  • Technologie-Roadmaps machen sichtbar, welche Technologien für die Produkte selbst sowie für die Herstellung der Produkte eingesetzt werden können, welche Kompetenzen dabei notwendig sind und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen. So kann das Unternehmen seine technologische Basis, Produktkomponenten, ergänzende Services und innovative Fertigungs- oder Planungsverfahren darauf anpassen.
  • Branchen-Roadmaps beschreiben die Entwicklungen in einer Branche, gemeinsame Visionen von Unternehmen, Veränderungen der Rahmenbedingungen oder Bedrohungen für die Unternehmen der Branche insgesamt.
  • Wissenschafts- und Technologie-Roadmaps greifen Erfindungen, Patente, Erkenntnisse, Forschungs- und Entwicklungsergebnisse aus der Wissenschaft und Praxis auf und zeigen Potenziale für ihre wirtschaftliche Verwertbarkeit auf.
  • Kompetenz-Roadmaps zeigen, welches Know-how, welche Kompetenzen und Einstellungen von Mitarbeitern eines Unternehmens zukünftig wichtig oder notwendig sind, um die veränderten Kundenbedürfnisse befriedigen zu können. Dazu zählen auch die Kompetenzen, mit neuen Technologien umgehen zu können.
  • Projekt-Roadmaps machen den Ablauf und den Aufbau von komplexen Projekten oder Projektfamilien sichtbar. Sie lassen sich mit groben Ablaufplänen oder Balkenplänen (Gantt-Diagramm) vergleichen, die wichtige Arbeitspakete, Meilensteine oder Teilprojekte in Beziehung setzen und den zeitlichen Verlauf darstellen. Damit sollen Lenkungskreise und Unternehmen ihre Projektorganisation strategisch ausrichten.

Vorteile des Roadmappings, Nutzen einer Roadmap

Diese Auseinandersetzung mit der Zukunft und ihre Abbildung in Roadmaps können für Unternehmen zahlreiche Vorteile haben. So lassen sich beispielsweise Entwicklungszeiten für Produkte verringern. Das Unternehmen kann die sogenannte Time to Market reduzieren, indem es schon langfristig Vorarbeiten durchführt, deren Ergebnisse dann schnell in Produkte überführt werden können.

Die Entwicklungskosten können reduziert werden, indem abteilungsübergreifende Roadmaps für alle sichtbar machen, was in welchen Abteilungen geforscht und bearbeitet wird. So wird Doppelarbeit vermieden. Außerdem können Ideen und Projekte gezielt beschleunigt oder gebremst werden – in Abhängigkeit davon, wie offen der Entwicklungsweg auf der Landkarte gerade ist.

Fehlschläge bei der Produktentwicklung werden verringert. Denn mit der Produkt- und Technologie-Roadmap wird sichtbar, wann welche Kundenanforderungen und Marktentwicklungen voraussichtlich wichtig werden. Außerdem lässt sich erkennen, welche Technologien notwendig sind und welcher technologische Reifegrad vorliegen sollte. Daraus kann die Produktentwicklung ableiten, wann welche Produktfunktionen oder Produktkomponenten wirtschaftlich umgesetzt und angeboten werden sollten.

Aus den Budgets für Forschung und Entwicklung lässt sich mehr herausholen. Zunächst werden allgemeine Trends verfolgt und Basistechnologien entwickelt, die sich dann in unterschiedliche Produkte überführen lassen. Mit Roadmaps werden Möglichkeiten sichtbar, Technologien in mehreren Anwendungsfeldern zu nutzen oder zu recyceln.  

Mit Roadmaps wird Kunden und Partnern deutlich gemacht, wie das Unternehmen seine Zukunft – auch zum Wohle der Kunden und Partner – sieht und wie es Ziele erreichen will. Das schafft Perspektive, Sicherheit und Vertrauen, wichtige Werte für Kunden und Partner. Das Unternehmen fördert damit langfristige Bindungen. Die Botschaft einer Produkt-Roadmap kann dann zum Beispiel lauten: „Das sind die Produktfunktionen und Erweiterungen der Produktfamilie, die wir in den nächsten drei Jahren realisieren und Ihnen zur Verfügung stellen.“

Weitere Nutzenpotenziale von Roadmaps können sein:

  • Produkt- und Produktionstechnologien werden langfristig geplant;
  • die interne Kommunikation zwischen Produktentwicklung und Produktion wird unterstützt;
  • der Ressourceneinsatz wird transparent gesteuert;
  • Abhängigkeiten zwischen Projekten werden erkannt und Synergien können genutzt werden;
  • die Prozess- und Projektsicht im Rahmen der Technologieplanung wird verstärkt;
  • Veränderungen am Markt werden früher erkannt und die Reaktionsmöglichkeiten darauf verbessern sich;
  • durch Fokussierung und gezielte Steuerung der Projekte und Aktivitäten werden Kosten gespart.

Nutzen der Technologie-Roadmap

Neue Technologien sind oft der Beginn für bahnbrechende Innovationen, neue Produkte und Dienstleistungen und damit auch für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen. Wichtig ist, dass ein Unternehmen den Einsatz neuer Technologien zielgerichtet plant und die Potenziale für sich erschließt. Durch lange Vorlaufzeiten und Entwicklungszeiten ist es notwendig, dass gerade in diesem Bereich langfristig gedacht wird. Aus diesem Grund spielen Technologie-Roadmaps eine besonders wichtige Rolle. Sie schaffen die Grundlage für viele weitere Aktivitäten im Unternehmen.

Hinweis: Technologie-Roadmaps als Basis der Balanced Scorecard

Mit der Balanced Scorecard lässt sich der Erfolg eines Unternehmens anhand unterschiedlicher Ziele und Kennzahlen sichtbar machen. Der Erfolg baut nach dem BSC-Modell auf unterschiedlichen Faktoren auf. Grundlage ist die sogenannte Lern- und Entwicklungsperspektive. Dort geht es unter anderem um den Einsatz innovativer Technologien und die dafür notwendigen Kompetenzen. Eine Technologie-Roadmap ist insofern der langfristige Plan des Unternehmens, wie es die Grundlage für den Unternehmenserfolg nach dem BSC-Modell schaffen will. Ausführliche Erläuterungen zur BSC finden Sie im Handbuch-Kapitel Balanced Scorecard.

Der Einsatz einer neuen Technologie vollzieht sich in Beziehung zu Produkten, Prozessen, Funktionen, Marktentwicklungen, Mitarbeiterkompetenzen, Projekten oder der Organisationsstruktur, also zu allen unternehmerischen Elementen, die für den langfristigen Erfolg bedeutsam sein können. Somit können technologische Veränderungen auch für Unternehmen relevant sein, die eine einzelne Technologie selbst gar nicht einsetzen, deren Angebot aber damit verbunden ist – zum Beispiel Dienstleistungsunternehmen. Beispiel dafür sind die Technologien, die mit dem Internet und der weltweiten Verbindung von Rechnern und unzähligen Produkten seit vielen Jahren entwickelt werden.

Die Möglichkeit, Daten über schnelle Netzwerke und mithilfe von Millionen von Servern weltweit innerhalb von Sekundenbruchteilen zu verteilen, hat als Basistechnologie „Internet“ hat in den letzten Jahren nicht nur Computerunternehmen vor große Herausforderungen gestellt. Auch andere Branchen sind betroffen und werden es in Zukunft sein. Diese Herausforderungen und Aufgaben werden mit dem Schlagwort „Digitalisierung“ plakativ zusammengefasst. Beispiele dafür sind:

  • Der klassische Einzelhandel unterliegt durch die starke Konkurrenz mit unzähligen Online-Shops, Tauschbörsen oder Marktplätzen einem radikalen Wandel und macht teilweise ganz neue Geschäftsmodelle notwendig.
  • Verlage müssen ihre Informationen über Online-Kanäle anbieten, Bücher werden durch E-Books ersetzt, das klassische Anzeigengeschäft muss sich gegen Google-Anzeigen behaupten, Informationsdienste ersetzen Tageszeitungen, Artikel werden von Software (Bots) statt von Journalisten geschrieben.
  • Kunden informieren sich online und vergleichen Versicherungsangebote im Sekundenschnelle; Vergleichsportale werden zu wichtigen Vertriebspartnern; Kundenbeziehungen werden über mobile Apps gepflegt.
  • Banken sehen sich der Konkurrenz durch sogenannte Fin-Techs ausgesetzt, einfache Bankgeschäfte werden über das Smartphone und die Apps neuer Akteure abgewickelt und die Kontoführung könnte völlig unabhängig von einer Hausbank durch Blockchains organisiert werden. Womöglich werden Transaktionen unabhängig von etablierten Währungen über Bitcoins abgerechnet.

Oft sind neue Technologien für etablierte Unternehmen eine Bedrohung, wenn Wettbewerber diese schneller und zielgerichtet aufgreifen oder ganz neuartige Ersatzprodukte oder Dienstleistungen möglich werden. Andererseits können sie eine Chance sein, wenn das Unternehmen sich frühzeitig auf die Veränderungen einstellt, diese zu beherrschen lernt und daraus eigene Geschäftsmodelle ableitet. Diese übergreifende Sicht zeigt, dass unterschiedliche Roadmaps eng miteinander verbunden sein können; zum Beispiel Technologie- und Strategie-Roadmaps.

Praxis

Anwendung von Roadmaps prüfen

Prüfen Sie für Ihr Unternehmen oder Ihren Verantwortungsbereich, wofür Sie eine Roadmap entwickeln sollten.

  • In welchen Bereichen und für welche Aufgaben ist eine Roadmap hilfreich?
  • Welche Ziele verfolgen Sie mit der Roadmap?
  • Welchen Betrachtungszeitraum und Planungshorizont wollen Sie dabei beachten?

Mögliche Aufgabenstellungen können sein:

  • Vergleich mit Wettbewerb zur Ableitung einer Wettbewerbsstrategie mit Abgrenzung von Kompetenzen, Produktangeboten und Kommunikation
  • Erkennen der Branchenentwicklung mit neuen Märkten, neuen Anwendungsbereichen, neuen Kundensegmenten
  • Aufspüren von Trends und Entwicklungen bei wichtigen Kundengruppen, neue Kundenanforderungen und Erwartungen
  • Veränderungen bei gesetzlichen Rahmenbedingungen, Themen wie Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz oder Klima
  • Planung zum Einsatz von neuen, bislang nicht genutzten Technologien
  • Identifizieren von Forschungsschwerpunkten und möglichen Partnern aus Wissenschaft, Forschung und kooperierenden Unternehmen

Stellen Sie Anwendungsmöglichkeiten von Roadmaps für Ihr Unternehmen mithilfe der folgenden Vorlage zusammen.

Ziele des Roadmappings festlegen

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Roadmap? Halten Sie diese Ziele schriftlich fest und ermitteln Sie, wie Sie die Zielerreichung messen und sicherstellen können. Nutzen Sie für die Zielbeschreibung die folgende Vorlage.

Legen Sie dabei fest, wie Sie Kundenanforderungen, Trends und Marktentwicklung einerseits mit möglichen neuen Technologien und Aktivitäten der Wettbewerber andererseits in Beziehung bringen. Formulieren Sie dazu Fragestellungen wie:

  • Welche Technologie müssen wir bei Produkten und Produktion einsetzen, um Kundenanforderung XY zu erfüllen?
  • Welche Produktfunktionen haben Wettbewerber oder andere Branchen bereits entwickelt, die für unsere Produkte ebenfalls wichtig sind?
  • Wie soll das Produkt-Portfolio weiterentwickelt werden, um Kundenanforderungen abzudecken und im Wettbewerb erfolgreich zu sein?

Formulieren Sie Ihre Fragen und leiten Sie daraus Anforderungen ab an:

  • Unternehmensstrategie (und mögliche Veränderungen)
  • Marketingstrategie und Marketingaktionen
  • Produktentwicklung und (neue) Dienstleistungen
  • Technologieeinsatz und Kompetenzentwicklung

Halten Sie Ihre Fragen und Erkenntnisse in einer Übersicht wie in Abbildung 5 fest.

Abbildung 5: Fragestellungen für das Roadmapping identifizieren

Im den beiden folgenden Abschnitten dieses Handbuch-Kapitels geht es um die Entwicklung einer einzelnen Roadmap für eine ausgewählte Fragestellung. Sie erkennen, wie Sie dabei vorgehen sollten, welche Werkzeuge hilfreich sind und welche Informationen Sie dafür aufbereiten.

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