Business-Knigge USAKulturelle Unterschiede überwinden

Wie unterscheiden sich Amerikaner und Deutsche kulturell? Welche Auswirkungen hat das auf Geschäftsbeziehungen? Höflichkeit ist Trumpf. Aber welches Verhalten gilt in der USA als höflich? Der Business-Knigge hilft bei der Vermeidung von Missverständnissen.

Bei unseren europäischen Nachbarn sehen wir kulturelle Unterschiede. Bei Asiaten sowieso. Aber bei den US-Amerikanern? Dass es kulturelle Unterschiede gibt, bemerken wir erst, wenn etwas schief läuft.

Die englische Sprache, die „Lingua franca“ der Wirtschaft, ist uns geläufig wie keine zweite. Die vertraute Sprache lässt uns glauben, dass wir uns verstehen. Obwohl wir das gleiche Vokabular wie unsere Geschäftspartner verwenden, können sich die Assoziationen mit den Begriffen fundamental unterscheiden.

Begrüßung und persönliches Interesse unterscheiden

Die amerikanische Begrüßung „How are you?“ hat nicht die Bedeutung von „Wie geht es Ihnen?“ Sie sollten darauf keinesfalls mit der Darlegung ihres physischen und emotionalen Zustands antworten. Die Antwort lautet immer: „Fine, thanks“. Doch selbst das muss nicht immer sein und es geht auch ohne Antwort.

Die Kommunikation im amerikanischen Geschäftsleben ist hochgradig standardisiert. Die ungeschriebenen Gesetze werden von allen Beteiligten eingehalten. Eine freundliche Begrüßung ist Ausdruck der berufsbedingten Höflichkeit („professional courtesy“), nicht des persönlichen Interesses.

Privates und Geschäftliches trennen

Die professionelle Höflichkeit der Amerikaner ist Quell immer wiederkehrender Missverständnisse und Irritationen. Amerikaner gelten Deutschen als freundlich, aber oberflächlich. Deutsche sind für US-Bürger wiederum formal und ehrlich – bis hin zur Unhöflichkeit. Woher kommt das?

Nach dem Psychologen Kurt Lewin teilen die Amerikaner ihren Alltag in einzelne Abteilungen („compartments“) ein – etwa Arbeitswelt, Hobbys, Freizeit oder Weiterbildung. Menschliche Beziehungen werden einzelnen Abteilungen zugeordnet, weitere Verpflichtungen sind damit nicht verbunden. Vor diesem Hintergrund ist es einfach, freundlich und offen zu sein.

Ganz anders die Deutschen: Sie achten zwar zu Beginn sehr stark auf Formalität und Distanz. Sobald die Beziehung aber weiter fortgeschritten ist, kann eine Kommunikation über nahezu alle Bereiche hinweg stattfinden. Für US-Amerikaner werden dabei die Grenzen der Abteilungen überschritten.

Nicht zu viel Nähe in Begriffe hineininterpretieren

Die Trennung der Abteilungen erklärt auch das von Deutschen häufig kritisierte Rollenverhalten der Amerikaner. Amerikaner sprechen Geschäftspartner schnell mit dem Vornamen an oder laden sie beim ersten Gespräch gleich zu sich nach Hause ein. Nur einen Tag später können sie sich jedoch in Verkaufsverhandlungen als knallharte Gegenspieler erweisen – um sich dann später herzlichst vom „new friend Hans“ zu verabschieden. Die Erklärung: Hans ist einfach in zwei Abteilungen mit unterschiedlichen Kommunikationsstilen gelandet.

Wer als „friend“ angesprochen wird, sollte darin keine besondere Auszeichnung sehen. Die Begriffe „Freund“ und „friend“ sind nicht identisch. Auch die Einladung auf einen Besuch wird häufig falsch verstanden. Eine Einladung nach Hause ohne konkreten Termin ist lediglich eine Möglichkeit, das Gespräch höflich zu beenden.

Niemals unpünktlich sein

Was das Zeitverhalten anbelangt, so sind Deutsche wie Amerikaner monochron: Abläufe werden in einzelne Abschnitte unterteilt und eine Aufgabe wird nach der anderen erledigt.

Trotzdem gibt es auch im Zeitverhalten Unterschiede. So sind etwa nicht die Deutschen Meister der Pünktlichkeit, sondern die Amerikaner. Meetings beginnen auf die Minute genau. Ein gehetztes Zuspätkommen signalisiert nicht Geschäftigkeit und Arbeitsethos, sondern Unprofessionalität und schlechtes Zeitmanagement.

Angemessen loben und kritisieren

Deutsche Arbeitnehmer erwarten in der Regel kein besonderes Lob von ihren Vorgesetzen, wenn sie ihre Arbeit ordentlich machen. Bei Kritik wird erwartet, dass sie direkt ausgesprochen wird und nicht, dass um den heißen Brei herumgeredet wird. In den USA verhält es sich genau anders herum.

Amerikaner sind es gewohnt von kleinauf gelobt und angespornt zu werden: „You can do it!“ oder „Everyone can be a winner!“ Das Kritikverhalten ähnelt eher den Gepflogenheiten im asiatischen Raum als der deutscher Direktheit.

Kritik wird in den USA in Watte gepackt. Immer sollte man zuerst positive Aspekte der Leistung betonen. Die anschließende Kritik wird eher indirekt geäußert und sollte niemals vor einer Gruppe formuliert werden.

Am Ende sollte ein positiver Ausblick in die Zukunft gegeben werden. Ähnlich verhält es sich mit Misserfolgen – sie sind Stufen auf dem Weg zum Erfolg. Wer einmal geschäftlich gescheitert ist, ist durchaus noch kreditwürdig, schließlich wird er den gleichen Fehler nicht wieder machen.

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