FinanzplanungFinanzierungsarten zur Deckung des Kapitalbedarfs

Mit der Finanzplanung wird deutlich, wo Kapitalbedarf herrscht und wo Finanzierungslücken sind. Um Kapital zu beschaffen und die Zahlungsfähigkeit zu erhalten, muss das Unternehmen Quellen zur Finanzierung erschließen. Dazu gibt es unterschiedliche Finanzierungsarten und Kriterien zur richtigen Wahl, die hier vorgestellt werden.

Kriterien zur Auswahl der Finanzierungsart

Um den langfristigen Kapitalbedarf zu decken und kurzfristige Finanzlücken zu schließen, haben Unternehmen viele Möglichkeiten und Finanzierungsarten. Welche Finanzierungsart gewählt wird, hängt insbesondere ab von der Art des Vorhabens, das damit finanziert werden soll, von der Höhe des Kapitalbedarfs und von den Kapitalkosten. Je nachdem haben die Finanzierungsarten unterschiedliche Vorteile und Nachteile. Daraus lassen sich die Kriterien ableiten, um die richtige Finanzierungsart zu finden.

Für eine erste Einordnung und Bewertung der Finanzierungsarten können folgende Kriterien herangezogen werden:

  • die Häufigkeit der Einzahlungen: einmalig oder laufende Finanzierung
  • die Herkunft der Mittel: Außenfinanzierung oder Innenfinanzierung
  • die Rechtsstellung des Geldgebers: Fremdfinanzierung oder Eigenfinanzierung
  • die Frist zur Rückzahlung des Kapitals: kurzfristig, mittelfristig oder langfristig

Für die Unternehmen ist außerdem wichtig, welche Rechte und Pflichten mit dem Einbringen von Kapital verbunden sind. Wer Eigenkapital zur Verfügung stellt, kann im Allgemeinen auch den Geschäftsverlauf mitbestimmen. Umfangreiche Fremdfinanzierung bedarf oft eines aufwendigen Ratings. Daneben gibt es Mischformen der Finanzierung, die unter dem Begriff Mezzanines Kapital geführt werden. Hier kommt es auf den Einzelfall und die vertraglichen Vereinbarungen an, die für die Rechte und Pflichten des Kapitalgebers und des Kapitalnehmers gelten.

Mezzanines Kapital

Mezzanines Kapital ist eine Mischform aus Eigenkapital und Fremdkapital. Meistens ist es gegenüber dem Fremdkapital (Bankkredit) nachrangig, wird aber vor dem Eigenkapital der Eigentümer bedient. Der Kapitalgeber erhält wie ein Fremdkapitalgeber eine feste Zinszahlung sowie eine gewinnabhängige Rendite für das eingegangene Zins- und Verlustrisiko wie ein Eigentümer. Die genauen Rechte sind in einer schuldrechtlichen Vereinbarung formuliert.

Beispiele für Mezzanines Kapital sind Genussscheine, Wandelanleihen, Nachrangdarlehen oder stille Beteiligungen.

Kapitalkosten ermitteln

Von besonderer Bedeutung sind immer die Kapitalkosten. Um sie zu ermitteln, wird oft die Weighted-Average-Cost-of-Capital-Methode (WACC) eingesetzt. Danach gilt:

Weighted Average Cost of Capital, × Eigenkapital Gesamtkapital Eigenkapitalzinssatz = × Fremdkapital Gesamtkapital Fremdkapitalzinssatz + × (1 – Steuersatz) gewichtete Kapitalkosten

Der Eigenkapitalzinssatz drückt aus, was ein Eigenkapitalgeber an Renditeerwartungen hat. Diese ergeben sich daraus, welche alternativen Anlagemöglichkeiten er für sein Kapital hat. Das können sein: Anlage in Aktien oder risikolose, festverzinsliche Anlagen. Die Differenz drückt das Risiko aus, das mit dem Kapitaleinsatz in Ihr Unternehmen verbunden ist. Dieser wird zudem durch einen sogenannten Beta-Faktor gewichtet. Er wurde für die Bewertung von Aktiengesellschaften entwickelt und drückt aus, wie stark der Aktienkurs eines Unternehmens im Vergleich zum Aktienmarkt schwankt. Er ist ein Maß für die Volatilität und damit für das Risiko, das ein einzelnes Unternehmen auszeichnet.

Beispiele für Finanzierungsarten

Letztlich sollte ein Unternehmen die Finanzierungsart wählen, die zu den geringsten Kapitalkosten führt, die also den geringsten WACC-Wert aufweist. Dabei sind auch Mischformen der Finanzierung möglich. Im Folgenden sind einige wichtige Finanzierungsformen aufgeführt:

Beteiligungsfinanzierung

Damit wird das Eigenkapital erhöht: Bei Aktiengesellschaften durch die Ausgabe von (neuen) Aktien, bei Kapitalgesellschaften, Personengesellschaften oder Genossenschaften durch die Aufnahme neuer Gesellschafter oder Mitglieder; die Möglichkeiten und Formen sind gesetzlich geregelt. Möglich ist auch die sogenannte Mitarbeiterbeteiligung.

Langfristige Fremdfinanzierung

Damit wird das Fremdkapital erhöht: Das sind langfristige Bankkredite (Laufzeit länger als ein Jahr), Schuldscheindarlehen, Obligationen, Wandelanleihen, Optionsanleihen oder Gewinnschuldverschreibungen.

Kurzfristige Fremdfinanzierung

Das ist Fremdkapital, um Deckungslücken auszugleichen: Kontokorrentkredite, Kundenanzahlungen, Lieferantenkredite, Wechselkredite, Avalkredite, Lombardkredite, Akkreditivkredite und andere Formen zur Absicherung von Exportgeschäften.

Mezzanine Finanzierung

Kapital, das je nach vertraglicher Gestaltung als Eigenkapital oder Fremdkapital aufgefasst werden kann: Stille Beteiligungen, Genussscheine; auch Wandel- und Optionsanleihen werden oft dem Mezzaninen Kapital zugerechnet.

Sonderformen der Finanzierung

Dazu zählen insbesondere das Factoring und das Leasing.

Innenfinanzierung

Bei der Innenfinanzierung erfolgt der Geldzufluss aus dem betrieblichen Umsatzprozess; das heißt beispielsweise, Gewinne werden nicht ausgeschüttet, Abschreibungseffekte werden genutzt, Rückstellungen gebildet, Kosten eingespart (Rationalisierung) oder Vermögen veräußert.

Kreditwürdigkeit und Kreditsicherheit als Voraussetzungen für Fremdkapital

Wer Fremdkapital in Anspruch nimmt, muss seine Kreditwürdigkeit prüfen lassen und Kreditsicherheiten bieten. Banken führen inzwischen nach strengen gesetzlichen Vorgaben ein Rating ihrer Kunden durch und ermitteln so, ob und zu welchen Konditionen ein Kredit vergeben werden kann. Gegebenenfalls holen sie Informationen auch bei der Schufa oder einer anderen Auskunft für Bonitäten ein. Mögliche Kriterien, die in das Rating eines Unternehmens eingehen können, sind:

  • Vermögenslage
  • Ertragslage
  • Liquidität
  • Zahlungsweise
  • Strukturrisiko
  • Branchenrisiko
  • Krediturteil

Kreditsicherheiten können in unterschiedlicher Form gegeben werden. Das sind vor allem:

  • Bürgschaft
  • Pfandrecht
  • Sicherungsübereignung
  • Eigentumsvorbehalt
  • Hypothek
  • Grundschuld
  • Rentenschuld
  • Pfandrecht
  • Sicherungsabtretung

Finanzierung durch Förderprogramme und Crowd-Funding

Für bestimmte Unternehmen, Branchen oder Investitionsvorhaben gibt es in den einzelnen Ländern auch spezielle Finanzierungsmöglichkeiten, die sehr günstig sein können. So werden Forschungs- und Entwicklungsvorhaben durch die Europäische Union oder durch Ministerien gefördert. In Deutschland finanziert die KfW-Bankengruppe (Kreditanstalt für Wiederaufbau) mit günstigen Krediten oder sogar mit Beteiligungen wichtige Investitionen. Gerade für Unternehmensgründer gibt es darüber hinaus zahlreiche Finanzierungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Private Investoren oder große Unternehmen haben dazu Fördertöpfe als „Venture Capital“ eingerichtet.

Schließlich gibt es seit geraumer Zeit das sogenannte Crowd-Funding. Über Internet-Plattformen stellen Gründer oder Unternehmen ihre Vorhaben vor und zeigen, dass sie dafür Kapitalgeber suchen. Diese können das Vorhaben schon durch geringe Geldbeträge unterstützen. Der gesamte Kapitalbedarf soll in diesem Fall durch die „Masse der Kapitalgeber“ (Crowd) zusammenkommen.

Praxis

Prüfen Sie mit Ihrem Finanzplan, welche Möglichkeiten Ihr Unternehmen hat, um Geschäftsvorhaben, Entwicklungsprojekte oder Investitionen zu finanzieren.

  • Was kann aus dem Cashflow des Unternehmens finanziert werden?
  • Welche Möglichkeiten gibt es zur Eigenfinanzierung?
  • Welche Bedingungen und Möglichkeiten bestehen für eine Finanzierung durch Fremdkapital?
  • Wie gut sind Ihr Rating und Ihre Kapitaldienstfähigkeit?
  • Gibt es für Ihr Unternehmen Mischformen und Mezzanines Kapital? Wie können Sie dies für Ihr Unternehmen verfügbar machen?
  • Gibt es für Ihr Vorhaben Förderprogramme oder die Möglichkeit zum Crowd-Funding?

Ermitteln Sie außerdem für jedes Vorhaben, das eine größere Finanzierung benötigt, die Kapitalkosten. Nutzen Sie dafür zum Beispiel die Methode der Weighted Average Cost of Capital (WACC) und berechnen Sie diese für Ihren Fall mit der folgenden Excel-Vorlage.

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