Wertstromanalyse (Value Stream Mapping)Symbole und Kennzahlen der Wertstromanalyse

Grundlage für die Wertstromanalyse ist die Visualisierung des betrachteten Prozesses. Für diese Visualisierung werden standardisierte Symbole, Bezeichnungen und Kennzahlen verwendet, die hier vorgestellt und erläutert werden.

Mit der Wertstromanalyse Prozesse grafisch abbilden

Die Wertstromanalyse ist eine Form zur Visualisierung von Prozessen und Abläufen. Sie basiert auf unterschiedlichen Symbolen, die jeweils eine definierte Bedeutung haben, und sie stellt ausgewählte Kennzahlen in einem Wertstrom-Diagramm oder einer Wertstrom-Karte dar. Abbildung 1 zeigt ein Wertstrom-Diagramm für einen einfachen Prozess.

Abbildung 1: Beispiel für ein Wertstrom-Diagramm als Grundlage für die Wertstromanalyse

In diesem Bild werden unterschiedliche Kategorien von Informationen sichtbar:

  • Prozess, Prozessschritte, Abläufe, Tätigkeiten, Aktivitäten
  • Material, Teile, Zwischenprodukte, Endprodukte und ihre Logistik
  • Informationen, Informationsfluss, Medien
  • Zeitraster (Timeline)
  • Bewertungen, Verbesserungspotenziale, Risiken

Für das Wertstrom-Diagramm in Abbildung 1 werden unterschiedliche Symbole und Bezeichnungen verwendet. Diese sind im Folgenden erläutert.

Prozess, Prozessschritte, Abläufe, Tätigkeiten, Aktivitäten

Folgende Symbole werden eingesetzt, um den Prozess mit den einzelnen Prozessschritten, einzelnen Tätigkeiten oder Aktivitäten aufzuzeigen. Damit wird eine logische, technisch oder organisatorisch bedingte Reihenfolge der Prozessschritte sichtbar.

Jeder Prozess hat einen Anfang (Start) und ein Ende (Stop). Diese ergeben sich aus dem Prozess, den Sie im Rahmen der Wertstromanalyse beschreiben und analysieren wollen. Damit der Prozess starten kann, braucht er einen Input – meistens in Form von Materialien. Diese werden von einem internen oder externen Lieferanten bezogen. Das Produkt oder Ergebnis des betrachteten Prozesses wird dann an einen internen oder externen Kunden übergeben, der es angefordert oder gekauft hat.

Wertstromanalyse: Prozessschritte

Lieferant; mit „Text“ zu geliefertem Material, Liefermengen, Lieferzeiten etc.
Kunde; mit „Text“ zu gelieferten Produkten und Erzeugnissen, Liefermengen, Lieferzeiten etc.

Prozess oder Prozessschritt (mit Symbol für Mitarbeiter) und „Text“ zur Bezeichnung des Prozesses; meistens verbunden mit einer Tätigkeit wie fertigen, montieren, prüfen, härten, verpacken, beraten etc.

Daten-Box mit Kennzahlen oder prozessspezifischen Merkmalen; die angegebenen Daten und Informationen sind Grundlage für die Analyse des Wertstroms; sie zeigen meist Ressourcen, Rahmenbedingungen, Zeitaufwand oder Kosten.

Arbeitsstation im Prozess, an der meist mehrere Tätigkeiten in technisch zwingender Folge durchgeführt werden; diese werden (zunächst) nicht im Detail analysiert.

Material, Teile, Zwischenprodukte, Endprodukte und ihre Logistik

Folgende Symbole werden genutzt, um den Materialfluss in einem Prozess-Diagramm abzubilden. Dieser Materialfluss wird meist nach dem sogenannten Kanban-System organisiert. Dementsprechend werden die Symbole für Kanban-Karten und Kanban-Lager eingesetzt.

Kanban

Mit der Kanban-Methode werden Produktionsprozesse streng nach dem Prinzip der Verbrauchsorientierung gesteuert. Damit sollen Lagerbestände minimiert und Kosten reduziert werden. Wenn ein Prozess Material benötigt, sendet er eine Mitteilung an den vorgelagerten Prozess. Dieser beginnt mit der Produktion erst, wenn diese Mitteilung eingeht. Auf der Mitteilung ist vermerkt, wie viel Material bis wann geliefert werden muss.

Die Kanban-Methode wurde in den 1940er Jahren bei Toyota als ein Element der schlanken Produktion (Lean Production, Toyota-Produktionssystem) entwickelt. Die Bedarfsmitteilung erfolgt in Form einer Karte oder eines Belegs. Auf Japanisch heißt dies: Kanban.

Wertstromanalyse: Material

Material, Teile, Zwischenprodukte, Endprodukte, die im Laufe des Prozesses eingesetzt oder genutzt und bearbeitet, hergestellt oder montiert werden und die für den Prozess besonders wichtig sind (zum Beispiel A-Teile).

Lieferung von Teilen vom Lieferanten zum Prozessstart oder von Endprodukten nach Prozessende zum Kunden.

Lieferungen und Weitergabe von Teilen oder Zwischenprodukten innerhalb des Prozesses (Materialfluss); damit Verbinder zwischen einzelnen Prozessschritten.

Lieferungen und Weitergabe in Form von „Push“; die in einem Prozessschritt hergestellten Teile oder Zwischenprodukte werden in den nächsten Prozessschritt „gedrückt“, sobald sie hergestellt sind.

Supermarkt oder Kanban-Lager, in dem Material, Teile oder Zwischenprodukte nach dem Kanban-Prinzip gelagert und abgerufen werden. Beim Erreichen eines Meldebestands wird eine Kanban-Karte an den vorgelagerten Prozess gegeben.

Material, Teile oder Zwischenprodukte werden aus dem Supermarkt entnommen; „Pull-Pfeil“.

Informationen, Informationsfluss, Medien

Folgende Symbole werden genutzt, um den Informationsfluss sowie Planungsaktivitäten in einem Prozess-Diagramm abzubilden.

Wertstromanalyse: Informationsfluss

Aktivitäten zur Planung und Steuerung von Prozessen werden im Wertstrom-Diagramm aufgeführt, wenn diese Prozesse anstoßen, Ziele vorgeben oder Rahmenbedingungen setzen.

Wenn Informationen von einer Stelle an eine andere weitergegeben werden, wird dies in Form eines Informationspfeils dargestellt. Der gerade Informationspfeil symbolisiert die manuelle Informationsweitergabe (persönlich oder auf Papier). Der gezackte Informationspfeil die elektronische Informationsweitergabe; zum Beispiel EDI, LAN, WAN, Intranet, Internet, etc.

Das Symbol steht für eine Kanban-Meldung (Karte). Sie signalisiert dem vorgelagerten Prozess oder Prozessschritt, dass Material benötigt wird. Dabei wird vermerkt, wieviel Material benötigt wird (Bestellmenge oder Losgröße) und welche Lieferzeit erwartet wird.

Das Symbol Signal-Kanban zeigt an, dass an dieser Stelle im Prozess der Bestand auf ein Minimum reduziert wird. Der Bestand an Material wird visuell überwacht. Sobald ein Bestandsminimum erreicht ist, wird das Material nachproduziert.

In einem Prozessschritt werden Produktions-Lose aufgeteilt, damit die Prozesslast ausgeglichen ist; das Symbol markiert diesen Lastausgleich. Damit sollen hohe Bestände und lange Wartezeiten bei nachgelagerten Prozessschritten vermieden werden.

Für die Planung und Steuerung eines Prozesses werden oft IT-Systeme eingesetzt, die Daten verarbeiten. Das Symbol steht für den Einsatz eines IT-Systems wie zum Beispiel ERP- oder MRP-System.

Timeline oder Zeitraster

Eine wichtige Funktion der Wertstromanalyse ist es aufzuzeigen, wie lange ein Prozess dauert, welche Durchlaufzeit er hat. Damit ist die Zeit in Minuten, Stunden oder Tagen gemeint, die es braucht vom Prozessstart bis zur Lieferung des Prozessergebnisses an den Kunden (Prozessende). Dabei muss genau definiert sein, was den Prozessstart auslöst; zum Beispiel der eingehende Auftrag eines Kunden.

Wertstromanalyse: Timeline

Mit dem Symbol der Timeline wird für einen einzelnen Prozessschritt dargestellt, wie lange der Prozess selbst dauert (Bearbeitungszeit) und wie lange das bearbeitete Material vor und nach der Bearbeitung wartet (Wartezeit oder Liegezeit). Nur die eigentliche Bearbeitungszeit ist wertschöpfend. Mit der Darstellung der Timeline wird also sichtbar, wenn Teile sehr lange, nicht-wertschöpfend warten oder liegen.

Am Ende einer Timeline wird mit diesem Symbol angezeigt, wie lange die Durchlaufzeit und wie lange die eigentliche Bearbeitungszeit (wertschöpfend) für den jeweiligen Prozess ist.

Bewertungen, Verbesserungspotenziale, Risiken

Für die Analyse und Bewertung des Prozesses, die Wertstromanalyse, werden mögliche Schwachstellen oder Risiken in der Prozessdarstellung sichtbar gemacht. Dazu werden die Stellen markiert, die als problematisch eingeschätzt oder erkannt wurden.

Wertstromanalyse: Kaizen-Blitz

Mit dem Kaizen-Blitz werden diese kritischen Elemente im Prozess markiert und benannt, was verbessert oder verändert werden sollte.

Tipp: Software für die Prozessvisualisierung

Einfache Wertanalyse-Diagramme können mit der weit verbreiteten Standard-Software PowerPoint (Microsoft Office) erstellt werden. Aufwendiger, aber flexibler ist die Software Visio (Microsoft); für diese gibt es Add-Ins mit den Symbolen für die Wertstromanalyse. Alternative Produkte speziell für die Wertstromanalyse sind Lucidchart oder EDraw.

Praxis

Nutzen Sie die standardisierten Symbole und Element für die Darstellung Ihrer Prozesse und Abläufe in der Form eines Wertstrom-Diagramms. In der folgenden Vorlage finden Sie die Symbole als Powerpoint-Elemente, die Sie in Ihre Vorlage kopieren können.

In der folgenden Abbildung und PowerPoint-Vorlage sehen Sie ein Beispiel dafür, wie ein Prozess als Wertstrom-Diagramm dargestellt werden kann.

Analysieren und bewerten Sie dann Ihre Prozesse oder einzelne Prozessschritte und Prozessaktivitäten im Hinblick auf:

  • lange Wartezeiten
  • hohe Bestände
  • unnötige Prozessschritte
  • falsche Planvorgaben
  • Probleme mit der Prozess- oder Produktqualität
  • Probleme bei Lieferung
  • fehlende Informationen oder Daten

Zahlreiche Vorlagen, Analyseinstrumente und Erläuterungen für eine detaillierte Prozessanalyse finden Sie in den Handbuch-Kapiteln: Prozessmanagement und Kaizen.