Resilienz stärkenResilienzfaktor Soziale Unterstützung: Beziehungen aufbauen
- Was soziale Beziehungen für Resilienz bedeuten
- Die positive Wirkung von angenommener Unterstützung
- Vorsicht bei falscher Unterstützung durch andere
- Was Führungskräfte für ihre Mitarbeitenden tun können
- Kommunikation und Empathie sind hilfreich
- Emotionales Konto führen
- Soziale Beziehungen brauchen Pflege
- 2 Vorlagen im Praxisteil
Was soziale Beziehungen für Resilienz bedeuten
Bei belastenden oder stressreichen Lebenssituationen wirkt die soziale Unterstützung durch andere wie ein Puffer. Sie mildert die negativen Folgen. Soziale Unterstützung wirkt nachweislich positiv auf die körperlichen Stresssysteme.
Jürgen Bengel und Lisa Lyssenko unterscheiden bei sozialen Beziehungen:
- Quantität sozialer Interaktionen: Indikatoren dafür sind die Anzahl der Freunde, die Art der Beziehungen und die Häufigkeit der Kontakte zu anderen Menschen.
- Qualität sozialer Interaktionen: Dazu gehören die emotionale (psychologische) Unterstützung wie Zuwendung, Trost, Verständnis, Aussprache, Vermittlung eines Gefühls von Zugehörigkeit und Rückhalt.
Außerdem zeigen sich soziale Beziehungen in Form von:
- praktische Unterstützung
- alltägliche Hilfen
- finanzieller Mittel
- Werkzeuge
- Informationen
- Hilfestellung zur Problemlösung
Die positive Wirkung von angenommener Unterstützung
Überraschenderweise hat eine wahrgenommene Unterstützung einen größeren Puffereffekt als die tatsächlich vorhandene.
Wer überzeugt ist, dass Freunde oder Familie im Privaten oder Führungskräfte oder Kollegen im Beruf helfen werden, wenn es nötig ist, ist resilient. Diese Erwartungshaltung entwickelt sich mit jeder Erfahrung und mit der Unterstützung durch andere.
Vorsicht bei falscher Unterstützung durch andere
Jürgen Bengel und Lisa Lyssenko wissen aus Studien zur Resilienz, dass erhaltene Unterstützung auch negativ ausfallen kann. Erklärungen sind:
- Menschen bekommen weniger Unterstützung als erwartet.
- Sie erhalten keine hilfreiche Unterstützung, wenn etwa Probleme bagatellisiert werden.
- Sie erhalten eine unerwünschte Unterstützung; andere mischen sich ungefragt ein.
- Sie erhalten zu viel Unterstützung, wodurch sie das Gefühl bekommen, das Problem nicht selbst lösen zu können.
Was Führungskräfte für ihre Mitarbeitenden tun können
Die genannten Aspekte sollten vor allem Führungskräfte beachten, wenn sie die Resilienz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht negativ beeinflussen wollen.
In diesem Zusammenhang wird das Konzept der sichtbaren versus unsichtbaren Unterstützung interessant. Demnach könnte eine Führungskraft ihre Mitarbeitenden so unterstützen, dass diese dies nicht als Unterstützung wahrnehmen. Zum Beispiel:
- Eine Aufgabe oder ein Problem wird stillschweigend gelöst.
- Die Mitarbeitenden erhalten Rat oder Informationen – ohne dass deutlich wird, dass dies mit dem stressauslösenden Ereignis verbunden ist.
- Mit der Hilfestellung wird den Unterstützenden das Gefühl von Kompetenz vermittelt.
Kommunikation und Empathie sind hilfreich
Resiliente Menschen haben ein größeres soziales Netzwerk und pflegen mehr positive und befriedigendere Beziehungen, was vor allem an ihrer Kommunikationskompetenz und ihrer Empathiefähigkeit liegt. Denn diese Fähigkeiten sind nötig, um langfristige und stabile Beziehungen überhaupt erst aufzubauen.
Außerdem gilt: Wer anderen hilft und ihnen entsprechend gegenübertritt, erhält im Gegenzug Hilfe und Kraft zurück.
Emotionales Konto führen
Mit einer Beziehung verhält es sich ähnlich wie mit einem Bankkonto: Einzahlungen heben den Kontostand an, Abhebungen reduzieren ihn. Nur dass es dabei nicht um Geld, sondern um kraftspendende Beziehungen und gegenseitige Unterstützung geht.
Die Resilienz wird durch Beziehungen gestärkt, wenn das eigene emotionale Konto im Plus ist:
- Einzahlungen sind: Höflichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt, Anerkennung und Freundlichkeit, weil sie Vertrauen und gute Gefühle aufbauen.
- Auszahlungen sind: Unhöflichkeit, Unzuverlässigkeit, Respektlosigkeit, Ignorieren, Feindseligkeit, Vertrauensmissbrauch, Überreaktionen und Drohungen, weil sie Vertrauen zerstören.
Soziale Beziehungen brauchen Pflege
Soziale Beziehungen zu anderen Menschen entstehen nicht von allein. Sie müssen andere unterstützen und auf Ihre gemeinsame Beziehung einzahlen.
Sie können erwarten, dass andere Ihnen in gleicher Weise Hilfe leisten. Machen Sie daraus eine Routine.
Schritt 1: Eigenes soziales Netzwerk grafisch darstellen
Überlegen Sie:
- Mit welchen Personen pflegen Sie enge Kontakte?
- Welche dieser Personen sind für Sie wertvoll und stellen eine Energiequelle dar?
- Welche sind in Ihrer Energiebilanz neutral?
- Welche zählen zu den Energieräubern?
Zeichnen Sie diese Personen als Kreise in die Abbildung der folgenden Vorlage um den „Ich-Kreis“ in der Mitte herum ein und markieren Sie deren Bedeutung für Sie.
Nutzen Sie für Ihre Darstellung die in der Vorlage vorgeschlagenen Darstellungskriterien und Symbole.
- Verbinden Sie die Kreise jener fördernswerten Menschen mit dem „Ich-Kreis“, um festzuhalten, welche Kontakte Sie fördern, pflegen und stärken wollen.
- Halten Sie fest, was Sie in Ihrem Netzwerk beibehalten wollen.
- Und halten Sie fest, was Sie verändern und welche Kontakte Sie verringern oder sogar abbrechen möchten.

Schritt 2: Beziehungskonten anlegen
Wählen Sie drei Personen aus, die Ihnen besonders wichtig sind, und schätzen Sie den jeweiligen Stand des Beziehungskontos ein.
Schreiben Sie auf, wie Sie auf jedes dieser Beziehungskonten eine große Einzahlung machen können.



