InnovationsmanagementStrategisches Innovationsmanagement

Mit dem strategischen Innovationsmanagement geht es darum, Innovationen zum richtigen Zeitpunkt auf den Weg zu bringen, Produkte und Leistungen zu entwickeln, die im Wettbewerb bestehen und Innovationen nach den Regeln des Projektmanagements erfolgreich zu realisieren und zu etablieren.

Wege zur Innovation systematisch im Unternehmen verankern

In den vorigen Abschnitten dieses Handbuch-Kapitels wurden insbesondere die Einflussfaktoren, Rahmenbedingungen, Auslöser und Ausgangspunkte für Innovationen in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) beschrieben. Viele Fallbeispiele aus diesem Wirtschaftsbereich sollten zeigen, wie vielgestaltig Innovationen sein können – und wie vielfältig die Probleme, Hindernisse und Risiken bei Innovationen sind. Wenn diese Faktoren bekannt sind, lässt sich daraus ableiten, wie KMU systematisch vorgehen können, um neue Produkte und Dienstleistungen zu finden und erfolgreich im Markt einzuführen und wie sie damit im Wettbewerb bestehen können.

Das ist die Fragestellung:

  • Wie funktioniert nun ein strategisches Innovationsmanagement in kleinen und mittelständischen Unternehmen?
  • Was genau muss dafür getan werden?
  • Welche Methoden und Werkzeuge können eingesetzt werden, um diese Aufgaben zu erfüllen?

In diesem Handbuch-Kapitel werden die wichtigsten Prozessschritte für das strategische Innovationsmanagement erläutert. Im Handbuch-Kapitel zur Innovationsstrategie werden einige wichtige strategische Kernaufgaben in diesem Prozess weiter vertieft und genauer erläutert – mit zahlreichen Vorlagen zur Innovationsstrategie.

Der Bereich, in dem eine Innovation durchgeführt werden muss oder soll, ergibt sich von selbst, wenn das Problem als Anstoß und Ausgangsposition definiert wurde. Aber Vorsicht: Ein Lagerproblem muss nicht in der Rubrik Prozesslogistik verortet werden, vielleicht ist es ein ganz klassisches Personalproblem. Das Innovationsmanagement muss überhaupt für alle Bereiche passen: für Produkt- und Dienstleistungsinnovationen, für Verfahren und Prozesse, für die Organisation und die Marktsicherung. Andererseits soll es nicht so allgemein und nichtssagend sein, dass man gut auch ohne auskommt.

Anforderungen an ein gutes Innovationssystem

Präzise Definition

Das Innovationsmanagement soll das zu lösende Problem zu beschreiben helfen. Neben der Fachsprache, in der Sie ständig arbeiten, kann es Sinn machen, die Problemstellung in der Allgemeinsprache zu formulieren. Dies verändert den Blick auf das Problem und eröffnet bisher Unbeteiligten die Mitarbeit.

IST-Analyse

Das Innovationsmanagement soll die Balance erlauben, einerseits mit gewohnten Mitteln und intuitiv zu arbeiten und andererseits systematisch und nachhaltig. Auch wenn der Einsatz einiger Mittel einen erhöhten Mehraufwand bedeutet, kann dieser für die nächsten Innovationsprojekte von Vorteil sein und im Idealfall zu einer neuen Unternehmensroutine werden. Es muss die verfügbaren Ressourcen im Blick behalten, damit sie für den gesamten Prozess einschließlich der Marktarbeit reichen. Und es muss den Markt selbst einzuschätzen erlauben, ob er Schritt-Innovationen goutiert oder bereit ist für eine Sprung-Innovation.

Ziel-Definition

Das Innovationsmanagement muss niederschwellig sein, weil aufwendige Einarbeitungen eher abschrecken, zumal der Nutzen für einen solchen Aufwand noch gar nicht erfahren werden kann. Im Idealfall muss das Innovationsmanagement vertieft werden können, es sollte also für einfache Erfordernisse einfach zu handeln sein und für anspruchsvolle Erfordernisse hinreichend komplex und tiefgründig sein. Es sollte modular sein, sodass erlaubt ist, einzelne Arbeitsschritte unabhängig von ihrer systematischen Stellung zu wählen. Auch muss es Unterbrechungen verkraften, die das Tagesgeschäft erzwingt. Erfolgsmessungen in allen Schritten müssen bei Erfolg beflügeln, bei Misserfolg Wiederholungen erlauben, müssen Risiken kenntlich machen und im schlimmsten Fall einen sinnvollen Abbruch des Innovationsprojekts nahelegen.

Lösungssuche oder Lösungserarbeitung

Das Innovationsmanagement muss die Entscheidung unterstützen, ob mit preiswerten Recherchen zu Lösungen zu kommen ist oder ob mit Inventionen für die Welt neue Lösungen zu erarbeiten sind.

Lösungsbewertung

Das Innovationsmanagement muss in allen Teilschritten und erst recht beim Lösungsansatz die Prüfung auferlegen, ob jedes Teilergebnis von allen Beteiligten akzeptiert wird. Und die Balance sichern zwischen Technikern, die ständig Weiterentwicklungen fordern, „weil die Lösung noch nicht fertig sei“. Und zwischen Finanzverwaltern, denen das Projekt schon viel zu viel Mittel verschlungen hat und die jetzt „zum Schluss kommen“ wollen.

Umsetzung

Spätestens an dieser Stelle ist die Forderung nach Modularität überzeugend, denn erfahrungsgemäß kommen bei der Realisierung des Lösungsansatzes weitere – vielleicht eine Vielzahl kleiner dimensionierte, vielleicht aber auch durchaus ebenbürtige – Probleme ans Tageslicht. Die Rückverfolgbarkeit der Arbeitsschritte, Dokumente, die eine Reproduktion vorhergehender Überlegungen erlauben, erleichtern die Arbeit an Varianten. Und schließlich sind dies Formen, die Lernkurveneffekte auslösen und bestenfalls zu Routinen werden. Innovationen sind dann nicht mehr Ausnahmesituationen, sondern Teil des Geschäftsmodells.

Abbildung 3 zeigt diese Prozessfolge und damit die Struktur eines Innovationsmanagements in der Übersicht und aus der Vogelperspektive.

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