Wo Mitarbeiterbindung und Retention Management ansetzen

Mitarbeiterbindung im Unternehmen funktioniert dann, wenn die Bedürfnisse und Anforderungen des einzelnen Mitarbeiters und der einzelnen Mitarbeiterin vom Unternehmen erfüllt werden. Diese Bedürfnisse und Anforderungen sind sehr unterschiedlich.

Je nach Persönlichkeit oder Lebenssituation suchen manche Herausforderungen, neue Aufgaben oder wollen Karriere machen. Andere brauchen Sicherheit, ein gutes Einkommen und Zeit für die Familie. Deshalb sollten alle Instrumente und Aktivitäten zur Mitarbeiterbindung aus einem Strauß unterschiedlicher Maßnahmen bestehen.

Mögliche Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung lassen sich folgenden Bereichen (mit Beispielen) zuordnen:

Rahmenbedingungen:

  • Image des Unternehmens
  • Standort des Unternehmens (Erreichbarkeit)
  • Betriebsklima
  • Branche
  • Größe des Unternehmens
  • Verhalten von Führungskräften
  • Teamgeist
  • Verhalten von Kolleginnen und Kollegen
  • Angebote zur Kinderbetreuung
  • technische Ausstattung
  • Betriebsrestaurant

Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten:

  • Aufgaben
  • Verantwortung
  • Einarbeitung
  • Weiterbildung
  • Mitarbeit in Projekten
  • Anerkennung der Leistungen (Feedback)
  • Karrieremöglichkeiten
  • Work-Life-Balance
  • Betreuung von Kindern
  • Pflegebedürftigen in der Familie

Formale Regelungen:

  • unbefristeter Arbeitsvertrag
  • Entgelt
  • Arbeitszeiten
  • Altersvorsorge
  • Möglichkeit für Homeoffice
  • Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit
  • zusätzliche Leistungen (Dienstwagen, ÖPNV-Ticket, Smartphone, Urlaubsregelungen etc.)

Die Liste an Maßnahmen und Beispielen lässt sich mit einiger Kreativität im Personalmanagement leicht fortsetzen. Wichtig ist, dass die Maßnahmen für die einzelne Mitarbeiterin und den einzelnen Mitarbeiter von Bedeutung sind, dass er oder sie die Maßnahme schätzt und sie zur Motivation, zur Leistungssteigerung, zur Loyalität und damit letztlich zur Mitarbeiterbindung beiträgt. Im Folgenden werden einige dieser Maßnahmen genauer vorgestellt.

Mitarbeiterbindung beginnt vor der Einstellung von Mitarbeitern

Mitarbeiterbindung oder Personalbindung beginnt bereits vor der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags. Die Beziehungspflege zu Praktikanten, Studierenden, Bewerberinnen und Bewerbern oder auch zu Kunden und Personen im Umfeld der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist eine gute Voraussetzung für die langfristige Bindung.

Der Grund: Potenzielle Mitarbeiter können bereits vor ihrer Bewerbung abgleichen, ob ihre Erwartungen an das Unternehmen befriedigt werden.

Die passgenaue Rekrutierung von Mitarbeitern setzt ein professionelles Auswahlverfahren voraus. Transparenz bezüglich Arbeitgeberimage, Unternehmenskultur und der Angebots- und Entgeltpolitik unterstützen dabei die Eintrittsentscheidung von Bewerbern.

Die Erwartungen, die ein Bewerber im Vorfeld im Hinblick auf den Arbeitsplatz im Unternehmen entwickelt, werden dann in den ersten Monaten mit der Realität abgeglichen. Deshalb muss das Unternehmen darauf achten, dass die Versprechungen im Vorfeld, später auch eingehalten werden.

Die Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung vor der Einstellung von Mitarbeitenden tragen auch später einen wichtigen Teil zur Bindung des bestehenden Mitarbeiterstamms bei.

Rekrutierung loyaler und motivierter Mitarbeiter

Im Rahmen der Personalauswahl als ein Instrument der Mitarbeiterbindung geht es darum zu ermitteln, ob und inwiefern die Anforderungen von Arbeitsplatz und Unternehmen einerseits mit der Eignung und den Erwartungen eines Menschen andererseits zueinanderpassen. Dabei sollte ein Abgleich bezüglich folgender Aspekte erfolgen:

  • Fähigkeiten des Mitarbeiters – Arbeitsanforderungen
  • Interessen, Bedürfnisse, Werthaltungen des Mitarbeiters – Befriedigungspotenzial am Arbeitsplatz
  • Entwicklungspotenzial des Mitarbeiters – Veränderungen am Arbeitsplatz

Mithilfe der Eignungsdiagnostik wird geprüft, welcher Mitarbeiter oder welche Mitarbeiterin zum Arbeitsplatz passt. Dazu werden Interviews geführt, Tests durchgeführt, Fragebögen ausgefüllt oder Kandidaten beobachtet (Assessment-Center, Probezeit).

Rekrutierung von Führungskräften

Besondere Anforderungen werden an Beschäftigte gestellt, die Führungsverantwortung tragen oder übernehmen. Mehreren Faktoren zeichnen eine gute Führungskraft aus:

  • Führungssituation: Kultur des Landes, Branche, Organisationsstruktur, Organisationskultur, Funktion, Größe der geführten Gruppe, Art der Legitimation
  • Führungskompetenz: Intelligenz, soziale Kompetenz, Methodenkompetenz
  • Führungsverhalten: Führungsstil, Interpretation der Führungsrolle, Vorbildverhalten
  • Führungserfolg: Verhalten der geführten Mitarbeitenden (Zufriedenheit, Engagement, Loyalität) sowie betriebswirtschaftlicher Erfolg (Unternehmensziele werden erreicht)

Arbeitgeberimage und Unternehmensattraktivität pflegen

Anspruchsvolle Bewerberinnen und Bewerber suchen sich ihr Unternehmen aus, weshalb das Arbeitgeberimage – wie übrigens auch der Stellenwert und die Reputation von Produkt und Branche – für die Entscheidung über Eintritt und Verbleib zentral ist.

Potenzielle Mitarbeitende können daran die Übereinstimmung mit den eigenen Zielen, Normen und Werten prüfen und abwägen, ob und wie seine individuellen Bedürfnisse im Unternehmen erfüllt werden.

Für Unternehmen gilt deshalb: Wer im Wettbewerb um die Besten die Nase vorn haben will, muss verstärkt auf das Image achten. Nur wer sich klar positioniert, aus der Masse abhebt und ein einzigartiges Profil entwickelt, ist für High Potentials attraktiv.

Die Entwicklung einer Marke, die sogenannte Employer Brand, fördert die affektive Hinwendung des Bewerbers zu einer Organisation und eignet sich für ein zielgruppenspezifisches und prägnantes Auftreten. Um die Employer Brand bekanntzumachen und als Organisation in der Zielgruppe wahrgenommen zu werden, gehört eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit zur Entwicklung der Marke.

Für die Pflege der Employer Brand können diese Instrumente eingesetzt werden:

  • Firmenwebseite und Jobseiten des Unternehmens
  • „Kunden-Services“ für die Bewerber: Nutzerfreundlichkeit, Effizienz und Transparenz des Bewerberprozesses
  • Teilnahme an Jobmessen
  • Halten von Vorträgen zum Beispiel an Schulen und Universitäten
  • Ausschreibung von Wettbewerben
  • Angebot von Praktika und Projektwochen
  • Veranstaltungen wie Tag der offenen Tür
  • Interviews oder Artikel in Regionalzeitungen und Fachzeitschriften

Unternehmenskultur und Betriebsklima

Die Unternehmenskultur und das Betriebsklima sind genauso wie der Teamgeist und die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen wichtige Einflussfaktoren für die Mitarbeiterbindung. Hier erleben Beschäftigte, ob das Unternehmen, seine Ziele und Werte, die Normen und Regeln sowie das Verhalten der anderen zu dem passen, was man selbst für wichtig hält und erwartet.

Gerade besondere und starke Unternehmenskulturen haben oft eine polarisierende Wirkung auf Bewerber und Mitarbeiter: Entweder man findet die Kultur attraktiv und schätzt sie – oder man findet sich überhaupt nicht darin zurecht. Beides hat große Wirkung auf die Mitarbeiterbindung.

Aktivitäten, Instrumente und Maßnahmen, die über Unternehmenskultur, Betriebsklima und Teamgeist die Mitarbeiterbindung stärken wollen, müssen auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen:

Grundannahmen und Normen

Das sind die – oft unsichtbaren und nicht hinterfragten – Verhaltensformen, Einstellungen, Überzeugungen, Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen in der Belegschaft eines Unternehmens. Sie drücken sich aus im Verhalten, in Gesprächen, in der Motivation und im Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen des Unternehmens.

Werte und Strategien im Unternehmen

Damit werden alle unternehmerischen Ziele, Visionen, Leitbilder und Strategien zusammengefasst, die das Handeln im Unternehmen und allen seinen Fachbereichen prägen. Sie drücken sich beispielsweise aus im Kundenservice, in der Kostenorientierung, bei Innovationen, aber auch in der Personal- und Umweltpolitik des Unternehmens.

Artefakte und Symbole im Unternehmen

Die Unternehmenskultur wird über Artefakte und Symbole für alle Beschäftigten sichtbar und erlebbar. Sie zeigt sich in der Architektur, den Büroräumen und Werkstätten sowie bei der Kleidung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Genauso lässt sich die Unternehmenskultur festmachen an der Kommunikation (Titel, Du- oder Sie-Ansprache), in gemeinsamen Ritualen wie dem Mittagessen mit dem Team in der Kantine und vielem mehr.

Wenn viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit allen diesen Elementen der Unternehmenskultur nicht (mehr) zurechtkommen, dann ist die Mitarbeiterbindung gefährdet. Das passiert vor allem dann, wenn von der Geschäftsleitung ein Kulturwandel initiiert wird, mit dem der Mitarbeiterstamm nicht unbedingt einverstanden ist. Beispiel: „Ab morgen duzen wir uns alle.“

Genauso kann es passieren, dass zwischen der propagierten und erlebten Unternehmenskultur Diskrepanzen gibt, die manche Mitarbeiter nicht aushalten – und deshalb kündigen. Beispiel: Führungskräfte beschwören den Teamgeist, gleichzeitig kommt es immer wieder zu Mobbing und sozialem Druck.

Faires Gehalt und Möglichkeiten zur Entwicklung

Eine positive Einstellung gegenüber dem Arbeitgeber entwickelt sich, wenn das gesamte Leistungspaket des Unternehmens für den Mitarbeiter stimmt. Dieses Leistungspaket beinhaltet neben einem fairen Gehalt und angemessenen und passenden Zusatzleistungen auch ein personalwirtschaftliches Dienstleistungsangebot.

Das Leistungspaket muss regelmäßig an die Bedürfnisse des Arbeitnehmers angepasst werden. Hinweise auf (veränderte) Erwartungen der Beschäftigten können sich aus Mitarbeiterbefragungen geben.

Mögliche Instrumente und Maßnahmen der Mitarbeiterbindung aus dem Bereich Gehalt und Weiterentwicklung können sein:

Angemessene Vergütung, leistungsorientierte und variable Entlohnung

Die Grundlage für eine motivierte Belegschaft ist eine faire Vergütung. Der Monatslohn ist zwar kein entscheidendes Kriterium für die Bindung an das Unternehmen, zahlt der Arbeitgeber allerdings deutlich unter dem Branchendurchschnitt, ist die Bereitschaft zum Jobwechsel groß.

Zielerreichungsprämien oder freiwillige Neben- und Zusatzleistungen können zusätzlich zum Gehalt gezahlt werden. Während Prämien bei Erreichen eines vereinbarten Ziels als zusätzliches Monatsgehalt gezahlt werden, können betriebliche Leistungen auch immateriell sein oder in Form von Sachleistungen ausgegeben werden.

Beliebte Instrumente der Mitarbeiterbindung sind zum Beispiel:

  • betriebliche Altersvorsorge
  • flexible Arbeitszeiten
  • Homeoffice
  • attraktive Modelle zur Planung der Lebensarbeitszeit
  • Personenversicherungen
  • Gehaltsfortzahlungen über die gesetzlichen Anforderungen hinaus
  • bezahlte Weiterbildung
  • zusätzlicher Urlaub 
  • Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder für die Pflege von Angehörigen

Kompetenzen fördernde Weiterbildungsmöglichkeiten und Weiterbildungsangebote

Mit der Umsetzung von Maßnahmen der Personalentwicklung profitieren Unternehmen einerseits von motivierten Beschäftigten, die damit im Unternehmen gehalten werden können. Andererseits werden das Leistungs- und Qualifikationsniveau erhöht und die für das Unternehmen relevanten Kompetenzen gefördert.

Für Unternehmen ist wichtig, einen Ausgleich zwischen den Mitarbeiterbedürfnissen (Talente, Interessen, Ziele) und den Bedürfnissen des Unternehmens (Prioritäten, Schlüsselkompetenzen, gegenwärtige Anforderungen) zu schaffen.

Eine Strategie, wonach Stärken und Talente gefördert werden, ist erfolgreicher als eine, die auf die Beseitigung von Defiziten und Schwächen abzielt. In diesem Zusammenhang sollte auch ein Schwerpunkt auf der Förderung von selbstgesteuertem und eigenverantwortlichem Lernen liegen.

Der Nachteil solcher Maßnahmen der Mitarbeiterbindung ist jedoch die steigende Arbeitsmarktfähigkeit besonders ehrgeiziger Beschäftigter, womit sich das Abwanderungsrisiko erhöht. Deswegen ist das Zusammenspiel mit anderen Bindungsinstrumenten unerlässlich.

Leistungsgerechte Aufstiegschancen und Nachfolge in Führungspositionen

Ein strategisches Nachfolge-Management für frei werdende Führungsstellen setzt voraus, dass die betroffenen Stellen und Führungspersonen identifiziert werden. Dann muss geklärt werden, welche dieser Stellen in welchem Zeitraum (wieder) besetzt werden müssen; zum Beispiel aufgrund von Fluktuation oder aus altersbedingten Gründen.

Dafür müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen gefunden werden, die diese Stellen besetzen können und besetzen wollen. Diese werden im Rahmen der Personalentwicklung genau auf diese neuen Führungsaufgaben vorbereitet.

Entscheidungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten

Gute Fachkräfte möchten sich mit ihrer Arbeit identifizieren, möchten einen eigenen Verantwortungsbereich übernehmen und initiativ handeln. Maßnahmen der Mitarbeiterbindung sind dann:

  • mehr Verantwortung übertragen bei der Erfüllung von Aufgaben
  • Freiräume mit Kreativitätspotenzial aufzeigen und einräumen
  • Mitsprache im Unternehmen ausweiten

Diese Maßnahmen fördern außerdem die Selbstständigkeit, Produktivität, Leistungsbereitschaft und das Engagement der Beschäftigten.

Neue Mitarbeiter einarbeiten, integrieren und binden

Die Einführung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ein Team, eine Abteilung oder in das Unternehmen wird in der Praxis oft stiefmütterlich behandelt und mehr nach dem Zufallsprinzip angegangen. Sie ist nicht durchdacht und nicht vorbereitet.

Allzu oft sitzt der neue Kollege dann erst einmal herum und weiß nicht so recht, was er eigentlich tun soll. Seine Chefin hat gerade heute keine Zeit, und die anderen Beschäftigten drücken sich vor der Einarbeitung ihres neuen Kollegen.

Beim Neuen erzeugt das ein mulmiges Gefühl. Handelt es sich für ihn doch um eine intensive und kritische Phase: Er hat vielleicht ein vertrautes Umfeld verlassen, muss sich in einer neuen Situation behaupten und ein soziales Netzwerk aufbauen. Der erste Eindruck kann so getrübt werden, denn in dieser Zeit gleicht er die Realität im Unternehmen mit seinen Erwartungen besonders intensiv ab.

Was der neue Mitarbeiter noch nicht kennen kann, muss durch Transparenz im Arbeitsumfeld vermittelt werden, da sonst Spannungen zwischen Anspruch und Wirklichkeit entstehen.

Damit Betroffene das Unternehmen nicht wieder schnell verlassen, sondern sich in ihre neue Position einfinden und einen Bezug zur „neuen beruflichen Heimat“ herstellen, ist eine intensive, geplante und geführte Einarbeitung und Integration notwendig. Deshalb lohnt sich als Instrument der Mitarbeiterbindung die richtige Vorbereitung und Planung des Einstiegs einer neuen Mitarbeiterin oder eines neuen Mitarbeiters.

Im Vordergrund der Einarbeitung während der Probezeit stehen:

  • Der Mitarbeiter soll sich schnell wohlfühlen und schnell integriert werden.
  • Er braucht alle wichtigen Informationen und muss alles Wichtige kennenlernen.
  • Die Technik, die er braucht, muss funktionieren.
  • Der Mitarbeiter kann sich schnell einarbeiten und produktiv sein.
  • Das Unternehmen kann bis zum Ende der Probezeit die Leistung einschätzen.

Manche Unternehmen haben dafür eine spezielle Einführungsbroschüre, eine Dokumentation oder ein ausführliches Handbuch „Für neue Kolleginnen und Kollegen“ entwickelt, das sie mit dem Einstieg dem Mitarbeiter übergeben. Doch es muss sich auch jemand kümmern. Das ist die Aufgabe jeder Führungskraft.

Dafür gibt es die folgenden, bewährten Möglichkeiten zur Gestaltung des Prozesses zur Mitarbeitereinführung; sie sind gleichzeitig wichtige Maßnahmen der Mitarbeiterbindung:

  • institutionalisiertes, maßgeschneidertes Einführungsprogramm
  • Welcome-Einführungstag mit Vorstellungsrunden
  • spezielle Informationsveranstaltungen zu ausgewählten Themen
  • Schulungsprogramme und Einführungsworkshops
  • Probezeitgespräche und Feedbackgespräche
  • Mentorenprogramm mit Anlaufstellen bei Fragen und Problemen
  • Patenschaft (Hauptbetreuung und Begleitperson während der Einführung)
  • Zielvereinbarungen und Aufgaben mit schnellen Erfolgserlebnissen

Führungsverhalten und Führungsinstrumente

Das wirksamste und nachhaltigste aller Instrumente zur Mitarbeiterbindung ist zugleich das kostengünstigste: die Führungspersönlichkeit und das Führungsverhalten der direkten Vorgesetzten.

Dabei müssen Vorgesetzte keine Top-Führungstalente sein, sondern über einige, also nicht einmal unbedingt alle, jener Kompetenzen verfügen, welche die Mitarbeiterbindung entscheidend beeinflussen. Das sind:

  • positives Menschenbild
  • Wertschätzung, Anerkennung und Lob von Leistungen
  • talentorientierte Förderung
  • Bieten von Herausforderungen und interessanten Aufgaben
  • Einbezug in Entscheidungen und Meinungsbildung
  • aktive Mitgestaltungsmöglichkeiten mit den notwendigen Freiräumen

Im Unternehmensalltag sind vor allem die Führungskräfte erfolgreich, die flexibel agieren. Jede Aufgabe, Situation und jeder Mensch erfordert eine andere Aktion: Mal gilt es zu loben, mal zu korrigieren, ein anderes Mal ist die Unterstützung bei der Aufgabenerfüllung nötig, mal muss die Führungskraft sich bewusst zurücknehmen.

Ein individuell ausgerichteter, situativer Führungsstil bedeutet nicht, alle Beschäftigten gleichzubehandeln. Er beachtet Kompetenz, Leistungsbereitschaft und Selbstbewusstsein der Beschäftigten. Führungskräfte, die keinen idealtypischen Führungsmodellen folgen, bringen dem Mitarbeiter das entgegen, was ihm am meisten nützt und ihn unterstützt.

Das Führungssystem des Unternehmens sollte transparent und authentisch als Führungsphilosophie veröffentlicht sein. Dazu gehören auch der Einsatz moderner Führungsinstrumente und die Übernahme von Führungsaufgaben wie:

  • Übertragung von Verantwortungsbereichen
  • Feedback 
  • Mitarbeitergespräch
  • Zielvereinbarung zu Entwicklungsmöglichkeiten

Worauf Sie bei Arbeitsinhalten und Arbeitsgestaltung achten sollten

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben bei den Unternehmen, die gute organisatorische und strukturelle Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Arbeiten bieten. Sie beachten zudem die persönlichen Grundwerte und Lebensziele der Beschäftigten.

Die folgenden Instrumente, die Unternehmen einsetzen können, um Arbeitsinhalt, Arbeitsumfeld und Arbeitsorganisation zu gestalten, gehören zu einem erfolgreichen Retention Management und sind damit Maßnahmen der Mitarbeiterbindung.

Arbeitsinhalte attraktiv gestalten

Besonders wichtige Faktoren der Mitarbeiterbindung sind:

  • spannende, herausfordernde, interessante und abwechslungsreiche Aufgaben und Projekte
  • die Möglichkeit, Fähigkeiten und Talente einzusetzen und zu beweisen
  • sichtbare Resultate und Erfolge erzielen
  • den Sinn und Beitrag zum Unternehmensganzen zu (er)kennen
  • „in den eigenen Aufgaben aufgehen“

Das Engagement kann sich bei ein und derselben Person je nach Aufgabe, Ziel und Projekt allerdings ändern – und auch die Anforderungen an die Arbeitsinhalte sind je nach Kompetenz, Talent, Persönlichkeit und Motivationsprofil individuell und unterschiedlich.

Attraktive Aufgaben und Arbeitsinhalte zu bieten, ist eine Frage der Mitarbeiterführung, der Organisation und der Flexibilität im Unternehmen. Alle Maßnahmen zu den Arbeits- und Aufgabeninhalten sollten zudem mit der Personalentwicklung abgestimmt werden, damit Mitarbeitende nicht überfordert werden.

Sinn, Zweck und Purpose der Aufgaben sichtbar machen

Mitarbeitende sollten außerdem wissen, für wen sie welchen Nutzen stiften und welchen Beitrag sie leisten. Sinngebende Tätigkeiten, Ziele und Perspektiven sind vor allem bei anspruchsvollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von großer Bedeutung. Sie erwarten mehr als eine volle Lohntüte und einen sicheren Arbeitsplatz.

Bei den beruflichen Perspektiven sind es vor allem Laufbahn- und Entwicklungsaspekte, die Mitarbeiterbindung fördern. Bei Zielen helfen Zielvereinbarungen als Führungsinstrument; sie machen den Zweck der jeweiligen Aufgaben und Arbeiten sichtbar.

Mitarbeiter wollen verstehen, welchen Beitrag sie für das Unternehmen leisten (können) und warum ihre Aufgaben und Arbeiten wichtig sind. Dazu muss sichtbar werden, welche Ziele, Strategien und Werte das Unternehmen verfolgt und was Geschäftsmodell und Zweck der einzelnen Prozesse sind.

Dies wird in jüngster Zeit mit dem Begriff „Purpose“ zusammengefasst. Wenn dieser für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verständlich und attraktiv ist, trägt dies zur Mitarbeiterbindung bei.

Ob Mitarbeiter ihre Arbeit als sinnstiftend erleben, hat viel mit der Unternehmenskultur zu tun, die den Alltag des Unternehmens und den Umgang von Mitarbeitern untereinander prägt und in Werten wie Respekt, Vertrauen, Wertschätzung, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit zum Ausdruck kommt.

Flexible Arbeitszeitgestaltung und Arbeitszeitmodelle

Schon heute und in Zukunft wohl noch stärker gehören attraktive und flexible Arbeitszeitmodelle zu den größten Pluspunkten der Arbeitgeber-Attraktivität mit erheblichem Einfluss auf die Mitarbeiterbindung. Wer Mitarbeiter an sein Unternehmen binden oder neue Fachkräfte gewinnen will, für den sind innovative Arbeitszeitmodelle nahezu unverzichtbar.

Mitarbeiter, die eigenverantwortlich die Verteilung ihrer Arbeitszeit mitbestimmen können, arbeiten motivierter – dies zeigen Untersuchungen. Eine flexible Arbeitszeitgestaltung ist sogar oft einer der wichtigsten Gründe, einem Unternehmen treu zu bleiben.

Mitarbeiter haben größere Zeitspielräume, können den Ablauf ihrer Tätigkeit mit beeinflussen und private und familiäre Interessen stärker berücksichtigen. Ein Schwerpunkt sollte demnach auch auf maßgeschneiderten Work-Life-Balance-Angeboten liegen.

Arbeitsplatz und Arbeitsgestaltung

Ziel der Arbeitsgestaltung ist es, die Arbeit an den Menschen anzupassen. Meistens werden dabei ergonomische Anforderungen an den Arbeitsplatz betrachtet. Letztlich geht es aber um Physiologie, Ergonomie und Psychologie gleichermaßen. Hierbei spielen zunächst Fragestellungen zu Pausenplanung, Arbeitssicherheit, Arbeitsgeschwindigkeit oder Umwelteinflüsse (Lärm, Staub, Klima) eine Rolle.

Für einige Beschäftigte (im Bürobereich) ist zudem entscheidend für Ihre Unternehmenstreue, wie oft und in welcher Form sie von zu Hause aus arbeiten können. Homeoffice, die entsprechende technische Ausstattung, die Einbindung in Teamprozesse und die Art der Zusammenarbeit sind wichtige Bewertungskriterien.

Schließlich sind Aspekte wichtig wie der richtige Einsatz von Führungsinstrumenten wie Zielvereinbarungen oder Feedbackgespräche sowie Vergütungsregelungen, Handlungsspielräume, die Transparenz von Entwicklungsmöglichkeiten und die Möglichkeit, im Rahmen vorgegebener Ziele zu planen. Wenn die Arbeit richtig gestaltet ist, kann das die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden und die Identifikation mit dem Unternehmen fördern.

Stressvermeidung und Gesundheitsmanagement

Ein häufig vernachlässigter Aspekt der Arbeitsgestaltung ist die Vermeidung von Stress, der auf Zeit- und Leistungsdruck zurückzuführen ist. Führungskräfte und Arbeitgeber nehmen dabei eine Vorbildfunktion ein. Wie Unternehmen mit Stress umgehen, ist ein Teil der Unternehmenskultur.

Betriebliches Gesundheitsmanagement kann nicht nur bei Stress, sondern auch bei anderen Belastungen am Arbeitsplatz präventiv wirken. Es kann die Arbeitszufriedenheit steigern und als ein Teil eines zukunftsfähigen Bindungsmanagements eingesetzt werden.

Praxis

Passende und loyale Mitarbeiter einstellen

Schon bei der Beurteilung und Auswahl von Bewerberinnen und Bewerbern sollten Sie darauf achten, dass deren Erwartungen und Anforderungen zu dem passen, was Ihr Unternehmen verspricht und dann auch leisten kann. Das ist Voraussetzung dafür, dass Sie loyale Mitarbeiter einstellen, die sich an Ihr Unternehmen gebunden fühlen.

Überprüfen Sie vor diesem Hintergrund, wie in Ihrem Unternehmen Rekrutierung, Personalauswahl und die Beurteilung von Bewerbungen durchgeführt werden:

  • Welche Instrumente zur Personalauswahl und Bewerberbeurteilung nutzen Sie?
  • Inwiefern sind dort Aspekte der Mitarbeiterloyalität und der Mitarbeiterbindung eingebaut?
  • Wo sehen Sie Defizite?
  • Was könnte in Bezug auf die Passgenauigkeit von Bewerberinnen und Bewerbern verbessert oder verändert werden?

Nutzen Sie für Ihre Überprüfung die folgende Vorlage, in der verschiedene Instrumente für die Personalauswahl und die Personalbeurteilung zusammengestellt sind.

Arbeitgeber-Stärken kommunizieren und Unternehmensimage pflegen

Überprüfen Sie die Kommunikation Ihres Unternehmens in Bezug auf die Stärken als Arbeitgeber:

  • Welche Stärken Ihres Unternehmens sind für potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv?
  • Welche besonderen Merkmale machen Ihr Unternehmen unverwechselbar?
  • Was müssen Sie kommunizieren, um Beschäftigte langfristig zu halten?

In der folgenden Checkliste finden Sie Beispiele und Anregungen für die Formulierung von Arbeitgeber-Stärken.

Unternehmenskultur und Betriebsklima pflegen

Machen Sie sichtbar, was die Unternehmenskultur und das Betriebsklima Ihres Unternehmens oder Ihres Teams auszeichnet. Prüfen Sie, ob Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine positive Einstellung gegenüber Ihrem Unternehmen entwickeln können.

Hinterfragen Sie die Werte und Normen des Unternehmens und die der Mitarbeitenden.

Klären Sie, inwieweit die Beschäftigten hinter den Zielen, Zwecken und Strategien Ihres Unternehmens stehen und ob der tägliche Umgang miteinander und die Regeln und Gepflogenheiten zu dem passen, was die Mitarbeitenden von einem Unternehmen erwarten.

Um die dafür wichtigen Merkmale der Unternehmenskultur und des Betriebsklimas zu erkennen und zu vergleichen, sollten Sie folgende Aspekte beachten:

  • Sammeln Sie Stichworte, die unbewusste und unsichtbare Grundannahmen Ihrer Organisationskultur beschreiben und benennen.
  • Hinterfragen Sie diese und holen Sie die Sichtweise von Außenstehenden ein.
  • Beobachten Sie Abläufe und Verhaltensweisen in Ihrer Organisation über einen längeren Zeitraum und notieren Sie Ihre Eindrücke.
  • Machen Sie eine Kommunikationsanalyse, indem Sie offizielle und inoffizielle Gespräche sowie Dokumente in Ihrer Organisation und Ihrem Team auswerten.
  • Beschreiben Sie typische Handlungsweisen, Verhalten und Aussagen des Top-Managements.

Nutzen Sie dazu die folgende Vorlage.

Neue Mitarbeiter betreuen, integrieren und binden

Überprüfen Sie, was in Ihrem Unternehmen bislang geplant und vorbereitet wird, wenn eine neue Mitarbeiterin oder ein neuer Mitarbeiter einsteigt:

  • Wer kümmert sich um die entsprechende Person?
  • Was tun Sie im Einzelnen, damit sich neue Mitarbeitende schnell zurechtfinden, Kontakte knüpfen können und erste Erfolge erzielen?
  • Wo sind beim bisherigen Ablauf zur Einarbeitung der Neuen die Defizite?

Nutzen Sie hierfür die folgende Checkliste sowie den folgenden Einarbeitungsplan.

Führungsverhalten und Führungsinstrumente

Analysieren und charakterisieren Sie Führungsstile Ihrer Führungskräfte und die Führungsphilosophie(n) in Ihrem Unternehmen. Klären Sie dazu folgende Fragen:

  • Wo sehen Sie Stärken und wo Schwächen der Führungskräfte?
  • Welche Führungskräfte sind positive und welche negative Vorbilder?
  • Was sagen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über ihre Vorgesetzten?
  • Wo kommt es oft zu Konflikten zwischen Mitarbeitenden und ihren Vorgesetzten?
  • Welche Führungsinstrumente wie Zielvereinbarungen, Zielklausuren, Mitarbeitergespräche, Aufgabendelegation und Feedbackgespräche werden genutzt?
  • Welche Führungskräfte nutzen solche Instrumente? Welche nicht?

Stellen Sie eine entsprechende Liste zusammen und benennen Sie die Defizite. Nutzen Sie dazu die folgende Vorlage.

Fair entlohnen

Das Gehalt ist nach wie vor ein zentraler Baustein zur Mitarbeiterbindung. Dabei erwarten die Beschäftigten insbesondere, dass Lohn- und Gehaltssysteme fair und angemessen gestaltet sind.

Nutzen Sie die folgende, um Ihr bestehendes Gehaltssystem zu überprüfen und mögliche Schwächen im Hinblick auf Fairness und Angemessenheit zu erkennen. Planen Sie dann bei Bedarf und darauf aufbauend ein Vergütungssystem, das zur Mitarbeiterbindung beiträgt.

Instrumente der Mitarbeiterbindung auf dem Prüfstand

Stellen Sie zusammen, welche besonderen Angebote, Services, Entgelte oder andere Vorteile Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bieten, damit Ihr Unternehmen für sie attraktiv bleibt. Prüfen Sie:

  • Wie werden die einzelnen Angebote und Maßnahmen wahrgenommen?
  • Von wem werden die Angebote und Maßnahmen wahrgenommen?

Nutzen Sie die folgende Checkliste, in der Sie eine Reihe von Instrumenten der Mitarbeiterbindung finden. Halten Sie darin fest, was Sie bereits anbieten oder leisten – und worauf Sie zukünftig stärker achten wollen.

Dazu im Management-Handbuch

Vorlagen nutzen

Weitere Kapitel zum Thema