Six SigmaProzesse neu planen mit dem Six-Sigma-Prozess DMADV und DFSS

Wenn Prozesse neu geplant und gestaltet werden oder wenn Produkte neu entwickelt werden, dann kommt die Methode Design For Six Sigma (DFSS) zum Einsatz. Dazu durchlaufen Sie die Schritte des DMADV-Prozesses zur Six-Sigma-gerechten Prozessplanung. Diese einzelnen Schritte von DMADV sind hier erläutert.

Der DMADV-Prozess und das DFSS-Prinzip

Ist der Unternehmensprozess als solcher noch nicht definiert und etabliert oder muss ein bestehender Prozess ganz neu gestaltet werden, dann läuft das Six-Sigma-Projekt nach dem sogenannten DMADV-Prozess ab. Die Schritte sind:

  1. Define
  2. Measure
  3. Analyse
  4. Design
  5. Verify

Dieser Prozess wird auch als Kernprozess für das sogenannte Design for Six Sigma (DFSS) bezeichnet. DFSS ist ein wichtiges Prinzip für Six Sigma. Es kommt auch dann zum Tragen, wenn es um die Produktentwicklung geht. Schon bei der Planung, Konzeption und Entwicklung neuer Produkte oder Dienstleistungen soll Six Sigma der Maßstab für Qualität und Kundenzufriedenheit sein.

Design For Six Sigma (DFSS)

Design For Six Sigma ist eine Methode, die bei der Konzeption, Planung, Entwicklung und Realisierung neuer Produkte oder Prozesse angewendet wird. Dabei sollen die Anforderungen aus Six Sigma bereits frühzeitig, vor der Realisierung oder Produktion, beachtet und angewendet werden. DFSS kommt dann zum Tragen, wenn die Produkte und Prozesse als solche noch nicht existieren.

Die Vorgehensweise bei DFSS ist nicht standardisiert. Oft wird der Six-Sigma-Kernprozess DMAIC variiert – etwa in der Form des DMADV-Prozesses: Define, Measure, Analyse, Design, Verify.

1. Define

Im ersten Schritt des DMADV-Prozesses definieren Sie die Projektziele und den Zweck des Prozesses. Sie halten fest:

  • Prozess der neue geplant und gestaltet werden soll
  • der Output (Produkt oder Ergebnis), der mit dem Prozess erzielt werden soll
  • die Kundenwünsche (intern und extern), die der Output erfüllen soll

2. Measure

In der Measure-Phase von DMADV legen Sie fest, woran Sie erkennen, ob die Kundenwünsche erfüllt und der erforderliche Output mit dem Prozess erzeugt wird. Sie definieren dafür geeignete Kennzahlen und ihre Messgrößen. Sie halten dazu im Einzelnen fest:

  • erforderliche Merkmale, Funktionen oder Eigenschaften des Produkts
  • dazu notwendige Prozessleistungen, Prozessergebnisse und Prozessmerkmale
  • Kennzahlen, die zeigen, ob die Prozessleistung erreicht wird
  • Parameter oder Variable, die sich messen lassen und für die Kennzahlen stehen
  • Sollwerte oder Vorgaben, die diese Kennzahlen erreichen sollen

Damit definieren Sie die Variablen für die sogenannten Critical to Quality Characteristics (CTQ). Sie halten die kritischen Qualitätsfaktoren fest und geben das Qualitätsniveau oder Qualitätslevel vor, das mit dem Prozess erreicht werden soll.

3. Analyse

In der Analyse-Phase von DMADV prüfen Sie, welche kritischen Faktoren den Prozess charakterisieren. Sie prüfen und hinterfragen:

  • Wodurch können sich Fehler ergeben?
  • Wo können Störungen auftauchen?
  • Welche Risiken bestehen?
  • Wie schwerwiegend wären die Folgen, wenn der Prozess nicht funktioniert?

Sie planen für den Prozess in dieser Phase, wie Sie diese möglichen Fehlerquellen vermeiden, wie Sie mögliche Störungen erkennen und was Sie dazu später im laufenden Prozess messen und auswerten müssen. Sie definieren also die Qualitätskontrolle und das Prozess-Controlling für den neuen Prozess.

4. Design

In der Design-Phase werden die neuen Prozesse dann im Detail geplant. Dazu zählen insbesondere:

  • wichtige Lieferanten oder Vorgänger-Prozesse
  • notwendiger Input, Ressourcen, Materialien, Betriebsstoffe etc.
  • die einzelnen Prozessschritte, Abläufe, Tätigkeiten und ihre logische Abfolge
  • die dabei eingesetzten Personalressourcen und ihre Kompetenzen sowie Maschinen, Geräte und Informationen (Arbeitsanweisungen)
  • Messpunkte und Messverfahren für die Qualitätskontrolle
  • erzielter Output, Produkte, Teilprodukte oder Ergebnisse, die der Prozess erzeugt
  • Kunden oder nachfolgende Prozessschritte, die diesen Output anfordern

Die Merkmale des Prozess-Outputs (Produkte) und Qualitätskriterien (Toleranzbereiche) sowie die Abläufe, Hilfsmittel, Tätigkeiten und Vorrichtungen der Prozesse werden genau spezifiziert und beschrieben. Dabei wird aus der Six-Sigma-Sicht vor allem darauf geachtet, wie die kritischen Qualitätsmerkmale (Critical to Quality) und die entsprechenden Messwerte im laufenden Betrieb überwacht und analysiert werden.

Zudem werden Kennzahlen zu Kosten und Durchlaufzeiten festgelegt, die dann regelmäßig im Rahmen des Prozess-Controllings erhoben und ausgewertet werden. Damit lassen sich die Wirtschaftlichkeit und das Kosten-Nutzen-Verhältnis des Prozesses bewerten.

6. Verify

In der Verify-Phase von DMADV geht es um die Umsetzung, Einführung, Steuerung und Überwachung des neuen Prozesses und seiner Qualitätsanforderungen. Sie prüfen im laufenden Betrieb, ob der Prozess das leistet, wofür er eingerichtet wurde und was Sie von ihm erwarten. Dazu messen Sie insbesondere die Kennzahlen und Variablen, die in der Measure-Phase als Critical to Quality Characteristics (CQT) definiert wurden.

Prozesse, die mit dieser DMADV-Vorgehensweise geplant, gestaltet und betrieben werden, erfüllen das DFSS-Prinzip. Sie lassen sich dann mit dem Six-Sigma-Konzept und dem DMAIC-Prozess prüfen und verbessern.

Praxis

Prüfen Sie, inwiefern Sie bei der Neuplanung und Gestaltung Ihrer Unternehmensprozesse nach dem DFSS-Prinzip vorgehen und wie Sie die DMADV-Methode in Ihrem Unternehmen anwenden. Halten Sie dazu insbesondere fest:

  • Kundenanforderung und Prozessergebnis, das erbracht werden soll
  • Prozessleistungen, die dafür notwendig sind
  • Kennzahlen, Variablen und Messgrößen, die das Qualitätsniveau des Prozesses beschreiben
  • Critical to Quality Characteristics (CTQ), die gemessen werden müssen, um Fehler und Prozessmängel zu erkennen oder zu vermeiden
  • Messverfahren, die Sie dabei einsetzen und deren Zuverlässigkeit Sie sicherstellen
  • Merkmale des Prozess-Controllings und der Qualitätskontrolle im laufenden Betrieb, wenn der Prozess durchgeführt wird

Alle weiteren Erläuterungen mit Methoden und Werkzeugen für die Prozessplanung und Prozessgestaltung finden Sie im Handbuch-Kapitel zum Prozessmanagement.

Um die vielfältigen Aufgaben, die mit einem Six-Sigma-Projekt anfallen, besser zu erfüllen, werden jeweils unterschiedliche Methoden, Verfahren und Werkzeuge eingesetzt. Diese sind im Six-Sigma-Werkzeugkasten beschrieben. Im folgenden Abschnitt dieses Handbuch-Kapitels werden diese Werkzeuge aus der 7x7-Toolbox von Six Sigma vorgestellt.