WertanalyseWertanalyse – Bedeutung, Normen, Vorgehen und Beispiel

Mit der Wertanalyse können Sie Produkte verbessern und Kosten senken. Sie analysieren dazu die Komponenten des Produkts, die für den Kunden einen hohen Wert haben. Oder sie reduzieren dort die Kosten, wo es keinen Einfluss auf die Qualität und Leistung hat. Die Wertanalyse liefert dafür einen systematischen (normierten) Ablaufplan und viele Methoden.

Was ist eine Wertanalyse?

Die Wertanalyse ist ein systematisches Verfahren, um Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse zu verbessern – um damit ihren Wert zu steigern. Dabei werden unterschiedliche Methoden und Werkzeuge eingesetzt aus dem Bereich der Produktplanung, der Produktentwicklung, aber auch des Kostenmanagements und des Marketings. Die Wertanalyse hat zwei wesentliche Ausrichtungen:

  • die Qualität, der Gebrauch, die Lebensdauer, das Ansehen oder die Verkaufskraft eines Produkts, einer Dienstleistung oder eines Prozess-Outputs sollen verbessert werden;
  • unnötige Kosten, die dabei anfallen, sollen vermieden oder verringert werden.

Im besten Fall gelingt beides gleichzeitig: Der Wert des Produkts steigt und die Kosten werden gesenkt. Deshalb sind Wert oder Nutzen sowie Kosten die Schlüsselbegriffe und zentralen Konzepte der Wertanalyse. Um den Wert zu steigern und die Kosten zu senken, basiert die Wertanalyse auf zwei Prinzipien:

  • Denken in Funktionen
  • systematisches Vorgehen

Wertanalyse und Value Management

Value Management wird in der DIN EN 12973 allgemein und abstrakt definiert als: ein grundlegendes Konzept, das auf wertorientierten Denk- und Verhaltensweisen basiert und besonders geeignet ist, Menschen zu motivieren, Fähigkeiten zu entwickeln sowie Synergie und Innovation zu fördern, jeweils mit dem Ziel, die Gesamtleistung einer Organisation zu maximieren.

Die Wertanalyse wird als eine Methode oder als Kern des Value Managements betrachtet. Sie bezieht sich auf ein einzelnes Produkt, eine Dienstleistung oder einen Prozess – das Wertanalyse-Objekt. Dem entsprechend heißt es in der DIN EN 1325: Die Wertanalyse ist ein organisierter und kreativer Ansatz, der einen funktionenorientierten und wirtschaftlichen Gestaltungsprozess mit dem Ziel der Wertsteigerung eines Wertanalyse-Objektes zur Anwendung bringt.

Normen und Richtlinien zur Wertanalyse

Die Wertanalyse ist in unterschiedlichen Normen gefasst und beschrieben. Damit soll sichergestellt sein, dass die Prinzipien beachtet und die Vorgehensweise klar ist. Die Normen geben den Anwendern der Wertanalyse ein Gerüst, an dem Sie sich orientieren können, wenn sie Wertanalyse-Projekte durchführen.

Früher war die DIN 69910 maßgeblich für die Wertanalyse. Sie wurde ersetzt durch die Norm DIN EN 12973:2020-05 zum Value Management. Diese Norm wird wiederum ergänzt durch die technische Regel und Richtlinie VDI 2800 Blatt 1:2010-08 und Blatt 2 (Formblätter). Einzelne Aspekte der Wertanalyse und des Value Managements sind in weiteren Normen festgehalten und erläutert; wie zum Beispiel in der DIN EN 16271:2013-03, Value Management – Funktionale Beschreibung der Bedürfnisse und funktionale Leistungsbeschreibung oder DIN EN 1325:2014-07 mit Begriffen rund um das Value Management.

Wertanalyse-Arbeitsplan und Wertanalyse-Ablauf

Ein wesentliches Prinzip der Wertanalyse ist das systematische Vorgehen. Das ist im sogenannten Wertanalyse-Arbeitsplan genau definiert. Er umfasst zehn Schritte, wobei die Zählung in der Norm bei „0“ beginnt:

  1. Vorbereitung des Projektes
  2. Projektdefinition
  3. Planung
  4. Umfassende Daten über die Studie sammeln
  5. Funktionenanalyse, Kostenanalyse, Detailziele
  6. Sammeln und Finden von Lösungsideen
  7. Bewertung der Lösungsideen
  8. Entwicklung ganzheitlicher Vorschläge
  9. Präsentation der Vorschläge
  10. Realisierung

Ursprünglich bestand der Arbeitsplan aus sechs Schritten. Ablauf und Inhalte sind im Wesentlichen die gleichen geblieben, nur die Schwerpunkte und Bedeutung einzelner Schritte und Aufgaben werden anders betont. Nach alter Zählung umfasst der Wertanalyse-Arbeitsplan diese Schritte:

  1. Projekt vorbereiten
  2. Objektsituation analysieren
  3. SOLL-Zustand beschreiben
  4. Lösungsideen entwickeln
  5. Lösungen festlegen
  6. Lösungen verwirklichen

Ziele der Wertanalyse

Mit der Wertanalyse will das Unternehmen gute Lösungen finden, wenn beispielsweise solche Probleme sichtbar werden:

  • Die Kundenanforderungen haben sich geändert. Die Produkte der Wettbewerber erfüllen diese besser. Das Unternehmen kann sich mit seinen Produkten nicht vom Wettbewerber abgrenzen und nicht mit besonderen Leistungen glänzen.
  • Die Preise der Produkte sind im Vergleich zum Wettbewerb zu hoch und am Markt nicht durchsetzbar. Es müssen Einsparmöglichkeiten gefunden werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.
  • Ein Kunde will kaufen, sein Budget reicht für die vorgeschlagene Lösung aber nicht aus. Auch hier geht es um Einsparmöglichkeiten für spezielle Lösungen für ausgewählte Kundensegmente.
  • Die Gemeinkosten sind zu hoch. Es wird deutlich, dass im Verwaltungsbereich zu viel unnötige Arbeit gemacht wird.
  • Das Unternehmen ist zu langsam. Die Lieferzeiten der Produkte sind zu hoch. Die Entwicklungszeiten für neue Produkte sind zu lange.
  • Prozesse im Unternehmen sind zu umständlich, zu aufwendig, zu teuer. Aufgaben sind unnötig oder werden nicht richtig bearbeitet.

Mit der Wertanalyse sollen solche Probleme gelöst werden. Die Ziele dabei sind:

  • den Nutzen für den internen oder externen Kunden steigern
  • die Kosten senken
  • Aufwand für Ressourcen reduzieren
  • Abläufe beschleunigen
  • Produkte und Dienstleistungen attraktiv gestalten

Prinzipien und Merkmale der Wertanalyse

Die Stärke der Wertanalyse ist, dass sie unterschiedliche Methoden und Werkzeuge der Produkt- und Prozessplanung unter einer Systematik zusammenführt und pragmatisch anwendet. Sie will den Einsatz von Methoden und methodischem Vorgehen sicherstellen. Außerdem hilft sie, vor allem in Funktionen und in Wert zu denken. So wird eine konsequente Markt- und Preisorientierung im Unternehmen gefördert.

Dabei kommt es darauf an, unterschiedliche Akteure in einem Team zusammenzuführen, deren Kreativitätspotenziale zu nutzen und am Ende immer das Wohl und den Nutzen der Kunden zu verfolgen. Besonders wichtig sind deshalb die Verhaltensweisen der Mitglieder im Wertanalyse-Team. Abbildung 1 zeigt diese Ziele, Prinzipien und Elemente der Wertanalyse in der Übersicht.

Abbildung 1: Ziele und Elemente der Wertanalyse

Beispiel: Wertanalyse für eine Geräteverpackung

Im Rahmen einer Marktanalyse und Kundenanalyse mithilfe der Conjoint-Methode hat ein Unternehmen festgestellt, dass die Verpackung des Produkts eine große Rolle spielt, wenn es um die Kaufentscheidung am Point of Sale (Handel) geht. Deshalb soll die Verpackung neu gestaltet werden. Gleichzeitig ist dies die Gelegenheit, die Kosten für die Verpackung zu senken. Beide Ziele sollen im Rahmen einer Wertanalyse erreicht werden.

Zielvorgabe ist: Die Verpackung soll für Kunden ansprechender und attraktiver und im Handling einfacher werden. Die Kosten für eine bestehende Geräteverpackung sollten um fünf Prozent gesenkt werden.

Im Rahmen einer Wertanalyse wurden sämtliche Funktionen der Verpackung hinterfragt. Es wurde eine detaillierte Funktionenstruktur entwickelt. Das Wertanalyse-Team hat erkannt, dass der Verpackungsaufwand deutlich reduziert werden kann, wenn am Produkt geringfügige Veränderungen vorgenommen werden. Gleichzeitig werden Transportschäden reduziert. Die Materialkosten werden minimiert, indem Stützpolster entfernt und die Faltschachtel verkürzt wird.

Ergebnis der Wertanalyse: Nach acht Planungstagen im Wertanalyse-Projekt wird ermittelt, dass sich der Aufwand um rund 250.000 Euro pro Jahr verringern lässt. Zusätzlich werden 50.000 Euro pro Jahr eingespart, indem weniger Transportschäden auftreten. Im Rahmen der Kundenanalyse wird ermittelt, dass die neue Verpackung im Handel stärker auffällt.

Wertanalyse als Projekt

Eine Wertanalyse erfolgt meistens an einem ausgewählten Wertanalyse-Objekt. Das kann ein Produkt oder Bauteil des Unternehmens, aber genauso eine Dienstleistung oder ein Prozess sein. Dazu wird ein Wertanalyse-Projekt definiert und mit den Regeln des Projektmanagements durchgeführt. Der Wertanalyse-Arbeitsplan sieht dazu als erste Arbeitsschritte die Vorbereitung des Projekts mit der genauen Festlegung des Wertanalyse-Objekts sowie die Projektdefinition mit Zielen, Zeitrahmen und Projektorganisation vor.

Praxis

Ausgangssituation und Erfahrungen mit der Wertanalyse klären

Prüfen Sie, welche Erfahrungen Sie mit Wertanalyse-Projekten in Ihrem Unternehmen bereits sammeln konnten. Klären Sie dazu:

  • Haben Sie Wertanalyse-Projekte durchgeführt?
  • Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
  • Um welche Wertanalyse-Objekte ist es dabei gegangen?
  • Was haben Sie in dem Wertanalyse-Projekt jeweils verbessert oder eingespart?

Prüfen Sie dann im Hinblick auf die zukünftige Nutzung der Methoden zur Wertanalyse:

  • Wo in Ihrem Unternehmen vermuten Sie weitere Einsparpotenziale?
  • Wo muss gespart werden?
  • Welche Produkte und Prozesse müssen Sie verbessern?

Inwiefern gibt es in Ihrem Unternehmen für solche Projekte zur Wertsteigerung und zur Kosteneinsparung einen standardisierten Ablauf? Wie gehen Sie üblicherweise vor? Markieren Sie in der folgenden Vorlage, was in Ihrem Unternehmen zu den standardisierten Elementen gehört.

Wertanalyse-Bedarf ermitteln

  • Machen Sie einen ersten Check, in welchen Bereichen Ihres Unternehmens eine Wertanalyse hilfreich sein könnte.
  • Prüfen Sie mit den Fragen in der folgenden Vorlage, inwiefern ein von Ihnen ausgewähltes Produkt oder Bauteil im Rahmen einer Wertanalyse überprüft werden sollte.
  • Bewerten und schätzen Sie die Bedeutung mithilfe von Punktwerten. Damit können Sie auch mehrere Produkte und deren Wertanalyse-Bedeutung vergleichen.

Klären Sie, was Sie verbessern wollen und welche Ziele Sie dabei verfolgen. Halten Sie den Wertanalyse-Bedarf mit der folgenden Checkliste und dem Bewertungstableau fest.

Prüfen Sie außerdem, welche Bedeutung die Rahmenbedingungen und Umfeldfaktoren für ein mögliches Wertanalyse-Projekt haben und ob alle notwendigen Informationen vorliegen oder mit vertretbarem Aufwand beschafft werden können.

Wertanalyse-Beispiel mit Vorgehensweise und Muster für den Wertanalyse-Bericht

Besonders hilfreich ist, wenn Sie sich die Systematik und den Ablauf der Wertanalyse an einem ausgearbeiteten Beispiel veranschaulichen. Dafür eignet sich der folgende Beispielbericht. In ihm ist die Vorgehensweise nach dem Wertanalyse-Arbeitsplan für einen Infusionsflaschenaufhänger (in Krankenhäusern) ausführlich erläutert. Sie können in dem Bericht unter anderem erkennen, wie die Ergebnisse eines Wertanalyse-Projekts aufbereitet und dokumentiert werden können.

In den folgenden Abschnitten dieses Handbuch-Kapitels werden das System Wertanalyse, die dabei eingesetzten und hilfreichen Methoden und Werkzeuge sowie die einzelnen Arbeitsschritte ausführlich erläutert.