WertanalyseMethoden und Werkzeuge der Wertanalyse

Spezielle Methoden und Werkzeuge helfen, die einzelnen Aufgaben aus dem Wertanalyse-Arbeitsplan zu bearbeiten. Probleme werden damit durchdacht, Sachverhalte analysiert, Lösungen bewertet und Ergebnisse visualisiert und dokumentiert. In diesem Abschnitt werden Methoden und Werkzeuge benannt und auf die Kapitel im Management-Handbuch verwiesen.

Kategorien im Wertanalyse-Werkzeugkasten

Der Ablauf der Wertanalyse ist mit dem Wertanalyse-Arbeitsplan genau vorgegeben und normiert. Welche Methoden und Werkzeuge in den einzelnen Phasen und Arbeitsschritten eingesetzt werden – hier macht die Wertanalyse keine Vorgaben. Entscheidend ist, was hilfreich ist, um die jeweiligen Fragestellungen und Aufgaben zu bearbeiten und die Ziele zu erreichen.

Insofern bedient sich die Wertanalyse einer Vielzahl von Methoden und Werkzeugen, die auch für andere betriebliche und technische Aufgaben eingesetzt werden. Um in den umfangreichen Wertanalyse-Werkzeugkasten eine Systematik zu bringen, lassen sich folgende Kategorien unterscheiden. Es werden Methoden und Werkzeuge genutzt aus den Bereichen:

  • Strategie und Zielplanung
  • Projektmanagement
  • Konstruktion und Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen
  • Kreativitätstechniken
  • Kostenmanagement
  • Controlling und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Je nachdem, in welcher Phase und bei welchem Arbeitsschritt Sie sich im Wertanalyse-Projekt befinden, nutzen Sie verstärkt Methoden und Werkzeuge aus der einen oder anderen Kategorie. Oft ist es ratsam, einen Mix aus Methoden einzusetzen. Im Folgenden werden einige Methoden kurz benannt und auf die entsprechenden Handbuch-Kapitel verwiesen, in denen Sie ausführliche Erläuterungen und Vorlagen für die Anwendung finden.

Hintergrund: Die Kernmethoden nach DIN EN 12973

In der Norm DIN EN 12973:2020-05 sind Denkhaltung, Prinzipien, Ziele, Zielgruppen und Kernmethoden des Value Managements ausführlich erläutert. Insbesondere der methodische Rahmen ist für das Konzept Value Management wichtig. Zu den Kernmethoden zählen:

  • Wertanalyse (als Methode des Value Managements)
  • Funktionenanalyse
  • Funktionenkosten
  • funktionale Leistungsbeschreibung
  • Design to Cost und Design to Objectives

Strategie und Zielplanung

Zunächst geht es darum zu erkennen, ob und in welchem Fall überhaupt ein Wertanalyse-Projekt durchgeführt werden soll. Das können unterschiedliche Indikatoren sein, die einen solchen Bedarf zeigen. Wichtig ist, dass diese Indikatoren im Unternehmen beobachtet und analysiert werden. Häufig ergeben sie sich aus Marktanalysen und Vergleichen mit Wettbewerbern oder aus der Kundenanalyse und Gesprächen mit Vertrieb und Marketing. Am Anfang steht bei der Geschäftsleitung und den Projektmanagern die Erkenntnis: Wenn wir erfolgreich sein oder bleiben wollen, dann müssen wir das Produkt verbessern – oder seine Kosten senken.

Wie Sie zu solch einer Erkenntnis kommen und aus welchen Indikatoren Sie diese ableiten, erfahren Sie in den folgenden Handbuch-Kapiteln:

Ihr Unternehmen kann aber auch selbst aktiv werden und strategische Initiativen und Pläne schmieden, um den Wert der Produkte und Leistungen für die Kunden zu verbessern – etwa durch den Einsatz neuer Technologien, weiterführender Services oder neuer Geschäftsmodelle. Um die Produkte, Leistungen und Prozesse darauf auszurichten, kann eine Wertanalyse hilfreich oder sogar notwendig sein. Grundlage dafür sind Methoden und Werkzeuge der Strategieplanung wie zum Beispiel:

Projektmanagement

Wertanalyse wird nach den Regeln des Projektmanagements betrieben. Das bedeutet: Es gibt ein Projektteam, eine Projektleitung, einen Projektstrukturplan, Arbeitspakete, Aufgaben und einen Zeitplan. Oder es wird mit User Storys, Backlog, Sprint und Reviews aus dem Werkzeugkasten des agilen Projektmanagements gearbeitet. In beiden Fällen gilt: Das Projektteam bespricht sich in Meetings, entwickelt Ziele, verteilt Aufgaben und bespricht Ergebnisse. Wichtige Methoden und Werkzeuge aus dem klassischen und agilen Projektmanagement-Werkzeugkasten sind:

Ob mit klassischen oder agilen Methoden und Werkzeugen gearbeitet wird, hängt unter anderem vom Wertanalyse-Objekt (Produkt oder Dienstleistung) ab. Möglich ist meist beides, in der Praxis ergibt sich daraus in den Wertanalyse-Projekten ein hybrider Methodeneinsatz.

Ausführliche Informationen zum Projektmanagement und den Methoden und Werkzeugen finden Sie in den Handbuch-Kapiteln:

Konstruktion und Entwicklung von Produkten

Bei der Wertanalyse geht es meist um die technischen Merkmale eines Produkts, eines Bauteils oder einer Komponente. Je nachdem, um was es sich bei Ihrem Wertanalyse-Objekt handelt, sind dabei unterschiedliche Fachdisziplinen betroffen: Mechanik, Elektronik, Verfahrenstechnik, Werkstofftechnik, Bauwesen, Softwareentwicklung etc. Jede dieser Fachdisziplinen hat ihre eigenen Methoden und Vorgehensweisen. Diese können bei der Wertanalyse ebenfalls relevant sein. Beziehen Sie dazu die Expertinnen und Experten aus den jeweiligen Fachdisziplinen in Ihr Wertanalyse-Team ein.

Übergreifend kommen bei einer Wertanalyse folgende Methoden für die Produktentwicklung, Produktverbesserung, Qualitätsverbesserung oder für die Entwicklung einer Dienstleistung zum Einsatz:

Diese Methoden und die dabei eingesetzten Werkzeuge und Vorlagen finden Sie erläutert in den entsprechenden Handbuch-Kapiteln. Zudem können technische Lösungen durch den Vergleich mit anderen Unternehmen und deren Lösungen analysiert und entwickelt werden. Dabei hilft das Benchmarking.

Im Detail geht es im Wertanalyse-Projekt dann darum, einzelne Produktfunktionen oder Dienstleistungsmerkmale zu verbessern. Dazu werden diese in Komponenten zerlegt und Eigenschaften, Merkmale und Funktionen werden analysiert und nach Verbesserungspotenzial gefahndet. Methoden, die dabei helfen sind neben den gerade genannten:

  • funktionale Leistungsbeschreibung
  • Design to Cost-Verfahren, Design to Objectives
  • Funktions-Analyse-System-Technik (FAST)
  • Prozessplanung mit SIPOC

Beschreibungen, Methoden und Tools für die technischen und organisatorischen Aspekte bei der Produkt-, Dienstleistungs- und Prozessplanung finden Sie in den Handbuch-Kapiteln:

Kreativitätstechniken

Der Kreativität sollten keine Grenzen gesetzt werden – auch und gerade nicht im Wertanalyse-Projekt. Kreativitätstechniken sind meistens so angelegt, dass Grenzen aufgebrochen oder gesprengt werden. Es sollen im ersten Schritt so viele neue Ideen entstehen wie möglich – völlig unabhängig davon, ob sie sinnvoll, machbar oder wirtschaftlich sind. Das wird erst später überprüft.

Es gibt unzählige Kreativitätstechniken. Einige sind einfach, andere methodisch sehr anspruchsvoll. Oft genutzt werden:

  • alle Brainstorming-Verfahren
  • Mindmapping
  • Brainwriting (Methode 635)
  • Morphologie
  • progressive Abstraktion
  • inverses Brainstorming
  • Reizwortanalyse
  • visuelle Konfrontation
  • Stoff-Feld-Analyse
  • Idealitätskonzept
  • Widerspruchsorientierte Innovationsstrategie (WOIS)

Erläuterungen zu diesen Kreativitätsmethoden und mehr zum Thema Kreativität und Lösungsfindung finden Sie in diesen Handbuch-Kapiteln:

Kostenmanagement

Das zentrale Prinzip der Wertanalyse ist das Denken im „Wert eines Produkts“. Der Wert ergibt sich aus Funktion und Nutzen für den Kunden und Anwender einerseits sowie aus den Kosten und dem Preis andererseits. Er drückt sich auch im Preis-Leistungs-Verhältnis aus. Deshalb müssen die Kosten des Wertanalyse-Objekts genau analysiert werden. Daraus werden dann Kostenziele formuliert, die mit einer besseren Lösung, der Wertanalyse-Lösung, erreicht werden sollen. Wichtige Methoden für die Kostenanalyse und Kostenplanung sind:

Diese Methoden werden in den jeweiligen Handbuch-Kapiteln erläutert. Für die Kostenanalyse finden Sie Vorlagen im Handbuch-Kapitel zum Kostenmanagement.

Controlling und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Um die Lösungen zu bewerten, die Sie mit Ihrem Wertanalyse-Team gefunden und ausgearbeitet haben, brauchen Sie betriebswirtschaftliche Methoden. Diese zeigen, welche Zielbeiträge eine Lösung liefert und wie wirtschaftlich sie ist. Dafür können Sie folgende Methoden einsetzen:

  • Nutzwertanalyse
  • Kapitalwertmethode
  • Kosten- und Gewinnvergleichsrechnungen
  • Break-even-Analyse
  • Amortisationsrechnung

Erläuterungen dazu finden Sie in den Handbuch-Kapiteln:

Weitere Bewertungen zur Auswahl von guten Lösungen oder zur Identifikation von kritischen Lösungen führen Sie mit folgenden Controlling-Methoden durch:

Praxis

Werkzeugkasten für Ihre Wertanalysen zusammenstellen

Entwickeln Sie Ihren Wertanalyse-Werkzeugkasten. Sammeln Sie dazu Methoden und Werkzeuge, die Ihnen bei der Durchführung der einzelnen Wertanalyse-Arbeitsschritte helfen können. Besprechen Sie im Team, welche der Methoden Sie jeweils einsetzen wollen.

Legen Sie besonderen Wert darauf, dass methodisch vorgegangen wird. Das hat große Vorteile bei der Lösungssuche und Lösungsfindung. Denn diese Methoden helfen beim genauen Durchdenken einer Aufgabe und bei der Darstellung und Vermittlung von Informationen, Lösungsideen und Lösungen.

Sie können im Arbeitsplan der Wertanalyse festhalten, für welche Aufgaben und Schritte Sie welche Werkzeuge einsetzen wollen. Und Sie können erkennen und bewerten, wo noch Defizite zum Methodeneinsatz bestehen. Nutzen Sie dazu die folgenden beiden Vorlagen.

Excel-Werkzeuge für die Wertanalyse

Darüber hinaus finden Sie hier noch eine Reihe weiterer nützlicher Werkzeuge für die Wertanalyse und die einzelnen Aufgaben, die Sie im Rahmen der Wertanalyse durchführen. Alle Werkzeuge sind auf Basis von Excel entwickelt. Sie stellen mit ihrer Hilfe alle wichtigen Informationen zusammen und visualisieren diese entsprechend.

Beispiel für eine Wertanalyse

Wie Sie diese Methoden und Werkzeuge und die Excel-Vorlagen für Analysen und Bewertungen in Ihrem Wertanalyse-Projekt nutzen können, zeigt der folgende Abschlussbericht für ein Wertanalyse-Projekt; hier am Beispiel eines Infusionsflaschenaufhängers (für Krankenhäuser). Nutzen Sie diese Vorlage und Hilfestellung für Ihr Wertanalyse-Projekt und Ihren Abschlussbericht.